Von Anfängen, fehlendem Zauber und Gewürzkuchen

Der erste Teil des Umzuges ist geschafft. Kisten wurden getragen und Möbel aufgebaut, Vorhangschienen montiert und Lampen aufgehängt. Alles ist noch neu und ungewohnt, die Geräusche der Stadt noch nicht so geliebt wie vermisst geglaubt. Allem Anfang wohne angeblich ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben, schrieb Herman Hesse. Ich warte sehnsüchtigst darauf, dass sich dieser Zauber doch endlich bitte einstellen möge, denn wenn etwas auf die jetzige Situation zutrifft, dann, dass ich einen Teil der Veränderung sehr gut finde und einen anderen Teil noch nicht so gut. Ich solle mir Zeit lassen. Mich gewöhnen. Der neuen Situation eine Chance geben… Geduld zählt dabei nicht zu meinen größten Stärken sollte ich vielleicht noch anmerken… Um meine Eingewöhnungsphase zu beschleunigen habe ich also den zweiten Teil des Umzugs in Angriff genommen und endlich wieder begonnen zu kochen und zu backen, den Alltag also wieder aufleben zu lassen. Denn wenn sich das Umfeld ändert, dann ist es für mich wichtig gewohnte Dinge zu tun: Lebensmittel einkaufen (diesen Teil des neuen Lebens finde ich übrigens perfekt, denn ich wohne nun in Laufnähe zum schönsten Markt der Stadt), Strafzettel bezahlen (bekommt man schon mal, wenn man noch keinen Anwohnerparkausweis hat) und auch wieder zur Arbeit gehen bringt Struktur in das ungewohnte Neue.

Eine neue Wohnung ist ja meist auch so befremdlich, weil sie neu riecht, nach frischer Farbe, nach Staub, manchmal auch nach den Menschen, die zuvor in dieser Wohnung lebten. Sie riecht nicht nach den letzten angebratenen Zwiebeln, nicht nach der gewohnten Melange aus Shampoo, Waschmittel und Klostein, nicht nach dem letzten gemeinsamen Abendessen mit Freunden. Und deshalb habe ich gebacken. Ein frischer  Kuchen durchdringt Räume mit warmen und herzerwärmenden Düften, dieser Kuchen übrigens besonders, denn er lockt mit Aromen von Schokolade, Nelken, Zimt und Sternanis, wunderbar, am Ende einfach mit ein wenig Puderzucker bestäubt, passend zu den ersten Schneeflocken, die mich nach dem Aufwachen begrüßten.

Das Rezept ist für eine Springform mit 20 cm Durchmesser und stammt von Susann und Yannic, die den zauberhaften Blog kraut-kopf.de betreiben. Ihr braucht folgende Zutaten:

  • 185 g gemahlene Mandeln
  • 185 g entsteinte Datteln, sehr fein gehackt
  • 3 Eier, getrennt
  • ½ TL Salz
  • 75 g zartbitter Schokolade, fein gehackt
  • 1 TL Zimtblüte oder 1/2 TL Zimtpulver
  • 10 Gewürznelken
  • 1 kleine Sternanis
  • 1 Prise Muskatnuss
  • 1 ½ TL Weinstein Backpulver
  • 2 EL Kakaopulver
  • 2 EL Ahornsirup
  • 2 EL Olivenöl
  • 110 ml Sauerkirschsaft

Heizt den Backofen auf 180° Ober-/Unterhitze vor.
Gebt die Gewürze in einen Mörser und mahlt sie zu einem feinen Pulver.
Vermischt sie dann mit Mandeln, Datteln, den 3 Eigelben, der Zartbitterschokolade, dem Backpulver, dem Kakaopulver, sowie Ahornsirup und Olivenöl in einer Küchenmaschine und knetet sie zu einem Teig. Gebt den Sauerkirschsaft nach und nach dazu, sodass ein schöner Rührteig entsteht.
Schlagt das Eiweiß steif und hebt es dann vorsichtig unter den Teig.
Fettet eine Springform ein und füllt den Teig hinein.
Backt den Kuchen dann etwa 30-35 Minuten und lasst ihn dann auskühlen.

Ihr Lieben, lasst es Euch gut gehen und bleibt bei diesen ungemütlichen Temperaturen gesund!

  1. Ah, da ist sie wieder :-) Welcome back!

    • Danke :) Du hast gesagt, ich blogge gar nicht mehr, das hab ich mir zu Herzen genommen und voilà!

  2. Ein sehr schöner Kuchen zum Einstand- und wenn zumindest der Zauber sich nicht so offenbart wird bestimmt die Gewohnheit alles zum Guten wenden.

    • Das glaube ich auch, Ninive. Das Wochenende war schon der erste Schritt in die richtige Richtung, deshalb bin ich ganz optimistisch :)
      Liebe Grüße
      Julia

  3. Wie schön von Dir zu lesen! Und ich glaube, das mit dem Zauber am Anfang wird überbewertet, insbesondere bei Umzügen ;-) Ich wünsche Dir, dass sich das Zuhause-Gefühl in der neuen Wohnung ganz schnell einstellt. Der Kuchen war bestimmt ein sehr guter Anfang!
    Liebe Grüße, Juliane

    • So langsam habe ich auch den Eindruck, Juliane, dass dieser Zauber überbewertet wird! Das ist wie mit Silvester, da muss ja auch immer die Party des Jahres überhaupt steigen ;)
      Der Kuchen hat auf jeden Fall sehr zur Steigerung des Wohlbefindens beigetragen, ich bin ganz glücklich!
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. mhmm der kuchen sieht sehr gut aus!! ich hab das ja irgendwie immer sehr gern, wenn alles noch frisch riecht und man die erste woche noch halb zwischen kartons verlebt :) wünsche dir, dass du dich schnell eingewöhnst ;)
    liebe grüße
    laura&nora

    • Ihr Lieben, vielen Dank! Mittlerweile bin ich ganz zuversichtlich, dass es wird. Stress, Erkältung & Co tragen ja nicht immer dazu bei, optimistisch zu sein ;)
      Liebe Grüße,
      Julia

  5. Ach Mensch, ich kenne diese Veränderungs-Anpassungs-Schwierigkeiten von mir selbst nur zu gut. Und aus meiner Erfahrung machst du genau das richtige: Backen und Kochen. Fehlt nur noch: Bilder der Liebsten aufhängen. Dann wird alles gut!

    • Danke für Deine Nachricht, Julia! Ich bin ganz froh zu lesen, dass ich mit meinem Chaos nicht ganz alleine bin <3 Die ersten Bilder hängen übrigens schon, ich kann also zuversichtlich sein :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  6. Hach, meine liebe Julia,

    es geht doch nichts über die Einweihung der Küche im neuen zu Hause. Wie Du es so schön schreibst helfen einem eine alltägliche Routine und wohlig-warme Düfte aus dem Backofen ungemein bei der Umstellung und tragen dazu bei, dass die Vier Wände sich mit jedem Tag ein wenig heimischer anfühlen. Gerade der fremde Geruch oder die Abwesenheit der gewohnten Kleinigkeiten hat schon so ein „Hotelzimmer“-Feeling finde ich und trägt nicht unbedingt zur Wohnlichkeit bei. Ein neuer Wohnraum muss doch immer Zentimeter für Zentimeter „erobert“ werden, bevor der besagte Zauber sich einstellen kann.

    Dass der Kuchen die Sache wenig beschleunigen hilft glaube ich übrigens glatt – das Rezept klingt geradezu nach Wohligkeitsduft-Explosion und auch Dein Foto macht Lust auf mehr. ;)

    Ganz liebe Grüße!
    Ylva

    • Ups! Da gab’s beim Schreiben wohl einen Gedankendreher in meinem Kopf… Ich kaufe noch ein „ein“ für das „ein wenig“ im ersten Satz des letzten Absatzes:

    • Liebe Ylva,
      das Hotelzimmer-Feeling trifft es wohl am besten. Man steht da also in diesen fremden Räumen und wundert sich, dass die eigenen Sachen drinnen stehen. Am schlimmsten ist es wohl in der Küche, in der man weiß, dass man sein Eigentum hat, aber es nicht mehr findet! Der häufigste Gedanke ist wohl „Beim Einzug besaß ich doch viel zu viel Salz…. wo hab ich das nur?“ Ich habe mir vom Wohnlichkeits-Gefühl her schon drei Räume fast erobert. Die anderen Räume stellen mich vor eine besondere Herausforderung, aber so ist das wohl, wenn man sich von der Quadratmeterzahl fast verdoppelt….
      Und Gedankendreher hin oder her, ich freu mich riesig, wieder von Dir zu lesen <3
      Viele liebe Grüße!
      Julia

  7. Ach, schön, dass du wieder unter den Bloggenden weilst! Kuchen und Bloggen klingt doch schon mal nach einem guten Start, der Rest kommt sicher ganz von selbst. :)
    LG
    Sabrina

    • Ach ich freu mich auch wieder, bei Euch allen zu sein. Das Bloggen hat mir unheimlich gefehlt, es strukturiert meinen Tag doch erheblich :) Der Kuchen wurde heute ratzeputz aufgegessen, die Gewürze haben nach 3 Tagen einfach genügend Zeit ordentlich durchzuziehen!
      Viele liebe Grüße <3
      Julia

  8. Die Pause ist vorbei! Juhu, wie wunderbar! :-)
    Ich freue mich, wieder von dir zu lesen. Und dein Kuchen klingt sehr fein.

    Liebe Grüße
    Franziska
    http://www.howbigarethesmallthings.wordpress.com

    • Liebe Franziska,
      ich freu mich auch! Wie ich Sabrina gerade schrieb, fehlte mir das bloggen unendlich. Und wenn ich in meinen Feed-Reader schaue, wird mir ganz schwummrig von all dem, was ich in den vier Wochen Online-Abstinenz verpasst habe!
      Viele liebe Grüße!
      Julia

  9. Liebe Julia,
    das Gefühl, in einer neuen Wohnung fremd zu sein, hatte ich noch nie, weil bisher für mich jeder Umzug eine Verbesserung war: vom Studentenwohnheim in die WG, von der WG in die eigene Wohnung. Aber ich habe immer mit schmerzendem Herzen eine Stadt zurückgelassen und fühle mich in der neuen Stadt fremd. Selbst in Stuttgart geht es mir manchmal noch so. Aber wie schön, dass du den „Neu-Geruch“ durch Kuchenduft vertreibst :)
    Ganz liebe Grüße
    Natalie

    • Liebe Natalie,
      ich verstehe Dich so gut! Ich hatte Augsburg, meiner Wahlheimat (home und where your heart ist, weißt Du schon, oder?) und Wohnort meiner (Wahl-)Verwandtschaften viel zu lange den Rücken gekehrt und bin aus sehr vernünftigen Gründen nach Heidelberg gezogen. Dort habe ich mich auch nach dreieinhalb Jahren nie zu Hause gefühlt und bin jetzt eben wieder „zu Hause“, obwohl sich besagtes Gefühl eben noch nicht ganz eingestellt hat. Das kommt aber bestimmt noch :)
      Viele liebe Grüße <3
      Julia

  10. Liebe Julia,
    welcome back! Auf deinem Blog und in Augsburg! Du hast ja beim Bloggertreffen schon von deinem Wunsch erzählt, schön, dass es geklappt hat! Vielleicht klappt es ja mal auf einen Kaffee :-)
    Lieben Gruß,
    Carina

    • Liebe Carina,
      manchmal gehen Wünsche schneller in Erfüllung als man mein :) Ich würde mich sehr freuen, wenn es mit einem Kaffee klappen würde!
      Viele Grüße!
      Julia

  11. Ich wünsche dir einen glücklichen Einstand, auf dass du deine neue Umgebung sehr schnell mit deinen Lebensgeistern füllst. Die Seele reist nach, das geht mir auch oft so…
    Ein Kuchen mit vielen Gewürzen nenne ich einen idealen Einstand.
    Die Zutatenliste klingt märchenhaft schön, einzig bei 10 Nelken musste ich stutzen. Wirklich so viele? Ich hätte Lust, den Kuchen für am Sonntag zu backen…
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Das ist schön gesagt „Die Seele reist nach“… abends bin ich immer zuversichtlicher als morgens, aber ich glaube, das mit dem Einleben wird schon werden, irgendwann :) Und jetzt wo Du so nachfragst muss ich nochmal bei Susann und Yannick nachschauen, aber ja, es sind 10 Nelken… halbiere einfach die Menge, wenn es Dir zuviel vorkommt oder füge Zimt hinzu, als Alternative, wenn Du keine Nelken magst? Der Kuchen ist übrigens ganz saftig und auch nach ein paar Tagen ein feiner Genuß.
      Viele liebe Grüße!
      Julia

  12. Ja, das dauert immer eine Weile, bis man sich in einem neuen Zuhause auch zuhause fühlt! Aber ich glaube auch, dass du das schon hin kriegst! Ich überreiche dir mal eben virtuell ein paar Salzkörner: …., einen Pfennig für’s Glück: o und ein Stück Brot: []
    Das Fläschchen Wein musst du dir dazu denken!
    Grüßle
    Ursel

    • Liebe Ursel,
      vielen Dank für Salz, Pfennig und Brot <3 Sie werden bestimmt Glück und Wohlstand in mein (nicht nur virtuelles) Heim bringen! Das Fläschchen Wein hab ich ganz in echt hier stehen und lass es mir einfach jetzt mal gut gehen :)
      Viele liebe Grüße!
      Julia

  13. Das klingt nach dem perfekten Einzugskuchen, liebe Julia! Was den Zauber jeden Anfangs betrifft, wird der möglicherweise überschätzt – ist es bei großen Veränderungen nicht oft eher so, wie Du es beschreibst? Ich kann das jedenfalls gut nachfühlen und wünsche Dir alles Liebe für’s Ankommen. Gut Übergang braucht Weile, nimm Dir Zeit – und Kuchen :-).

    • Danke liebe Claudia, für Deine Nachricht. Die Zeit tut ganz gut, der Zauber blitzt mittlerweile hie und da auf, das frühlingshafte Wetter trägt dazu natürlich bei. Und weil Kuchen so gut hilft, wird morgen gleich wieder gebacken :)

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