NYC | BrooklynBridge | chestnutandsage.de

“If I can make it here I can make it anywhere, that’s what they say” geht mir durch den Kopf. Ich blicke auf die glitzernde Skyline Manhattans und kann es nicht fassen, endlich in New York City zu sein. Die Wolkenkratzer sind atemberaubend, der East River glitzert im Licht der untergehenden Sonne. Ich stehe auf der Dachterrasse des Whyte Hotels und finde das erste Mal etwas Ruhe. So laut ist die Stadt, so überbordend, mit einem solchen Übermaß, das mich überfordert. Wo soll ich nur zuerst hin? Was möchte ich zuerst sehen? Was zuerst essen? Das schiere Überangebot von Allem lähmt mich. Wenn Du diese Stadt überstehst, dann schaffst Du es überall. Vielleicht ist es das, was sie meinen? Ich muss das herausfinden. Doch wo anfangen? Vielleicht ganz einfach oben. Und dann weiter nach unten. Was in diesem Fall von Norden nach Süden bedeutet, von Williamsburg nach Coney Island. Brooklyn, das ist schnell klar, ist der Stadtteil, der mich am meisten fasziniert – Manhattan, das kann ja jeder. Doch die Heimat der Beastie Boys, Jay Z und Woody Allen, die ist es, die ich erkunden möchte. 2,7 Millionen Einwohner, auf einer etwas größeren Fläche als Augsburg, jeder Block eine neue Welt mit unterschiedlichen Menschen, Gerüchen, kulturellen und kulinarischen Einflüssen. Die ganze Welt in einer Nussschale, es wird also Zeit sich bequeme Schuhe anzuziehen und loszulaufen. Weiterlesen…

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Gruener Spargel mit Bärlauch-Gremolata | chestnutandsage.de

Flieder klauen gehört genau so zum Mai, wie Spargel, ruft es hinter mir. Aus dem Dunkel der Nacht kommt eine ältere Dame daher, einen Korb voll Flieder im Arm. Ob ich ihr auch noch von dem Dunklen ein paar Äste abbrechen könnte? Vom Hellen habe sie schon genug, ich solle nur drauf achten, dass er noch nicht verblüht sei. Schon seit ihrer Kindheit mache sie das, Flieder klauen, für die Frau Mama zum Muttertag, später dann auch für sich und ihre Freundinnen. In ihre Sätze schleichen sich die warmen laute des Alemannischen und ein wenig bayerisch. Sie stamme aus Tirol, Südtirol um genauer zu sein, schon immer sei sie Deutsche gewesen, dabei sei sie nie mit ihnen warm geworden. Zu steif, zu langweilig, noch heute brülle sie den Moderator der Tagesthemen an, was er doch für ein kalter und seltsamer Kautz sei. Sie wohne gleich ums Eck, gegenüber von Giovanni, bei dem es so guten Rotwein und so schlechte Pizza gibt. Aber zum ratschen halte sie trotzdem gerne bei ihm an, weiß er doch immer, was im Viertel geschehe. Ein paar mehr Zweige dürfen es schon noch sein, lässt sie mich zwischendurch wissen, sie habe viele Vasen, und so rupfe ich Rispe um Rispe vom alten Blütenstrauch. Und wo ich grade dabei wäre und dazu noch so hochgewachsen sei, könnte ich doch gleich auch von der Buche ein paar Blätter abstreifen, die jungen Triebe gäben so einen feinen Salat der sich erst noch besser halte als jeder Kopfsalat, den man im Supermarkt kaufen könne. Die Taschen voll beladen bedankt sie sich, wünscht mir einen schönen Abend und empfiehlt sich ins Dunkle, nichts als einen leichten Hauch Fliederduft hinter sich lassend. Weiterlesen…

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Küchenradio 05/2018 | Fotografin: Joanna Kosinska
Fotografin: Joanna Kosinska

Endlich mal wieder eine Neuerung auf Chestnut & Sage, eine neue Kategorie, das Küchenradio. Jeden Monat stelle ich Euch eine Playlist der Lieder zusammen, die in meiner Küche laufen. Der Mai fängt schon gut an, da ich zurzeit in den USA bin habe ich eine Kompilation aus Hip Hop, Motown und Soul für Euch zusammengestellt. Meine Top 10, just hits, no misses. Ich hoffe, Euch gefällts!

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Links with Love | rawpixel.com | unsplash
Foto: rawpixel.com via unsplash

Ach du schöner April, was warst Du gut zu uns. Frühsommerliche Temperaturen und die ersten lauen Nächte ließen mich die Jacke zu Haus vergessen und die Füße dann doch in Sandalen frieren. Und genau das war es, was ich gebraucht habe: Sonne! Biergärten! Den ersten Sprung in den Baggersee! Und trotzdem hab ich noch genug Zeit gefunden, mich im Netz umzusehen um für Euch wieder eine Sammlung allerlei Schönem zusammen zu stellen:

Habt einen schönen Mai!
Julia

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Rhabarberkuchen | chestnutandsage.de

Eine Kiste voller Erinnerungen ist mir in die Hände gefallen. Es sind nicht meine Erinnerungen. Es ist nicht mal meine Kiste. Es ist, was es ist, ein Zufallsfund. Vollgepackt ist sie mit Briefen, Fotos, Versprechungen. Worte, nicht für meine Augen bestimmte und doch in meinen Besitz gelangt. Schwüre, nicht an mich gerichtet und mir doch feierlich beteuert. Die Seiten der Briefe sind vergilbt, ein wenig brüchig, über 40 Jahre alt. Die Fotografien schwarz-weiß. Und doch ist das Feuer in den fremden Augen der jungen, unbekannten Frauen, die mich ernst anblicken, erkennbar. “Nachdem ich nun nach allem menschlichen Ermessen alles getan habe, mich wohl zu fühlen (im geheizten Zimmer, Kerzenlicht, Tee mit Zitrone, Zigaretten) will ich diesen Abend mit Dir auf diesem Weg verbringen!” Verbackfischte Romantik, in den Rauch der 70er-Jahre gehüllt. Unterschrieben sind die Briefe von Anna, der Raucherin. Luise, der Resoluten, die sich mit einem geliehenen BMW nach Italien aufmacht. “Wünsch mir Glück, vielleicht treffe ich ein Abenteuer!”. Und von Brigitte, die zur gleichen Jahreszeit des gleichen Jahres ihre Liebensbekundungen per Post auf den Weg schickte. Der Empfänger dieser Briefe ist der Besitzer der Kiste. Warum sie ihm abhanden gekommen ist, weiß ich nicht. Wer er war, weiß ich auch nicht, doch ist das Bild, das die Briefe zeichnen, erheiternd. Was es damals vermutlich überhaupt nicht war, zumindest nicht für das (unwissentlich) traurige Trio. Denn so wie es scheint, glaubten sie sich alle in der alleinigen Gunst des württembergischen Don Juan. Doch wer weiß, vielleicht gab es ja noch eine Vierte im Bunde? Eine, die keine Briefe schreiben musste, weil sie sich Ihrer und Seiner sicher war. Eine steile These, aber mehr ist ja bekanntlich mehr und ein Seemann hat ja auch in jedem Hafen einen Koffer stehen. Es war zu jener Zeit vermutlich einfach, was es war, zumindest sagten Vernunft, Liebe und Erich Fried das. Und doch ist es vor allem ein Rätsel, das ich wohl niemals lösen werde. Genauso wie das Rätsel, das sich hinter der Vermählung von Butter, Eiern und Zucker verbirgt. Wobei ich in diesem Fall eine Ausnahme mache und statt roter Rosen zartgrünen Rhabarber regnen lasse. Entgegen jeder Vernunft und auf die Liebe. Weiterlesen…

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Spargel mit Kräuter-Bröseln | chestnutandsage.de

Wissen verpflichtet, sagt einer den ich mag, während wir Spazierengehen. Die Sonne scheint, die Mandelbäumchen blühen und er ist auf der Suche nach einer Rechtfertigung für mich. Dabei kenne ich doch nur „Adel verpflichtet“ aus dem F.X. Schmid Verlag. Ein Spiel, das ich einmal spielte, schon lange ist das her, ob mir es gefallen hat oder nicht weiß ich nicht, der Mehrheit der Bevölkerung musste es gut leiden gekonnt haben, zumindest 1990. Aber was ist denn Wissen überhaupt? Der Duden sagt, Wissen sei „durch eigene Erfahrung oder Mitteilung von außen Kenntnis von etwas haben, sodass zuverlässige Aussagen gemacht werden können.“ Etwas, dass man verstanden hat. Und das, so höre ich es meinen alten Mechanik-Professor Herrn Doktor Mollenhauer sagen, muss man so ziemlich alles. Weil man lange darüber nachgedacht hat. Was ich über Statik, Dynamik und Festigkeitslehre in ausreichendem Maße getan habe und darüber feststellte, dass in diesem Fall ein solides Halbwissen gepaart mit der Fähigkeit zum Durchmogeln mich zu einer ausreichend interessanten Gesprächspartnerin machen. Und das wird man ja dann, wenn es irgendwo einen Bruch gab im Leben, eine ungewöhnliche Wendung, ein Wegzug, zum Beispiel nach Kambodscha, wo man das sichere Leben als Versicherungsfachkraft aufgibt um big ins Bitcoin-Business einzusteigen. Sehr zum Leidwesen der Eltern, die auf Anfrage bescheinigen, dass dies doch lange nicht so schlimm sei wie zu spät mit Enkelkindern beschenkt zu werden. Denn eine Frau, die erst mit Ende 30 ein Kind gebiert, das sei ja nun der Gipfel des Unglücks. Wie gesagt, ich bin eine interessante Gesprächspartnerin. Auch wenn ich oft nicht weiß, was ich mit meinem Wissen anstellen soll. Wenn Eigentum dazu verpflichtet, dem Gemeinwohl nicht entgegen zu laufen, zu was verpflichten mich dann meine Erfahrungen, meine Kenntnisse, ja das, was eben als “Wissen” zusammengefasst wird? Vielleicht auch zum Schutze des Gemeinwohls, vielleicht aber auch zum Schutze meines Wohls. Womit ich, obwohl ich dachte sie nicht zu brauchen, meine Rechtfertigung habe.  Weiterlesen…

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