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Food-Fotografie: Finde Deinen Stil

Warum ich meine Fotos eigentlich so künstlich aufbauen würde, wurde ich auf dem Foodbloggercamp gefragt. Das würde ich doch so nie essen und das würde doch bestimmt die Leser irgendwann langweilen. Eine gute und berechtigte Frage, muss ich ehrlich gesagt zugeben! Denn wer hat es nicht gelesen, das Bildbetrachtungsgemotze auf vorspeisenplatte.de ? Meine einfache Antwort war: Weil es mir gefällt. Weil ich versuche, mit meinen Bildern die Geschichten, die ich in meinen Texten erzähle, zu unterstützen. Weil das alles meinem persönlichen ästhetischen Empfinden nahe kommt. Weil ich so bin. Wie man dazu kommt, eine Antwort mit solch einer Überzeugung zu formulieren, habe ich versucht in der Session “Food-Fotos supergeil!” zu vermitteln, die ich gemeinsam mit Ylva vergangenes Wochenende gehalten habe. Ylvas Schwerpunkt lag dabei auf der Kamera-Technik und mein Schwerpunkt darauf, wie man seinen eigenen Bild-Stil findet und mit ein paar einfachen Tipps und Tricks umsetzt. Heute findet Ihr hier den ersten Teil meiner Präsentation mit meinen Gedanken. Ich habe die Session in zwei Posts geteilt, weil die Beiträge sonst viel zu lange geworden wären. Wichtig ist mir, das sich kein Patentrezept liefern kann, wie man seinen eigenen Foto-Stil findet, sondern nur zum Nachdenken und Ausprobieren anregen möchte.

Wie finde ich meinen eigenen Foto-Stil?

Als ich mit dem Bloggen angefangen hatte und mit Entsetzen feststellen musste, dass ich nicht der einzige Foodblog auf der ganzen weiten Welt bin, habe ich mich für meine Bilder geschämt. Wie konnte ich nur auf die Idee kommen, so was ins Internet zu stellen? Lange versuchte ich dann mit Schleifchen, Blümchen und viel Trallala den vorherrschenden Ton vieler etablierter Blogs zu imitieren – erfolglos. Mir fiel das aber erst auf, nachdem ich eine Orchidee in einem pinkfarbenem Topf geschenkt bekam und mich von da an irgendetwas in meiner Wohnung störte – der Übertopf. In all seiner Pinkheit. Nachdem ich die Orchidee in einen schönen, grauen Topf gesetzt hatte, ging es mir wieder gut und ich begann mir die Frage zu stellen, was mich eigentlich davon abhält, meinen Blog so einzurichten, wie ich es auch in meinem Zuhause mache – nämlich so wie er mir gefällt?

Gestalte Deinen Blog so, wie er Dir gefällt!

Meine Küche ist weiß, mein Sofa ist grau, geometrische Formen, wohin das Auge auch schaut, alles ist sehr schlicht und reduziert. Beim Blick in meinen Kleiderschrank setzt sich dieses Farbschema weiter durch – T-shirts, Blusen, Hosen und Kleider in gedeckten Farben, schwarz, weiß und grau, Rüschen und florale Muster sucht man vergebens. Auch meine Zeitschriftenauswahl bestätigt mir, dass ich eher von der schlichten Sorte bin, als eine verspielte Seele, The Weekender, das Cereal Magazine und This is Paper beruhigen meine Augen und regen mich zum Träumen an. Warum um alles in der Welt sollte ich meinen Blog also anders führen als mein Leben?

Beantworte Dir also die folgenden Fragen:

  • Wie bist Du eingerichtet?
  • Welche Farben findest Du überwiegend in deinem Kleiderschrank?
  • Welche Magazine liest Du gerne?
  • Was inspiriert Dich?
  • Welche Blogs besuchst Du gerne?

Hilfreich ist dabei auch Pinterest: Analysiere doch mal Deine Pins! An welchen Bildern bleibt Dein Auge immer wieder hängen? Ist da ein gewisses Schema zu erkennen? Vielleicht sogar schon ein Bildstil? Finde heraus, was Dich an diesen Pins anspricht. Oder Blätter durch Deine Kochbücher: Warum gefallen Dir die Bilder darin? Weil sie schön fotografiert sind, ok, aber was genau gefällt Dir daran?

Zur leichteren Beantwortung dieser Fragen habe ich Bild-Beispiele hinterlegt. Klickt einfach auf die Links, um die Bilder miteinander zu vergleichen.

Das Licht? Magst Du lieber hell ausgeleuchtete Bilder, oder gefallen Dir eher Bilder, die in einem schummrigen Licht aufgenommen wurden und nicht jedes Detail sichtbar machen?

Die Farben? Magst Du lieber Bilder, die mit Farben spielen, oder sprechen Dich eher monochrome Bilder an?

Die Schärfe oder die Unschärfe? Magst Du lieber Bilder, die gestochen scharf sind, oder darf auch mit Unschärfe gespielt werden?

Die bildwichtigen Elemente? Muss das Essen immer im Vordergrund stehen, oder darf es auch mal Statist sein, um ein Gefühl zu transportieren?

Das Arrangement der Speisen? Möchtest Du lieber “the art of plating” zelebrieren, oder ein Stilleben ablichten? Oder ist das vielleicht alles Quatsch und Du findest, Dein Essen gehört genau so fotografiert, wie es auch auf den Tisch kommt?

Wenn Ihr zur Beantwortung dieser Fragen ein wenig Hilfe braucht, dann schaut doch mal bei learnfoodphotography.com vorbei. Hier werdet Ihr Übungen finden, mit denen Ihr Euer Auge schulen könnt.

Lasst Euch nicht in ein Korsett pressen, in das Ihr nicht passt

Egal, wie Eure Antworten ausfallen: Sie sind richtig. Denn denkt immer daran: Es geht um Euren Blog und den dürft Ihr genau so gestalten, wie er Euch gefällt, nur dann ist er genau richtig, nur dann könnt Ihr auf die Frage, warum Ihr Eure Bilder so gestaltet, wie Ihr es eben tut mit voller Inbrunst sagen: „Weil sie mir so gefallen!“

Ich hoffe, ich konnte das, was ich in der Session erzählt habe, nochmals gut zusammenfassen. Habt Ihr noch Fragen? Löchert mich gerne! Oder noch besser: Erzählt mir von Euren Erfahrungen! Was hat Euch geholfen, Euren Stil zu finden und umzusetzen? Hier geht es dann beim nächsten Mal weiter mit dem zweiten Teil der Session rund um Bildaufbau und -komposition, in dem ich Euch ein paar Tipps und Tricks verraten möchte, wie man Food-Fotos aufbauen kann.

Liebe Grüße,
Julia

Photo Credit: Benjamin Combs über unsplash.com

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