NYC ConeyIsland | Paul's Daughter | chestnutandsage.de

Der April, so habe ich gelernt, beginnt am gleichen Wochentag wie der Juli, in Schaltjahren wie der Januar. Geprüft habe ich diesen Smalltalk-tauglichen Fakt noch nicht, vermutlich werde ich das auch nie, denn so würde man jedes zarte Aufblühen wilder Spekulationen im Keim ersticken und so den Sinn des beiläufigen Geplänkels ad absurdum führen. Absurd war der April auch, erstaunlich dass er einfach so vorbei ist ohne dass ich wirklich etwas von diesem sonnigen Monat mitbekommen habe. Was mich nicht davon abgehalten hat, ein wenig zusammenzutragen, was mir besonders gefallen hat:

Habt einen schönen Mai!
Julia

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Eingelegte Kräuterseitlinge mit Bohnen-Hummus | chestnutandsage.de

Manchmal ist sie da, die zündende Idee. Dabei habe ich oftmals einen Sicherheitskopf: Vorne voll mit Stroh, dahinter ein Eimer Wasser, damit ich bei eben jenen brangefährlichen Gedanken den Kopf einfach nur schütteln muss, damit er nicht Feuer fängt. Ein gemeines Gleichnis, aber gemein kann ich gut. Der schmale Grat zwischen Belustigung und Beleidigung ist mein Weg, den ich oftmals einschlage, um dem Trott und der Langeweile zu entkommen. Provokation des provozieren Willens. Die Contenance schwankend, die Masken fallend. Man werde mich nicht besonders mögen, prophezeite mir einst ein Glückskeks, den ich mir teilte mit E. die aber zur Familie gehört und mich deshalb mögen muss, man kann sich nicht aussuchen, in was man hineingeboren wird. Dabei würde man das ja manchmal gerne, die Familie wechseln, ein Gedankenspiel, was wäre wenn? Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich. Wusste schon Anna Karenina. Dabei hätte man keine Probleme, wäre man gar nicht geboren worden, was vermutlich wieder andere Probleme mit sich gebracht hätte. Zumindest würde man leichter an eine Wohnung kommen, denn wo es nur noch Zweieinhalbzimmerwohnungen mit Staffelmietverträgen gibt, wie soll man sich da mit der gerade gegründeten Familie noch frei entfalten können? Immerhin die Küche ist in solchen Wohnungen noch offen, im Gegensatz zur Gesellschaft, die ihre Türen lieber verschließt um nicht nur ihre Köpfe in Sicherheit zu wiegen, sondern damit auch die eigene kritischen Fähigkeit auszuschließen. Dabei leben in freien Gesellschaften freie Geister, und meiner neigt heute zum Spielen. Mit Pilzen, Gewürzen und Hummus. Denn nicht nur das Spiel, sondern auch das Kochen, das Essen, braucht der Mensch zur Menschwerdung. Süß und sauer, wie das Leben, mit Sicherheit. Weiterlesen…

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Kisir | veganer Bulgursalat | chestnutandsage.de

Die Gedanken zwitschern wie Kanarienvögel. Hektisch, unstet, laut, in ordinärem Gelb. Gefangen sind sie in meinem Kopf, in den sie ihren Unfug mit spitzen Schnäbeln hacken. Weh tut er mir, was aber auch vom immer ungesunden Auf-den-Monitor-Schauen kommen kann. Spannungskopfschmerz nennt man das und unter Spannung stehe nicht nur ich, sondern auch der, der mit mir lebt. Denn drehen die Vögel ihre Runden, bekommt er die Spitzen ab. Deshalb schließe ich die Augen, schalte die Entspannungsapp ein, und träume mir zum Vogelgezwitscher ein glucksendes Bächlein und brummende Bienen. Und während mein einschlafendes Ich über eine imaginäre Blumenwiese wandelt, deckt mich die Sonne mit ihren warmen Strahlen zu und lässt mich von fernen Ländern träumen, wo die Geflügelten über meeresblauem Himmel lebenstolle Kapriolen und damit die Wilddruden in die Flucht schlagen. Urlaubsreif nennt man das und da der Urlaub in weiter Ferne liegt, muss er heute eben auf den Teller und nach einem Tag in Istanbul schmecken. Das im besten aller Sinne hektisch, unstet und laut ist und – so wie der Kisir – in den buntesten aller Farben leuchtet.  Weiterlesen…

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Verrückte Zeit, wo bist Du nur geblieben? Auf der B17, im Büro und auf Instagram vertrödelt. Das ich ja so gar nicht mehr mögen möchte. Dabei erwacht das Leben, der Garten, der Frühling gerade jetzt mit den ersten warmen Sonnenstrahlen, die uns fast vergessen lassen, dass wir noch im März sind. Und weil der März gestern so einen schönen Ausklang fand, zeige ich Euch heute, wie ich – ganz im Frederick’schen Sinne – gestern Farben sammelte, Gerüche und Düfte einsog und den Winter allmählich vergaß. Weiterlesen…

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Fermentierte Radieschen | chestnutandsage.de

Manch einer fühlt sich zu gut. Zu gut, um die Arbeit zu erledigen, die sonst liegen bleiben würde. Zu gut, um den Geschirrspüler auszuräumen, der gerade fertig gelaufen ist. Zu gut, um zu grüßen. Sie sind sich zu schade dafür, die Dafür-werde-ich-nicht-Bezahlten. Und fühlen sich dabei gut. Dabei schadet es ja nicht, den eigenen Wert zu kennen. Sich wertschätzen, wenn es schon die anderen nicht tun. Den Körper, der uns jeden Tag treu zur Seite steht, wenn einen die anderen schon im Stich gelassen haben. Den Geist, der uns innewohnt. Damit man sich gut fühlt. Und nicht für die Tonne. Denn zu gut für eben diese sind viele Lebensmittel, die Tag für Tag in Supermärkten entsorgt werden. Weil sie den Ansprüchen all Jener nicht mehr genügen, die vergessen haben, dass der dumme Witz mit der krummen Banane nicht daher kommt, weil die gelbe Frucht 40 Jahre einen Bogen um die Ex-DDR machen musste, sondern weil Obst und Gemüse eben krumm und schief wächst. Und Dellen hat. Und noch lange nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums in einwandfreiem Zustand ist. So wandert vieles in den Müll, das aufwändig angebaut, geerntet, verpackt, transportiert und gelagert wurde. Lebensmittel müssen aber mehr Wert sein, weshalb ich froh bin, dass einige Supermärkte hier jetzt das anbieten, was sie wegwerfen müssten. Weshalb ich in den Besitz fünf einwandfreier Bund Radieschen gekommen bin. Und wenn das Leben Dir Radieschen gibt, dann fermentiere sie am besten. Denn mit ein wenig Ingwer, ein bisschen Chili, wird dieses kleine Gemüse zum echten Schatz, der das beste aus sich heraus holt. Und das beste, das darf heute für mich gerade gut genug sein. Weiterlesen…

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