Altruistische Bärlauch-Focaccia

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wild garlic focaccia | chesntutandsage.de

Es ist doch ein fragiles Ding, das Zwischenmenschliche, von “da passt kein Blatt dazwischen” bis “komm mir nicht zu nahe” ist alles anzutreffen. Was eben noch für immer war, kann im nächsten Moment in das genaue Gegenteil umschlagen. Gründe dafür gibt es zuhauf oder braucht es gar nicht, je nachdem, häufig versteht man es selber nicht mehr. Steht wie im Walde, auf einer Lichtung, von der man vor lauter Bärlauch die Bäume nicht mehr sieht. Und dort, tief im Walde, lässt sich die Symphonie unausgesprochener Zwischentöne einfach ausschalten, lässt sich das ganze Hü und Hott der menschlich Interaktion entspannt betrachten, dort, in der selbstgewählten Isolation, die ich sonst nur in der Küche finde. Denn nirgends sonst sind die Spielregeln klarer, ist das Verhalten von Mehl, Wasser und Hefe doch vorhersehbar. Hier lässt sich dann – obwohl allein – ganz altruistisch (denn das muss kein Widerspruch sein!) eine wunderbare Focaccia backen, die sich, im Zweifel in eine Friedensfahne gewickelt, ganz hervorragend zur Versöhnung eignet.

Für die altruistische Bärlauch-Focaccia braucht ihr (inspiriert vom Plötzblog):

  • 30 g Dinkelvollkornmehl
  • 300 g Dinkelmehl, Typ 630
  • 260 g Wasser
  • 15 g Olivenöl
  • 5 g Frischhefe
  • 6 g Salz
  • 3 TL Bärlauchpesto (das bereit ich immer ohne Parmesan zu)
  • grobes Meersalz

Vermischt, bis auf das Pesto und das grobe Meersalz, alle Zutaten miteinander. Knetet sie dann auf niedrigster Stufe Eurer Küchenmaschine 8 Minuten und dann nochmal weitere 3 Minuten auf zweiter Stufe. Der Teig muss sehr weich und klebrig sein.
Lasst den Teig bei Zimmertemperatur 3 Stunden gehen. Dehnt und faltet ihn dabei die ersten zwei Stunden alle 30 Minuten.
Gebt den Teig dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech oder in eine Kastenform. Verteilt 3 TL Bärlauchpesto auf den Teig. Massiert das Pesto mit allen zehn Fingern in den Teig. Später wird die Focaccia dann schön vom Pesto durchzogen sein. Gebt jetzt noch eine gute Prise grobes Meersalz auf den Teig.
Lasst den Teig dann nochmals 1 Stunde bei Zimmertemperatur gehen.
Heizt den Backofen auf 250° vor und backt die Focaccia dann 20 Minuten.

Wer nach dem Backen immer noch auf Krawall gebürstet ist, teilt die Focaccia einfach nicht. Denn diejeningen, die einem das Leben schwer machen, hält man sich mit einer ordentlichen und bärlauchigen Knoblauchfahne immer noch am besten vom Leib.

Habt einen schönen Sonntag! Und lasst es Euch gut gehen.
Liebe Grüße!
Julia

Photo Credit: Links von mir, rechts von Caspe Sparsoe via unsplash.

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16 comments on “Altruistische Bärlauch-Focaccia

  1. Ylva
    12. April 2015 at 13:09

    Liebste Julia, was für eine herrliche Idee!
    Ich kann das ofenwarme Brot bis hier her riechen; diese Frühlingsaromen sind doch einfach ein Traum!
    Ich hoffe, der Krawall hat sich wieder beruhigt und Du hast dennoch reichlich von diesem traumhaften Gebäck abbekommen ;-)
    Ganz liebe Grüße,
    Ylva

    • Julia
      18. April 2015 at 19:08

      Der Krawall ist ruhig, ich habe die Focaccia nur mit Herrn S. geteilt – es ist also alles gut ;) Bärlauch habe ich in Form des Pestos ausreichend konserviert, so kann der Frühling noch lange auf meinem Küchentisch bleiben…
      Liebe Grüße!
      Julia

  2. Julia
    12. April 2015 at 15:59

    Ach ja, die “Symphonie unausgesprochener Zwischentöne” ist wirklich eine sehr komplexe Angelegenheit! Ich hoffe, die Auszeit in Küche und Wald konnte die Gemüter etwas beruhigen und die leckere Focaccia kann gemeinsam genossen werden! Nach langer Bärlauch-Abstinenz durch Übersättigung, macht mir deine Focaccia jedenfalls seit langem wieder Lust auf bärlauchige Gerüche auch in meiner Küche.

    • Julia
      18. April 2015 at 19:10

      Hui, Bärlauch-Abstinenz! Das kann ich verstehen, hab ich mir das grüne Kraut in den letzten Jahren doch auch im Unverstand einverleibt! Bei der Focaccia kann ich Dich aber beruhigen – das Knoblaucharoma ist sehr dezent, drei Teelöffelchen erinnern nur an Bärlauch und erschlagen Dich nicht ;)

  3. Die Raumfee
    12. April 2015 at 23:52

    Gerade heute habe ich auch etwas zur Befriedung der Zwischentöne und Zwiespalte im Wald geschrieben.
    Vielleicht hilft etwas Altruismus und Bärlauch-Foccacia auch gegen die fremdunbeteiligten Rangeleien im eigenen Kopf?
    Das können wir ja vielleicht bei einem Picknick ausdiskutieren – die Focaccia und ich.

    Lieber Gruß,
    Katja

    • Julia
      18. April 2015 at 19:17

      Ohja! Wir sollten das picknicklich diskutieren. Im Wald, auf einer schönen Lichtung, am besten wohl von unberührt von Menschenhand – sofern wir das noch finden?
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. Lena
    13. April 2015 at 09:06

    Liebe Julia,
    du weißt ja, wie sehr ich dem Bärlauch erlegen bin. In einer Focaccia (die ja eigentlich galaktisches Brot heißt) schmeckt er bestimmt ganz wunderbar. Mein Sammelfeld im Wald ist deshalb auch der perfekte Platz um abzuschalten und Leckeres für die Seele zu pflücken.
    Alles Liebe,
    Lena

    • Julia
      18. April 2015 at 19:13

      Vom “galaktischen” Brot höre ich ja das erste Mal! Wo kommt denn das her? Leider habe ich meinen Sammelplatz mit dem Umzug aufgegeben, ich habe aber Glück und im familiären Garten sprießt der Bärlauch auch ganz ordentlich…
      Liebe Grüße!
      Julia

  5. elfilii
    13. April 2015 at 10:16

    Wie gern ich doch nun ein wenig von deiner knusprig, luftigen und aromatischen Foccacia hätte. Ich bekomme richtig Appetit darauf! :)

    • Julia
      18. April 2015 at 19:13

      Dann schicke ich Dir einfach ein virtuelles Stückchen ;)

  6. Dani
    15. April 2015 at 16:56

    Fragil, wohl wahr, liebe Julia. Manchmal brechen Brücken ab und da hilft auch kein Focaccia mehr, aber das ist dann schlussendlich auch gut so.
    So oder so, es sieht traumhaft aus!
    Liebe Grüße,
    Dani

    • Julia
      18. April 2015 at 19:14

      Wie wahr, liebe Dani! Manchmal kann man einfach keine Brücke aus Focaccia bauen… und muss das ja auch zum Glück nicht immer!
      Liebe Grüße <3
      Julia

  7. Claudia ~ Food with a View
    16. April 2015 at 19:27

    Eine wunderbare Focaccia, liebe Julia, zumal mit Bärlauch . Ich hoffe, dass die Wogen, die Du andeutest, sich wieder geglättet haben, das Gebäck also sein Friedens-Werk getan hat und Dir ein schönes Wochenende mit lauter Frühlingsspaziergängen bevorsteht.
    Lieben Gruß!

  8. Karin
    20. April 2015 at 11:56

    OOOOhhhhh…..das schreit danach am nächsten Wochenende gebacken zu werden! Da wollen wir nämlich grillen! Und was würde da besser passen? :-)
    LG, Karin

  9. Ela
    27. April 2015 at 09:10

    Sieht herrlich aus, dein Bärlauch-Focaccia! Die Knoblauchfahne wär mir egal, solange ich ein Stückchen davon abbekomme ;)
    LG
    Ela

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