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Gegrillte Auberginen mit schwarzem Knoblauch | chestnutandsage.de

Manche Dinge brauchen Zeit, um gut zu werden. Sie wollen durchdacht werden, Umwege nehmen, verworfen und neu aufgesetzt werden. Nur, um gleich wieder über den Haufen geworfen und neu gedacht zu werden. Im Denken, so scheint es, liegt der Schlüssel. Weshalb wir auch über einen runden Kopf verfügen, nur so können die Gedanken Runde um Runde drehen, was Menschen, die sich gerne sorgen, an den Rande des Wahnsinns bringt. Und wenn ich etwas gut kann, dann mich zu sorgen. Obwohl ich weiß, dass manche Dinge, auch jene, die Zeit brauchen, sich nicht ändern lassen, Gesagtes ausgesprochen bleibt, Mitgegebenes nicht zurückgenommen werden kann. Es ist nunmal, was es ist, sagt – und da bin ich bei Erich Fried –  nicht die Vernunft, sondern das emotionsgeleitete Empfinden, das mich um den Schlaf bringt. Manche Dinge brauchen eben auch Zeit, bis sie verdaut sind. Wobei schwarzer Knoblauch hilft, der durch seinen langen Fermentationsprozess bekömmlicher für Magen und Darm ist und durch seinen süßlichen Karamellgeschmack alles Scharfe und Bittere (sei es nun des rohen Knoblauchs oder des rauen Lebens) vergessen lässt. Dass das Sprichwort “Gut Ding will Weile haben” hier wörtlich zu nehmen ist, verwundert nicht: etwa vier bis sechs Wochen muss der Knoblauch bei ca. 70°C und einer Dampfsättigung von 80% fermentieren. Wohl der, die delegieren kann und den Herstellungsprozess dieser Köstlichkeit “outsourced”. Man muss nicht alles selber machen, denn es gibt sie noch zu kaufen, die guten Dinge, die Zeit brauchen. Weiterlesen…

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Pfannkuchen mit Erdbeeren | chestnutandsage.de

Wie viel Versionen eines Selbst passen in ein Leben? Wie viele Masken trägt man und wem zeigt man diese zu welcher Zeit? Studentin, Angestellte, Zurückgekommene, zu jeder Zeit die passende Facette tragend. Man hofft schillernd, doch meist reduziert auf die Erwartungen, die mit dem Label einhergehen, das man gerade trägt. Wer war man früher, wer ist man heute? Was isst man heute? Was wurde aus meinen Lieblingsessen, die ich verloren habe zusammen mit den Menschen, die sie zubereitet haben? Ich bereite sie wieder zu. Weil ich in Zeiten, in denen ich neue Masken male, sie anprobiere, hie und da ein wenig Farbe hinzufüge, an manchen Stellen den Lack abkratze, etwas Vertrautes brauche, das mich daran erinnert, wie ich früher war – auch wenn die Vergangenheit noch nicht so lange vergangen ist. Deshalb gibt es heute Pfannkuchen, dick, süß, versöhnlich – wie von meiner Oma – die nicht nur gut zum Frühstück passen, sondern auch zum Picknick im Garten, geteilt mit den Nachbarn. Weiterlesen…

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Schiffsbank | chestnutandsage.de

Ein kühler Mai liegt hinter uns, der mir die Wonne etwas verregnet hat. Und ja, ich weiß schon: Der Regen war notwendig, der Garten – wie man im Schwäbischen sagt – hat’s gebraucht. Wobei ich annehme, dass in diesen Satz auch die schwabenschlaue Sparsamkeit Einzug gefunden hat, billiger bekommt man den Rasen doch wohl bitte nicht gegossen. Dabei ist alles schöner mit Sonne: im Büro sitzen, auf dem Balkon lümmeln, sammeln und teilen, was mir besonders gut gefallen hat.

Habt einen schönen Juni,
Julia

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Grilled-Cheese-Sandwich | chestnutandsage.de

Freitagabend rasen die Außendienstmitarbeiterinnen über die Autobahn, stets bereit mit der Lichthupe auf den Umstand hinzuweisen, dass sie ihr Wochenziel erreicht haben. Sie rasen in den freitäglichen Feierabend, der ein Glas Wein, die Sportschau oder einen Streit mit dem Nachbarn, der Vermieterin oder der Partnerin bereit hält. Es ist immer das gleiche Spiel, das sie genau so spielen, wie sie arbeiten: hart. Da bleibt kein Raum für Spaß. Dafür hat man Ziele. Vereinbart, gefeedackt, gereviewt. Denen man alles unterordnet, weil versprochen ist versprochen und wird – vor allem wegen der Prämienzahlung – nicht gebrochen. Sie leben in ihren Autos, die auf dem Firmenparkplatz die Rangordnung zementieren, im Freundeskreis den Status definieren und vor der Familie als Fluchtwagen dienen. Doch an Flucht ist nicht zu denken, fahren sie doch alle in den nächsten Stau, in stockenden Verkehr, weshalb ich ihn liebe, den Verkehrsfunk. Wie er die Nummern hochhält, A1 bis A9, die Staus Kilometer um Kilometer erhöhend, von Ost nach West, von Süd nach Nord. Es entspannt mich zu wissen, dass andere entnervt im Auto sitzen, während ich zu Hause mein Freitagabendessen vorbereite: Knusprige, gegrillte Käse-Sandwiches, aus denen geschmolzener Mozzarella und kräftiger Pecorino aus löchrigen und goldbraunen Ciabattascheiben tropft und mich so zusammen mit den ersten reifen Gewächshaustomaten und olivenölfettigen Fingern aufs Wochenende einstimmt. Weiterlesen…

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Hinterhofflohmarkt Bismarckviertel | chestnutandsage.de

Mit dem Auftakt im Bismarckviertel hat die Flohmarkt-Saison in Augsburgs Hinterhöfen begonnen. Wie jedes Jahr ist der Flohmarkt im Nachbarviertel der schönste, vielleicht auch, weil nicht kommerziell ist und sich die Bewohner, Nachbarn und Gäste hier besonders viel Mühe geben zu zeigen, wie gute Nachbarschaft aussehen kann. Die Kellerschätze werden angepriesen, Kuchen und Sekt geteilt, hier ein Schwätzchen, dort ein großes Hallo. Die Karawane der Schnäppchenjäger zieht weiter, bis Ende Juli kann jede, die das Kuriose liebt, handeln und fündig werden. Denn Love ist nicht nur im Bismarckviertel, sondern auch in den anderen Hoods. Weiterlesen…

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Fermentierter Spargel | chestnutandsage.de

Transformation ist 2019 mein großes Thema. Nicht nur die digitale, nein, die sehr analoge und grundlegende Veränderung meiner selbst. Denn wenn ich etwas nie wollte, dann ein Leben, in dem ich mich am Ende der Woche belohnen muss durchgehalten zu haben. Mit Schuhen, mit Tand, mit Trallala. Denn alles dreht sich, alles bewegt sich, Du hast den Kopf über Wasser gehalten, gönn Dir! Dabei, und da halte ich es immer wieder mit Astrid Lindgren, muss ein Mensch einfach mal Zeit haben da zu sitzen und vor sich hin zu schauen. Die einzige Gönnung, die ich mir wirklich herbei sehne. Dabei weiß ich gar nicht, ob es dieses Wort noch gibt, Gönnung, vermutlich nutze ich es falsch, das Jugendwort 2015, wie jeder nicht mehr ganz so junge aber (darauf bestehende) jungebliebene Mensch, der den eigenen Kindskopf bis ins hohe Alter retten möchte. Ein wenig peinlich, von den Jüngeren und den Älteren belächelt. In weißen Sneakern und hochgekrempelten Hosenbeinen, Hochwasserhosen nannte man diese einmal, die Älteren unter den Junggebliebenen erinnern sich. Veränderung also. Auch in der Küche. Denn darum geht es ja heute, beim Fermentieren, die innere Struktur eines Lebensmittels so zu verändern, dass es haltbar wird und auch nach der eigentlichen Saison noch schmeckt. So wie dieser Spargel. Der vermutlich gar nicht so lange halten wird, zu gut steht ihm der Wandel, dieser einzigen Konstante, um die sich alles dreht.  Weiterlesen…

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