Für den Vorratsschrank: Apfelsaft

,

Apfelsaft | chestnutandsage.de

Die “Für den Vorratsschrank”-Serie neigt sich dem Ende. Der Garten verabschiedet sich langsam in den Winterschlaf, der wilde Wein leuchtet im weichen Herbstlicht in den schönsten Rottönen und die Bäume verlieren ihre letzten Äpfel. Groß sind sie, schwer, steckt in ihnen doch die ganze Süße der vergangenen Sonnenmonate. 300 ganze Kilo, die nicht zu Kuchen, Muß oder Chutney verarbeitet wurden, liegen so verteilt im familiären Garten, dunkelviolett glänzend, möchten sie gesammelt, sortiert und zu Saft verarbeitet werden. Dabei ist das Sammeln und Sortieren die meiste Arbeit, das Saft-machen übernimmt später der Obst- und Gartenbauverein. In nur wenigen Minuten sind die Apfelmassen da verarbeitet, abgefüllt und – schneller als man gedacht hat – wieder im Kofferraum verstaut. Zuhause angekommen kann man sich dann über literweise Saft erfreuen, der einen Geschmack, ein Aroma hat, das man so nicht von Supermarktapfelsaft, sei es nun Direktsaft oder Fruchtsaft aus Konzentrat, kennt. Dass das Saftmachen in Zusammenarbeit mit den regionalen Obst- und Gartenbauvereinen ganz einfach ist, das möchte ich Euch heute zeigen. In nur 5 Schritten stellt man in nur einer knappen Stunde den wunderbarsten Apfelsaft her der jede Flasche aus dem Supermarkt verblassen lässt.

Achtet darauf, dass Ihr nur einwandfreies Obst verwendet. Sortiert fauliges Obst einen Tag bevor ihr zum Saftpressen fahrt aus. So vorbereitet geht der Rest ganz einfach von der Hand. Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen mag, kann das hier tun. Die Kelterei des Obst- und Gartenbauvereins Herbersthofen ist Raumgroß und wird von den Vereinsmitgliedern betrieben. Die Kosten pro 50 Liter liegen bei 14 Euro für pressen, pasteurisieren und abfüllen. Los geht es also!

1. Schritt: Waschen und zerkleinern

Die sortierten Äpfel werden an den Anfang der Anlage in eine Wanne gegeben, die voll mit Wasser ist. Dort werden die Äpfel eingezogen, gewaschen und zerkleinert.

2. Schritt: Pressen

Die kleingeschnittenen Äpfel werden mit Hilfe von Transportbändern in die Presse transportiert. Je fester er Apfel, desto mehr Saft bekommt man.

3. Schritt: Filtern oder Absetzen

Wenn klarer Apfelsaft produziert werde soll, muss der Saft jetzt gefiltert werden. Trüb- und Schwebstoffe werden entfernt, ein reiner, schöner Apfelsaft entsteht. Wir wollen allerdings naturtrüben Apfelsaft, der jetzt in große Fässer gepumpt wird, wo sich eben diese Schwebstoffe etwas absetzen. Jetzt haben wir schönen, frischen Apfelsaft, von dem wir jetzt 15 Liter in ein Gärfass abfüllen. Hier darf sich der Apfelsaft zu feinem Apfelmost entwickeln. Wir geben keine Hefen bei sondern lassen die Gärung ohne Zusätze vonstatten gehen. So erreichen wir einen Alkoholgehalt von etwa 5 Volumenprozent.

4. Schritt: Pasteurisieren

Um den Saft haltbar zu machen, wird er pasteurisiert. Dabei wird der Saft in den Pasteur gepumpt und für kurze Zeit auf etwa 80°C erhitzt wodurch Mikroorganismen abgetötet werden. Mithilfe der Pasteurisation wird die Gärung des Saftes verhindert, er ist auch ungekühlt haltbar und lagerfähig.

5. Schritt: Abfüllen

Nach dem Pasteurisieren wird der Saft über eine Pumpe in den Vorlaufbehälter der Abfüllanlage befördert. Der heiße Saft wird in 10 Liter fassende Saftbeutel abgefüllt. Jeder Saftbeutel wird mit einem Auslass versehen und kann so entweder liegend oder in einem Pappkarton gelagert werden. Nach Anbruch eines Beutels ist der Saft etwa 3 Monate haltbar.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Wenn Ihr jetzt auch Lust habt Euren Saft selber zu machen, Euch aber fragt, woher Ihr das ganze Obst kriegen sollt, dann ist möglicherweise eine eigene Streuobstwiese eine gute Idee. Streuobstwiesen sind eine tradiotionelle Form des Obstanbaus, sie prägen Landschaften und sind für den Erhalt alter Obstsorten essentiell. Im Kleinen bieten sie eine große Chance für den Landschafts- und Naturschutz, denn nicht nur von Monsanto und Co. bedrohte Obstsorten finden hier ihren Platz, sondern auch Tiere finden in Hecken, Bäumen und Wiesen Nahrung und Schutz. Auf Streuobstwiesen findet man vor allem stark- und hochstämmige Bäume, die im konventionellen Hochleistungsobstanbau keinen Platz finden. Das Obst weist meist schlechte Lagerfähigkeit auf und ist somit für den modernen Erwerbsanbau ungeeignet. Geeignet ist es aber für alle, die Lust auf reife, abwechslungsreiche, unbehandelte, krumme, unregelmäßige, aromatische und leckere Lebensmittel haben, die ohne großen Aufwand gesammelt, verarbeitet und genossen werden können. Macht Euch auf die Suche, wenn Ihr Interesse an einer eigenen Streuobstwiese habt: Gerade Obst- und Gartenbauvereine oder Interessensgemeinschaften bieten Streuobstwiesen zur Mieten an.

Ihr Lieben, ich hoffe, ich konnte Euch zeigen, wie einfach das Supermarkt-Produkt Apfelsaft hergestellt wird. Mein Keller ist jetzt auf jeden Fall prall gefüllt mit allerlei Gutem, das ich in den letzten Monaten eingekocht habe. Ich bin also gewappnet – der Winter kann jetzt kommen.
Liebe Grüße,
Julia

Share

10 comments on “Für den Vorratsschrank: Apfelsaft

  1. Lena
    5. November 2014 at 11:30

    Huhu liebe Julia,

    ich liebe selbstgemachten Apfelsaft. Als Kinder haben mein Bruder und ich immer Tage damit zugebracht, Äpfel zum Saftpressen unter unseren 6 Bäumen zu sammeln. Da wir soviel Saft gar nicht trinken konnten, gabs für die Hälfte sogar immer etwas Geld, wovon wir uns kaufen durften, was wir wollten. (Bei mir waren es meistens Lackschuhe, die ich als kleines Mädchen geliebt habe.)
    Jetzt habe ich seit einem Jahr einen Entsafter und mache mir jeden Abend frischen Apfelsaft. Mal mit Karotten, mal mit Ingwer oder auch mit Roter Bete. Auch alle unsere Freunde kommen in den Genuss von frischem Saft und sind begeistert. Gutes kann halt so einfach sein.

    Liebe Grüße,
    Lena

    • Julia
      7. November 2014 at 19:46

      Puh, 6 Apfelbäume sind schon eine ganz schöne Nummer! Wir haben jetzt für die ganze Familie 190 Liter Saft, ich denke, das wird uns alle über das ganze Jahr reichen! Deine Geschichte find ich ganz toll, vor allem, dass ihr euch als Kinder dann schon das kaufen durftet, was ihr wolltet – und wollten wir als Mädchen nicht alle Lackschuhe haben?
      Liebe Grüße!
      Julia

  2. Ela
    5. November 2014 at 13:00

    Ohh, selbstgemachter Apfelsaft ist schon besonders toll :) Bei mir ist leider eine Streuobstwiese keine Option, aber Bekannte hatten uns letztens eine große Kiste Äpfel mitgebracht – die sind schon zu Apfelkompott und Apple Crumble verarbeitet worden ;)
    LG
    Ela

    • Julia
      7. November 2014 at 19:44

      Solche Bekannte wünscht man sich, oder? Und ein guter Apfel ist einfach etwas feines, egal, in welches Endprodukt man ihn verwandelt :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  3. Our Food Stories
    5. November 2014 at 16:01

    apfelsaft von den eigenen äpfeln ist das beste!! das haben wir leider dieses jahr komplett verpasst…aber dafür lesen wir jetzt deinen schönen text hier und warten auf die nächste apfelzeit.
    alles liebe
    nora & laura

    • Julia
      7. November 2014 at 19:41

      Und die kommt ja ganz bestimmt :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. Ylva
    5. November 2014 at 17:13

    Hach, wie lecker so “richtiger”, frischer Saft doch ist, liebe Julia! Kein Vergleich zu dem Angebot im Supermarkt. Wir haben hier das Glück einen Familienbetrieb-Getränkehändler in der Nähe zu haben, der die Gegend ab dem Herbst mit richtigem und heimischem Apfelsaft versorgt. Und wenn man diesen halt ein wenig “vergisst” hat man den leckersten Most, den ich je getrunken habe. Mjamm!
    Ganz liebe Grüße,
    Ylva

    • Julia
      7. November 2014 at 19:41

      Absolut kein Vergleich ;) Ich bin übrigens auch großer Most-Fan, unser blubbert so richtig schön vor sich hin. Es ist einfach gerade eine schöne Zeit im Herbst, wenn alles, was man das Frühjahr und den Sommer über gehegt und gepflegt hat, geerntet und verarbeitet wurde!
      Liebe Grüße!
      Julia

  5. Claudia ~ Food with a View
    10. November 2014 at 22:06

    Was für ein toller Einblick, Julia! Ich würde mich jetzt gern nach Augsburg auf eine Streuobstwiese und hernach in Deinen Obst- und Gartenbauverein beamen – nicht nur wegen dieses sicherlich köstlichen Apfelsafts, sondern auch um des Erlebnisses und des sicherlich umwerfenden Dufts willen :-). Wunderbar, dass Du darauf aufmerksam machst, dass es dergleichen gibt (bestimmt auch bei Berlin, ich weiß es nur noch nicht). Liebe Grüße!

    • Julia
      13. November 2014 at 19:44

      Wohl war, Claudia, der Apfelsaft ist köstlich und vom Most nur noch ein trauriger Bodensatz übrig :) Ich hab übrigens mal ein wenig gesucht und gesehen, dass es im Berliner Raum natürlich Streuobstwiesen gibt – nichts anderes habe ich erwartet! Und bestimmt gibt es auch einige zu mieten.
      Liebe Grüße zurück!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *