Okonomiyaki

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Okonomiyaki | chestnutandsage.de

“Julia, das Bier gibts beim Späti am Görli! Am Görli! Ist das nicht süß?” A. strahlt mich an. Ich lache. Ihr Begeisterung allem Neuen gegenüber macht mich sprachlos. Ja, ja, der Görli, da laufen wir jetzt aber nicht hin, außerdem gibt es ja an jeder Ecke einen Späti. A. ist begeistert. Wir setzen unseren Weg durch Kreuzberg fort. Immerhin war das ja der eigentliche Grund für unsere Reise, Kreuzberg, die Markthalle 9, der Streetfood Thursday. Streetfood-Märkte gibt es ja überall in der Republik, doch dieser hier hat eine besondere Strahlkraft, mit der ich sogar A., die Kritische, davon überzeugen konnte mit mir zu verreisen. Und sie ist weiterhin begeistert: “Das ist ja so toll! Sowas gibts bei uns halt nicht. Toll! Toll, toll, toll!” Ich lache. A., die die Einrichtung des Spätis erst gestern bei unserer Anreise kennenlernte, ist voll des Lobes über diese Berliner Besonderheit der örtlichen Nahversorgung. Wo andere Touristen über die Schönheit des Verfalls staunen, die Freizügigkeit des Berghain bejubeln oder mit dem Trabi die frühere Mauer abfahren, hat meine liebe Freundin ihr Highlight auf unserer Reise entdeckt: eine absolut lückenlose Versorgung mit Bier und Knabbereien, 24 Stunden, 7 Tage lang. Immerhin kommen wir aus Bayern, wo die Läden bereits zu taghellen Stunden ihre Türen schließen. Wir schlendern weiter, vorbei an Streetart, Geschichte und Alltag, und lassen uns – eher zufällig als bewusst – in Richtung Markthalle treiben. Das Wetter ist fantastisch, die Stimmung auch, und irgendwann stehen wir vor den großen Toren des alten Marktes. Hungrig stürzen wir uns ins Getümmel, doch wo sollen wir nur beginnen? Hier locken Bao-Burger, dort mexikanische Tacos, oder sollen wir doch lieber – und A.s Stimme überschlägt sich, denn nirgends ist es bekanntlich so schön wie im Allgäu – Kässpatzen essen? Zum Glück lieben wir beide die japanische Küche und stehen alsbald mit glänzenden Augen vor dem Stand, an dem Okonomiyaki, dicke japanische Pfannkuchen, verkauft werden. Bestrichen werden sie mit einer glänzenden, süßlichen Sauce, verziert mit japanischer Mayonnaise und bestreut, A. lässt sich mehrmals versichern, dass dies auch wirklich die originale Zubereitungsweise ist, mit Bonito-Flocken. Die erste Gabel, der erste Bissen und sofort ist klar, dass wir unsere Rollen in diesem Moment tauschen, denn jetzt bin ich es, die sich vor lauter Begeisterung nicht mehr einkriegt, deren Stimme vor Begeisterung bebt. A. lacht – und wir beiden wissen, dass dies nicht die einzige Portion sein wird, die wir heute verspeisen werden. Satt und glücklich verlassen wir Stunden später die Markthalle und stürzen uns wieder in die Berliner Nacht, die uns mit ihren funkelnden Lichtern begrüßt, und machen uns auf die Suche nach dem nächsten Späti.

Für 1 Portion Okonomiyaki braucht Ihr:

  • 100 g Mehl (Weizen 550 oder Okonomiyaki-Mehl*)
  • 1 TL Backpulver
  • 80 ml Dashi**
  • 1 Ei
  • 50 g Spitzkohl, fein geschnitten
  • Japanische Mayonnaise, ich verwende die von Kewpie
  • 3 EL Ketchup
  • 1 EL Worcestershire-Sauce
  • 1 EL Sojasauce
  • Topping: Frühlingszwiebeln, in feine Ringe geschnitten, Gari, geröstete Seealgen, Sesam und Bonito-Flocken (optional)

*Okonomiyaki-Mehl ist mit Bonito- und Makrelen-Pulver vorgewürzt.
**Bereitet Dashi entweder aus Bonito-Flocken und Kombu-Algen zu oder ersetzt die Bonito-Flocken durch getrocknete Skitake-Pilze.

Bereitet aus Mehl, Backpulver, Dashi und Ei einen homogenen Teig, den ihr 20 Minuten quellen lasst.
Bereitet in der Zwischenzeit die Okonomiyaki-Sauce zu: Vermischt Ketchup, Worcestershire-Sauce  und Sojasauce miteinander. Stellt die Sauce beiseite.
Knetet den Spitzkohl kräftig durch und gebt ihn dann in den Teig.
Heizt eine Pfanne vor und bratet darin portionsweise kleine Pfannkuchen für 2 Minuten von jeder Seite.
Nehmt die fertigen Okonomiyaki aus der Pfanne. Gebt auf jeden Pfannkuchen eine großzügige Portion Okonomiyaki-Sauce, Mayonnaise, Gari, Sesam, Frühlingszwiebeln und – wenn ihr mögt – Bonito-Flocken.

Habt einen schönen Sonntag!
Julia

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