Ferienhaus-Küche | chestnutandsage.de

In einem Haus, in dem es nach Brot riecht, fühl ich mich zu Hause. Der Bäcker unterhalb der Terrasse arbeitet Tag und Nacht, der Schornstein ragt in mein Blickfeld, während ich im Halbschatten liege und dicke Scheiben einer kalten Wassermelonen esse. Es ist das einzige, das in der heißen kroatischen Sonne kühlt und für konstante Bewässerung der geistigen Windstille sorgt. Der Brotduft kann da schon etwas lästig werden, das ist wie in Mannheim, das nicht nur nach Industrie, sondern auch nach Schokolade riechen kann. Der Vergleich zu Charlie und der Schokoladenfabrik liegt nahe, ist das Kurpfälzisch manchmal doch so unverständlich wie die Oompa Loompa. Nicht herrlich süß und glücksverheißend, sondern schwer und penetrant. Der Bäcker backt also, als gäbe es kein Morgen. Denn tatsächlich ist seine Zukunft ungewiss, beschweren sich die Nachbarn über den beißenden Rauch, der ab und an durch das Dorf zieht. Er hat seine Stube in Mitten von Häusern gebaut, die – und so versichern sie uns- schon lange vor dem Bäcker da waren. Doch damals, ach, da rauchten nur die Zigaretten, auf die man sich abends bei einer Flasche Bier traf. Auf den Treppen, die heute noch vom Krieg erzählen. An den Ortsrand solle er, doch wo fängt ein Ort an und wo hört er auf, wenn die erste Reihe Häuser den Beginn und die dritte Reihe Häuser bereits das Ende definiert? Ich versuche es herauszufinden, während meines Urlaubs, in dem die einzige Aktivität ist, den Ort von Anfang bis Ende, Ortseingang bis Strand, zu erkunden. In der einen Hand die Sonnencreme, in der anderen Hand ein frisches Brot. Denn so lange der Bäcker vor meiner Haustür backt, da fühl ich mich zu Haus. Weiterlesen…

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Stop Food Waste | unsplash.com

Der Urlaub steht vor der Tür und der Kühlschrank ist noch voll – wer kennt das nicht? Und selbst wenn man auf einmal einen unbändigen Hunger entwickeln würde, in wenigen Tagen bekommt man das Gemüsefach nicht mehr leergegessen. Auch im oberen Bereich des Kühlschrankes sieht es nicht besser aus: Gläser voller Joghurt, Kefir und Soßen blicken vorwurfsvoll auf ihr Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Zeit drängt und trotzdem gilt als oberste Maxime “Kein Lebensmittel wird weggeworfen”! Wie ihr es schafft, eure Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten obwohl ihr Euch in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet, das zeige ich Euch heute. Weiterlesen…

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Gegrillte Auberginen mit schwarzem Knoblauch | chestnutandsage.de

Manche Dinge brauchen Zeit, um gut zu werden. Sie wollen durchdacht werden, Umwege nehmen, verworfen und neu aufgesetzt werden. Nur, um gleich wieder über den Haufen geworfen und neu gedacht zu werden. Im Denken, so scheint es, liegt der Schlüssel. Weshalb wir auch über einen runden Kopf verfügen, nur so können die Gedanken Runde um Runde drehen, was Menschen, die sich gerne sorgen, an den Rande des Wahnsinns bringt. Und wenn ich etwas gut kann, dann mich zu sorgen. Obwohl ich weiß, dass manche Dinge, auch jene, die Zeit brauchen, sich nicht ändern lassen, Gesagtes ausgesprochen bleibt, Mitgegebenes nicht zurückgenommen werden kann. Es ist nunmal, was es ist, sagt – und da bin ich bei Erich Fried –  nicht die Vernunft, sondern das emotionsgeleitete Empfinden, das mich um den Schlaf bringt. Manche Dinge brauchen eben auch Zeit, bis sie verdaut sind. Wobei schwarzer Knoblauch hilft, der durch seinen langen Fermentationsprozess bekömmlicher für Magen und Darm ist und durch seinen süßlichen Karamellgeschmack alles Scharfe und Bittere (sei es nun des rohen Knoblauchs oder des rauen Lebens) vergessen lässt. Dass das Sprichwort “Gut Ding will Weile haben” hier wörtlich zu nehmen ist, verwundert nicht: etwa vier bis sechs Wochen muss der Knoblauch bei ca. 70°C und einer Dampfsättigung von 80% fermentieren. Wohl der, die delegieren kann und den Herstellungsprozess dieser Köstlichkeit “outsourced”. Man muss nicht alles selber machen, denn es gibt sie noch zu kaufen, die guten Dinge, die Zeit brauchen. Weiterlesen…

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Pfannkuchen mit Erdbeeren | chestnutandsage.de

Wie viel Versionen eines Selbst passen in ein Leben? Wie viele Masken trägt man und wem zeigt man diese zu welcher Zeit? Studentin, Angestellte, Zurückgekommene, zu jeder Zeit die passende Facette tragend. Man hofft schillernd, doch meist reduziert auf die Erwartungen, die mit dem Label einhergehen, das man gerade trägt. Wer war man früher, wer ist man heute? Was isst man heute? Was wurde aus meinen Lieblingsessen, die ich verloren habe zusammen mit den Menschen, die sie zubereitet haben? Ich bereite sie wieder zu. Weil ich in Zeiten, in denen ich neue Masken male, sie anprobiere, hie und da ein wenig Farbe hinzufüge, an manchen Stellen den Lack abkratze, etwas Vertrautes brauche, das mich daran erinnert, wie ich früher war – auch wenn die Vergangenheit noch nicht so lange vergangen ist. Deshalb gibt es heute Pfannkuchen, dick, süß, versöhnlich – wie von meiner Oma – die nicht nur gut zum Frühstück passen, sondern auch zum Picknick im Garten, geteilt mit den Nachbarn. Weiterlesen…

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Schiffsbank | chestnutandsage.de

Ein kühler Mai liegt hinter uns, der mir die Wonne etwas verregnet hat. Und ja, ich weiß schon: Der Regen war notwendig, der Garten – wie man im Schwäbischen sagt – hat’s gebraucht. Wobei ich annehme, dass in diesen Satz auch die schwabenschlaue Sparsamkeit Einzug gefunden hat, billiger bekommt man den Rasen doch wohl bitte nicht gegossen. Dabei ist alles schöner mit Sonne: im Büro sitzen, auf dem Balkon lümmeln, sammeln und teilen, was mir besonders gut gefallen hat.

Habt einen schönen Juni,
Julia

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Grilled-Cheese-Sandwich | chestnutandsage.de

Freitagabend rasen die Außendienstmitarbeiterinnen über die Autobahn, stets bereit mit der Lichthupe auf den Umstand hinzuweisen, dass sie ihr Wochenziel erreicht haben. Sie rasen in den freitäglichen Feierabend, der ein Glas Wein, die Sportschau oder einen Streit mit dem Nachbarn, der Vermieterin oder der Partnerin bereit hält. Es ist immer das gleiche Spiel, das sie genau so spielen, wie sie arbeiten: hart. Da bleibt kein Raum für Spaß. Dafür hat man Ziele. Vereinbart, gefeedackt, gereviewt. Denen man alles unterordnet, weil versprochen ist versprochen und wird – vor allem wegen der Prämienzahlung – nicht gebrochen. Sie leben in ihren Autos, die auf dem Firmenparkplatz die Rangordnung zementieren, im Freundeskreis den Status definieren und vor der Familie als Fluchtwagen dienen. Doch an Flucht ist nicht zu denken, fahren sie doch alle in den nächsten Stau, in stockenden Verkehr, weshalb ich ihn liebe, den Verkehrsfunk. Wie er die Nummern hochhält, A1 bis A9, die Staus Kilometer um Kilometer erhöhend, von Ost nach West, von Süd nach Nord. Es entspannt mich zu wissen, dass andere entnervt im Auto sitzen, während ich zu Hause mein Freitagabendessen vorbereite: Knusprige, gegrillte Käse-Sandwiches, aus denen geschmolzener Mozzarella und kräftiger Pecorino aus löchrigen und goldbraunen Ciabattascheiben tropft und mich so zusammen mit den ersten reifen Gewächshaustomaten und olivenölfettigen Fingern aufs Wochenende einstimmt. Weiterlesen…

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