Lisbon Map | chestnutandsage.de

Eat, sleep, walk – a Lisbon City Guide

Lissabon und ich haben uns vor einigen Jahren kennengelernt, es war eine turbulente Zeit. Das Geld war damals knapp, das Studium gerade so abgeschlossen, die Welt lag vor mir und ich wusste nur, dass ich weg wollte. Lissabon schien damals genau richtig, eine große Stadt, weit genug weg, mit einer Sprache, die mir völlig unbekannt war. Ein Hostel war damals schnell gefunden, billigste Sandwichketten ernährten mich, aber die engen Gassen, ein süßes Stückchen in einer kleinen Pastelaria, der große Tejo, das warme Portugiesisch, all das lies mich ein Stück meines Herzens in Lissabon verlieren. So ist die wunderbare Stadt der sieben Hügel zu einer meiner liebsten geworden, meinem Ziel, wenn ich nichts weiter tun möchte, außer die Seele baumeln zu lassen, gut zu essen und ein Klima, das jetzt im Winter wieder vom Sommer, von besseren Zeiten, träumen lässt, zu genießen. Eine Stadt, in der die Melancholie wie der Fado, der aus den Restaurants klingt, wie der Duft nach gegrilltem Fisch, der durch die Gassen schwebt, greibar ist, eine Stadt, in der es nichts weiter zu tun gibt, als das leichte Leben zu leben. Beginnen wir also mit einem Kaffee und schauen dann, wohin uns die Füße tragen.

Lisbon tiles | chestnutandsage.de

Auf einen Kaffee

Deli Deluxe
Av. Infante Dom Henrique Armazém B, Loja 8, Preisklasse €
Der portugiesische Milchkaffee heißt Galão und lässt sich direkt am Wasser im Deli Deluxe genießen. Hier kann der Blick, der in den engen Gassen des Altstadtgewirrs an jeder Ecke hängen bleibt, über den glitzernden Tejo schweifen, Möwen bei der Jagd auf Muscheln beobachten und sich ausruhen. Man kann hier wunderbar in der Sonne sitzen und Schiffsreisenden beim Landgang beobachten, denn hier am Hafen legen die großen Kreuzfahrtschiffe an.

Café da Garagem
Teatro Taborda Costa do Castelo, 75, Preisklasse €
Wer den Sonnenuntergang auf der Terrasse der Igreja da Graça sehen möchte, kann sich auf dem Weg dorthin im Café da Garagem bei Kaffee und kleinen Snacks stärken. Das Café befindet sich im Untergeschoss des Teatro da Garagem und ist ein wunderbar ruhiger, kultivierter Ort mit wunderbarer Atmosphäre und tollem Blick über die Stadt.

Pastéis de Belem
R. Belém 84-92, Preisklasse €
Die kleinen, knusprigen Küchlein Pastéis de Nata mit der herrlich cremigen Füllung findet man in der ganzen Stadt. Die besten soll es allerdings in Belém bei Pasteis de Belém geben. Hier werden sie bereits seit 1837 nach einem geheimen Rezept hergestellt – immer noch in Handarbeit, obwohl pro Tag sagenhafte 20.000 Stücke der süßen Köstlichkeit gebacken werden. Die kleine Bäckerei, die direkt an der Haltestelle Belém liegt, ist mit ihren prächtigen blauen Azulejos und der langen Schlange vor der Türe nicht zu übersehen. Wer die Küchlein nicht im Café genießen möchte, kann sich in die angrenzenden kleinen Parks zurück ziehen – allzu weit weg von der Bäckerei sollte man allerdings nicht gehen, die Pastéis sind einfach zu gut!

Lisbon seagull | chestnutandsage.de

Für den Mittagshunger

Mercado da Ribeira
Av. 24 de Julho 50, Preisklasse € – €€
Als ich das erste Mal in Lissabon war, befand sich hier, an der alten Markthalle, dem Mercado da Ribeira am Cais do Sodré, nichts außer eine riesigen Baustelle. Seitdem hat sich viel geändert, der Markt wurde um ein Kulturzentrum und einen großen Food Court erweitert. Die Markthalle ist zu jeder Tageszeit brechend voll – Touristen und Einheimische scheinen sich hier gleichermaßen zu tummeln. Ich war kritisch, ob sich hier gutes Essen finden würde, zu viele Menschen schienen sich an Pizza und Burgern zu erfreuen. Aber ich wurde mit tollem portugiesischen Essen – klassisch und neu interpretiert – überzeugt, denn nur ein kleiner Teil der Stände bietet hier das international beliebte Fastfood an. Sogar für Vegetarier ist es hier einfach zu essen, man kann sich viel Zeit nehmen und die Karten der zahlreichen kleinen Restaurants studieren, von einer soliden Käseplatte bis hin zu kulinarischen Kunstwerken ist hier alles zu finden. Besonders gut gegessen haben wir bei Manteigaria Silva, Tartar-ia, Marlene Vieira und Conzinha da Felicidade.

Lisbon Café do Garagem | chestnutandsage.de

Für ein romantisches Dinner

Cantinho do Avillez
Rua dos Duques de Bragança, 7 Mártires, Preisklasse €€€
Wer auf der Suche nach einem kleinen Restaurant ist, eines, das genau das richtige für ein romantisches Dinner ist, der ist in der Canthinho do Avillez genau richtig: klein, gemütlich und mit hervorragendem Essen. Das Cantinho do Avillez ist dabei eines von fünf Restaurants, das von Jose Avillez in Lissabon betrieben wird. Vier dieser Restaurants befinden sich in direkter Nachbarschaft, fast fühlt man sich ans Schuhbeck’sche Imperium am Platzl in München erinnert. Für Vegetarier ist es hier einfach zu essen – gebackener portugiesischer Schafskäse, Rote-Bete-Ceviche und Gemüse-Tajine mit Orangen-Couscous sind nur eine kleine Auswahl der Gerichte, die auf der Karte, die eindeutig die Produkte Portugals in den Mittelpunkt stellt, zu finden sind.

A Cevicheria
Rua D. Pedro V, 129, Preisklasse €€€
Einen Tisch reservieren? Leider nicht möglich. Aber, so lese ich, das warten auf einen Platz in A Cevicheria lohne sich. Und so nehmen wir die Metro zur Haltestelle Avenida und erklimmen den steilen Hügel Stufe um Stufe mit der Hoffnung, nicht all zu lange warten zu müssen. Die Hoffnung ist berechtigt, wir werden nach nur kurzer Zeit, die wir vor dem kleinen Restaurant warten, an einen Tisch geführt und nehmen im Schatten des riesigen Oktopus, der über allem wacht, Platz. Das Tasting Menu wird bestellt, die ersten Pisco Sours werden gereicht, und schon kommt das erste Schüsselchen mit einer Gazpacho, die so aromatisch ist, so herrlich, dass man beschämt an all die eigenen Versuche in der heimischen Küche zurück denkt. Die erste Portion Ceviche, einer klassische Variante mit hauchdünnen Zwiebelchen, folgt die zweite Portion mit Lachs und Tacos, beim vierten Gang kann man sein Glück schon gar nicht mehr fassen, der fünfte Gang verschwimmt in Pisco-Sour-geschwängerten Glückseligkeit so sehr wird man auf die schönste Art und Weise von der Leichtigkeit der Speisen überrascht.

Lisbon Tram | chestnutandsage.de

Wo schlafen?

Eine ganz besondere Unterkunft findet ihr im Baixa House, das 13 liebevoll und elegant eingerichtete Apartments bietet. Ein Mix aus Altem, Neuem und Vintagemöbeln macht den Aufenthalt in dem sanierten Haus aus 18. Jahrhundert zu etwas Besonderem. Mitten im Herzen der Stadt, am Fuße des ersten steilen Aufstiegs zum pittoresken Stadtteil Alfama gelegen, sind diese Wohnungen ein kleines zweites Zuhause, von dem man immer träumt, in dem man herzlich begrüßt wird, in dem man im Ofen immer einen kleinen, frisch gebackenen Kuchen findet, in dem sich der Kühlschrank wie von Zauberhand mit allem füllt, was man für ein kleines Frühstück braucht: Joghurt mit Früchten, selbstgemachte Marmelade, Butter, Käse, Müsli, es ist alles da um sich gut gestärkt auf eine Erkundungstour durch Lissabon zu machen. In einer kleinen Metallkiste findet der ambitionierte Esser einen wahren Schatz an Visitenkärtchen von Lokalen, die von den Vermietern empfohlen werden, von hübschen Cafés, klassischen Restaurants bis hin zur gehobenen Küche ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Die besten Tipps finden sich auf einer kleinen Karte eingezeichnet, die man einfach einstecken und so von Restaurant zu Restaurant bummeln kann.

Tram Lisboa | unsplash.com

Lisboa, obrigada por tudo! Wir werden dich im Sommer noch einmal besuchen und dann wieder durch Deine verwinkelten Gassen streifen. Bis dahin!
Julia

  1. Hach Lissabon! Anfang Juni hatte ich ein paar wunderschöne Tage dort – hab mich einfach treiben lassen und die Atmosphäre genossen. Da reise ich definitiv mal wieder hin! Lg, Miriam

    • Das klingt ja ganz wunderbar, liebe Miriam! Im Sommer ist Lissabon natürlich auch ganz toll, die Stadt ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, nicht wahr?
      Liebe Grüße!
      Julia

  2. Mensch, bist du schnell! Das klingt alles ganz fabelhaft! Obwohl ich noch nie in Lissabon war, weiß ich einfach, dass die Stadt mir gefallen würde. Vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr endlich mal nach Portugal, dann wird dein City Guide auf jeden Fall in die Tasche gepackt. Danke fürs Mitnehmen!
    LG
    Sabrina

    • Ja stimmt, aber manche Posts schreiben sich fast von allein :)
      Portugal und Lissabon sind tatsächlich fantastische Reiseziele, die ich nur empfehlen kann.
      Und wer weiß, vielleicht wird 2016 ja Euer Portugal-Jahr?
      Liebe Grüße!
      Julia

  3. Ohhh Julia, ich kann deine Liebe für Lissabon so verstehen! Uns hat es vor ein paar Jahren im Februar hierhin verschlagen. Hier angekommen waren wir wie verzaubert! Dieses Licht, die Stimmung der Altstadt, die Gassen der der Alfama – es war wie im Traum! An unzähligen Pastelerias hab ich meine Nase plattgedrückt und viel Galaõ dazu getrunken. Vor ein paar Jahren waren wir dann auch noch in Porto. Ebenso wunderbar mit noch mehr Patina! Du würdest es sicher lieben!
    Danke für den schönen Bericht, ich glaub ich muss jetzt in die Küche und Pasteis backen :))
    Susanna

    • Ich weiß genau was Du meinst, Susanna!
      Die Stadt ist so zauberhaft, ein Gläschen Milchkaffee findet sich immer und es gibt so herrlichen Süßkram – man kann gar nicht so viel essen, wie man möchte… Porto steht dieses Jahr auch auf meiner Liste, ich freu mich schon so darauf, vor allem weil Du sagst, dass es Dir da auch so gut gefallen hat… am liebsten würde ich gleich wieder los…
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. Oh, das klingt toll! Ich setze Lissabon gleich mal auf meine Kurztripliste!

    So ein paar gefühlte Sonnenstunden könnte man bei dem Wetter jetzt gut gebrauchen!

    Liebste Grüße
    Lena

    • Oh ja, die Sonne hat mir so gut getan, gerade heute an so furchtbar grauen Tagen ist es schön sich daran zu erinnern, dass es auch schönere Zeiten kommen werden!
      Liebe Grüße!
      Julia

  5. liebe Julia,
    ich möchte jetzt am liebsten gleich den Koffer packen, so einladend sind deine Worte und Bilder! Ich bin mir sicher, Lissabon ist eine Reise wert und wer weiß, vielleicht klappt es ja sogar noch in diesem Jahr! Ich danke dir für die Inspiration und wünsche dir eine schöne, beschwingte Woche!
    Ganz liebe Grüße aus Berlin,
    Theresa

    • Liebe Theresa,
      Lissabon ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, im Frühling ist es ja überall wunderbar, warum also nicht über Ostern verreisen? Ich würde es Dir auf jeden Fall empfehlen ;)
      Viele liebe Grüße <3
      Julia

  6. Hallo Julia,
    da kommen bei mir Erinnerungen hoch. Es ist mittlerweile 11 Jahre her als ich diese wunderschöne Stadt besucht habe. Dein Beitrag macht Lust auf einen Kurztrip an Ostern.
    Viele Grüße
    Manuel

    • Lieber Manual,
      elf Jahre sind eine ganz schön lange Zeit, ich finde, dass Du an Ostern auf jeden Fall deine Erinnerungen auffrischen solltest :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  7. Also wenn der Beitrag nicht extreme Lust auf einen Spontan Lissabon-Trip macht – wann geht der nächste Flieger? Mal sehen, vielleicht findet sich im März Zeit für ein verlängertes Wochenende…
    Freut mich, dass ihr so eine schöne Zeit hattet :)
    Liebe Grüße
    Carla

    • Ach Carla, es findet sich bestimmt im nächsten Flieger nach Portugal noch ein Plätzchen für Dich! Und wenn es hier so weiter geht, sehe ich über Ostern eine Foodie-Reisegruppe durch Lissabon streunen, das wird super ;)
      Liebe Grüße!
      Julia

  8. Liebe Julia,
    vor ein paar Jahren habe ich mit einer Freundin eine Rucksacktour durch Portugal gemacht. Im August – keine Ahnung, welcher Teufel mich da geritten hat. Es war heiß, mein Körper voll mit Hitzeausschlag und trotzdem, Lissabon habe ich in guter Erinnerung. Jedoch war ich damals noch nicht ganz so ein begeisterter Esser und Trinker, ich muss also unbedingt wiederkommen.
    Liebe Grüße
    Lena

    • Liebe Lena,
      das kenn ich nur zu gut! Im Hochsommer in die Regionen fahren, die fast unerträglich heiß sind – auch eine meiner großen Talente :) Aber in Portugal gibt es so wunderbare Strände, dass es sich dort ja auch gut aushalten lässt. Fahr auf jeden Fall nochmal hin und esse Dich durch das Land und durch die Stadt!
      Liebe Grüße <3
      Julia

  9. Hach, liebe Julia… Urlaub! Und wenn man es sich dann auch gleich noch so gut gehen lässt ist doch alles perfekt. Lissabon hatten wir bisher irgendwie noch gar nicht auf dem Schirm, aber Dein Bericht klingt so herrlich, dass es doch mal eine Überlegung wert wäre! ;)
    Lieben Dank für den virtuellen Ausflug und viele Grüße,
    Ylva

  10. […] Das größte Geschenk ist, in ein Land zu reisen, dessen Sprache man nicht spricht. Es entspannt, keine Gesprächsfetzen im Vorbeigehen aufzufangen, keine Nachrichten zu lesen, die in Cafés ausliegenden Zeitungen stehen, keine Botschaften ins Unterbewusstsein geschustert zu bekommen, die von Plakatwänden wie steter Tropfen den Stein en passant höhlen. Das ist für mich die schönste Form des in-Ruhe-gelassen-Werdens. Der Fokus rückt sich zurecht, konzentriert sich auf die kleinen Dinge – Vogelgezwitscher, Düfte, streunende Katzen – was zu Hause im Alltäglichen untergeht, bekommt die Wichtigkeit, die es verdient. Es ist die schönste Form von Sprachlosigkeit über die sich erst dann ein Schatten legt, wenn man vor einer Speisekarte sitzt, die man nicht versteht: Was wird man wohl bekommen? Was hat man eigentlich gerade bestellt? Die servierte Speise kann so zu euphorischem Freudenjubel führen oder, auch das mag passieren, eher verhaltenes Entsetzen ins Gesicht zaubern: Blauschimmelkäse und Kerbel auf einem Teller? Nun gut, was was soll man tun – man probiert. Und so kann es passieren, dass sich ein kleiner Speisekarten-Fauxpas als großes Glück herausstellt und man über den Salat, der gleichzeitig cremig und knackig, bitter und herb, sauer und süß ist, jubiliert, anstatt Suppen-Kaspar-hungrig vor seinem Teller zu sitzen. Welch großes Geschenk. […]

  11. Liebe Julia,

    deine Worte klingen genauso verliebt wie meine, wenn ich über Lissbon sprechen. Ich komme zwar gerade erst aus Lissbaon wieder, würde aber am liebsten sofort wieder hinfahren, wenn ich deinen Bericht lese :) Ich hab sogar einen kleinen Liebesbrief an Lissbon auf meinem Blog geschrieben, weil die Stadt irgendwie nie ihren Charme verliert.
    Bisher war ich immer nur im Winter da, vielleicht sollte ich mir mal den Sommer vornehmen.

    Viele Grüße

    Claudia

  12. […] fündig. Warum auch? Schließlich dreht sich hier alles um Ceviche – wie gut es schmeckt, könnt ihr mitunter hier nachlesen. Dennoch treibt uns der Zufall in die Fänge des Oktopus. Gleich an mehreren Abenden führt unser […]

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