Food-Fotografie: Komposition

Fotosession | unsplash.com

Wie versprochen findet Ihr heute den zweiten Teil der Session, die ich gemeinsam mit Ylva auf dem Foodbloggercamp gehalten habe: Food-Fotos supergeil! In diesem Teil möchte ich Euch ein paar Tipps und Tricks verraten die ich einsetze, um Bilder zu gestalten. Bevor ich aber beginne, möchte ich nochmals sagen, dass ich keine Patentrezepte anbieten kann, wie man “das perfekte” Food-Foto schießt, denn jedem von uns gefällt doch etwas anderes, jeder von uns hat ein anderes ästhetisches Empfinden und jeder von uns erwartet sich doch auch etwas anderes von Food-Fotos. Und das ist nicht nur richtig, sondern wundervoll, denn nur so findet jeder von uns seinen Platz, seine Nische, in der großen Welt der Foodblogs.

Wie beim ersten Teil auch, habe ich heute wieder Bildbeispiele verlinkt. Klickt einfach auf die Links, ich hoffe, dass meine Erklärungen damit verständlicher werden.

„Props“ – nutzt den Reichtum Eures Zuhauses

Bevor ich mit der Bildgestaltung anfange, möchte ich ein paar Worte zum Thema “Props”, also Bildaccessoires, sagen, denn an ihnen kommt man nunmal nicht vorbei, wenn man sein Essen nicht auf der blanken Tischplatte präsentieren möchte: Mein Wohnraum ist begrenzt. Vermutlich geht Euch das auch so. Ich habe deshalb irgendwann aufgehört, ein Schüsselchen hier, ein Gläschen da und ein Geschirrtüchlein dort zu kaufen, die einzig und allein den Sinn haben sollten, auf einem Foto zu erscheinen – und dann doch nie verwendet wurden. Wenn ich mich in meiner Wohnung umsehe, habe ich eine ausreichende Anzahl an Tellern, Schüsseln und Küchentextilien, die mir alle gefallen, denn ansonsten hätte ich sie ja nicht gekauft. Warum sollte ich diesen Reichtum nicht auch in meinen Bildern nutzen? Alles, was ihr auf chestnutandsage.de seht, ist – bis auf das Besteck – mein Alltagsgeschirr und die Geschirrtücher werden tatsächlich zum Abtrocknen verwendet. Das Besteck habe ich aus Familie S. Fundus bekommen und freue mich darüber, denn es ist matt und blind, genau richtig um sich nicht auf jedem Bild zu verewigen. Geht doch auch einmal auf Entdeckungsreise in den Schränken und Schubladen Eurer Wohnung, was findet Ihr hier? Oder durchforstet Eure Keller! Die Säcke, in denen Ihr die Kräutertöpfe überwintert könnten doch zum Beispiel ein schöner, rustikaler Untergrund sein! Probiert einfach aus, was Ihr mit vorhandenen Mitteln machen könnt.

Der Mittelpunkt des Bildes muss nicht die Bildmitte sein

Wenn Ihr mit der Bildkomposition beginnt denkt an die einfache Regel: Setzt das für Euch wichtigste Element – also Euren Kuchen oder Euren Teller – nicht einfach in die Mitte des Bildes, das ist für das Auge nicht besonders reizvoll, ehrlich gesagt kann das sogar ziemlich langweilig sein. Setzt das Element, auf das Ihr das Augenmerk lenken wollt, doch einfach ein wenig mehr nach links oder nach rechts. Oder vielleicht ein wenig mehr nach oben, oder nach unten? Probiert doch einfach mal aus, welche unterschiedlichen Wirkungen damit erzielt werden können und beobachtet auch wie sich Euer Gefühl beim Betrachten des Bildes ändert.

Bildet geometrische Formen

Das menschliche Auge erfreut sich an Abwechslung und Spannung in Bildern, die Ihr mit ein paar Handgriffen schaffen könnt. Bildet mit Euren Speisen zum Beispiel ein Dreieck, oder baut mit den Lebensmitteln Linien, die aber bitte im gleichen Winkel angeordnet sein sollen, ansonsten wirkt es gar zu wild. Oder arrangiert Eure Bildelemente in einer Art Zickzack-Linie, das kann auch sehr schön und vor allem dynamisch wirken. Oder – wenn es sich denn anbietet – arrangiert Euer Bild kreisförmig, gerne auch über unterschiedliche Ebenen hinweg. Der Vorteil an diesen geometrischen Formen ist auch, dass Ihr Wiederholungen schafft, also mehrmals das gleiche Motiv – zum Beispiel mehrere Stückchen Kuchen – verwendet und das kann den Vorteil haben, dass Euer Bild gleich viel voller wird und ihr damit viel weniger “Props” braucht. Abgesehen davon kann man mit diesen Wiederholungen aber auch unterschiedliche Ebene in einem Bild schaffen, wodurch Ihr ein Bild interessanter gestalten könnt.

Schafft unterschiedliche Ebenen

Für mich ist es häufig schwierig ein spannendes Bild zu gestalten, wenn ich nur eine Ebene benutze. Stellt Euch mal einen Teller voller Plätzchen vor. Auf dem Tisch liegt vielleicht eine Serviette, darauf steht ein Teller auf dem dann die Plätzchen liegen. Ein an Flachheit nicht zu übertreffendes Motiv! Hilfreich kann es jetzt sein, unterschiedliche Höhen einzubauen, also entweder mit gestapelten Plätzchen, oder mit zum Beispiel Küchenutensilien oder Glasfläschchen. Oder ihr baut einen Menschen in das Bild ein, so wie ich das in letzter Zeit immer mit Herrn S. (meinem Lieblingsrequisit <3) tue. Eine wunderbare Alternative zum Ebenenaufbau kann aber auch sein, die Perspektive zu ändern.

Alles eine Frage der Perspektive

Über den Blickwinkel, oder eben die Perspektive, die Ihr beim Fotografieren einnehmt, könnt Ihr dem Problem der fehlenden Ebenen entgegenwirken. Von Oben betrachten kann eine Tafel Schokolade zum Beispiel viel interessanter wirken, als von vorne betrachtet. Dieser Blick ist sehr grafisch, fast so, als ob man ein Gemälde schafft, ich kann das ja leider gar nicht, bewundere diese Art der Bildgestaltung aber sehr! Es gibt jedoch andere Gerichte, bei denen das Ebenen-Problem wegfällt, zum Beispiel bei einem reichlich belegten Burger: Wollt Ihr hier nicht viel lieber die einzelnen Zutaten zeigen, als die einzelnen Sesamkörner auf dem Burger Bun? Hier empfiehlt es sich, Euer Motiv genau von vorne, im rechten Winkel aufzunehmen. Überlegt Euch einfach, was Ihr auf Eurem Bild zeigen wollt und probiert aus, welcher Blickwinkel dafür geeignet ist.

Genug ist genug

Wenn wir über unterschiedlichen Blickrichtungen und -winkel sprechen, möchte ich aber auch sagen, was ich persönlich nicht mehr sehen mag: Drei- oder viermal das gleiche Bild in einem Post, das gleiche Motiv immer nur aus einem anderen Blickwinkel aufgenommen. Wisst Ihr was ich meine? Ich hab das ja lange auch gemacht, weil ich mich nicht entscheiden konnte, welches Bild ich verwenden soll. Also habe ich damit meine Beiträge aufgeblasen, was natürlich Quatsch war. Damit mir das nicht mehr passiert, habe ich immer die Worte der wunderbaren Dietlind Wolf im Ohr: Denke in Doppelseiten! Schaut doch mal in Print-Magazine: Sind hier auf Doppelseiten die gleichen Bilder zu sehen, die sich nur darin unterscheiden, dass sie aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen wurden? Eigentlich nicht, oder? Schießt also lieber nur ein Bild, das dann aber gut ist, mit dem Ihr zufrieden seid. Und wenn Ihr Euch nicht entscheiden könnt, welches Bild Ihr verwenden wollt, dann schlaft eine Nacht darüber und entscheidet am nächsten Tag, welches Bild es in den Beitrag schaffen soll.

Licht – kreiert Stimmungen und Tageszeiten

Ein weiteres Gestaltungselement in Bildern ist das Licht. Die Lichtverhältnisse in einem Bild tragen maßgeblich zur Stimmung bei. Ein strahlend hell ausgeleuchtetes Bild kann einfach keine nachmittäglichen Gefühle transportieren. Ebenso kann ein Bild mit langen Schatten nicht zur Mittagszeit aufgenommen worden sein, wo die Schatten ja bekanntlich am kürzesten sind. Doch nicht nur die Tageszeit kann über Licht eingefangen werden, sondern auch Emotionen. Ein dunkles Bild mit schummrigen Elementen, das vielleicht gar nicht alles preisgibt vermittelt nicht den Aufbruch in ein sommerliches Picknickabenteuer. Und natürlich ist es andersherum genauso schwer, mit einem hellen Setting Melancholie zu vermitteln. Ihr müsst aber nicht warten, bis Mutter Natur das perfekte Licht zur Verfügung stellt, Styropor-Platten oder auch die Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Koffer können als einfache Aufheller dienen, ein Mulltuch als Diffusor, Ihr braucht keine teuren Hilfsmittel um ein wenig zu spielen. Wenn Ihr Hilfe und Inspiration für den Einsatz von Lichtquellen sucht, dann schaut hier im food channel von David Loftus vorbei, der in zwei Episoden über Belichtung spricht. Hier findet Ihr Teil 1 und hier Teil 2.

Farben – kreiert Saisonalität und Frische

Nicht nur das Licht, sondern auch der Farben können in Food-Fotos als Gestaltungsmittel genutzt werden. Farben können sich gegenseitig unterstützen und dadurch Lebensmittel frischer wirken lassen. Denkt doch nur an eine blaue Schüssel, in der gelbe Polenta ist, der Komplementärkontrast ist einfach schön! Ich habe leider kein so glückliches Händchen beim Einsatz von Farbe, aber wenn es Euch liegt, dann kann ich Euch nur den Tipp geben, die gleiche Farbe mehrmals im Bild zu verwenden, so wie hier. Stellt Euch dieses Bild mal mit nur einem Radieschen vor – der fast pinkene Farbklecks würde störend wirken. Wenn Ihr nach Ideen sucht, wie Ihr gezielt mit Farben arbeiten könnt, dann empfehle ich Euch design-seeds.com. Hier könnt Ihr nach passenden Farb-Settings für Jahreszeiten suchen, nach harmonierenden Farb-Paletten für einen gewissen RGB-Wert, ja sogar die richtigen Farb-Kombinationen um Urlaubsgefühle zu vermitteln lassen sich herausfinden.

Was bedeutet das eigentlich alles für meinen Blog?

Ich habe jetzt ja nun ziemlich viel geschrieben, in den beiden Beiträgen über die “Food-Fotos supergeil!”-Session, oder? Ylva und mein Ziel war, Euch dazu anzuregen, Eure Blogs so zu gestalten, dass sie Euch gefallen. Eure Ideen sollt Ihr dabei aus Eurer eigenen Kreativität schöpfen, es gibt einfach schon zu viele Blogs, die dem gleichen Ideal nacheifern. Seid einzigartig! Und probiert Euch aus, es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen und eigentlich ist das ja auch das schöne am Bloggen – wir dürfen uns hier austoben, spielen, probieren, das sollten wir auch tun, und zwar wie verrückt!

Wenn Ihr noch Fragen habt, stellt sie gerne! Habe ich vielleicht sogar etwas vergessen? Erinnert mich daran. Und wenn Ihr noch mehr Tipps und Tricks kennt, die man zur Bildgestaltung einsetzen kann, dann immer her damit!

Liebe Grüße!
Julia, die verspricht, dass es hier ab Ende der Woche mit Rezepten weitergeht!

Bild credit: Mia Domenico via unspash

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10 comments on “Food-Fotografie: Komposition

  1. Ingrid
    11. März 2014 at 18:03

    Liebe Julia,

    ein sehr interessanter Post. Ich fotografiere auch sehr gerne und poste die Fotos in meinem blog. Aber es gibt noch viel für mich zu lernen. Danke für die Ausführungen.

    Liebe Grüße
    Ingrid

    • Julia
      16. März 2014 at 17:24

      Liebe Ingrid,
      sehr gerne! Ich freue mich, dass Dir der Beitrag gefällt. Ich hab auch noch viel zu lernen, vor allem im technische Teil, also die Kamera richtig zu bedienen, hab ich noch richtig Bedarf :)
      Liebe Grüße,
      Julia

  2. Dani
    11. März 2014 at 18:21

    Das mit den Handtüchern kommt mir bekannt vor, ist hier gleich ;) Ich muss mich auch immer zusammenreißen, nicht noch mehr Props zu kaufen, vor allem auf Reisen ist das schwer, da hat man ja immer leicht das Gefühl, dass man es später bitter bereuen könnte, wenn man genau DIESE Tasse oder DIESE Stoffserviette nicht mitgenommen hat. Mittlerweile habe ich aber zumindest mal gelernt, nur noch Geschirr & Co. zu kaufen, das wir selbst auch nutzen – rostiges Besteck ist zwar vielleicht schön “shabby” auf dem Foto anzusehen, aber davon essen will ich nicht unbedingt ;) Und irgendwann hat´s mich dann auch in den Fotos gestört, war mir einfach zu unrealistisch. Habe das aber auch erst lernen müssen.

    Das ist aber irgendwie auch das Schöne an Foodfotografie (oder Fotografie im Allgemeinen); es ist und bleibt eine stetige Entwicklung. Das, was ich vor einem Jahr noch total toll fand, kann mittlerweile schon wieder langweilig sein, egal ob Styling, Winkel oder Technik, gilt für beides.

    Vielen Dank jedenfalls für diese 2 wunderbaren Artikel, ich bin mir sicher, dass wir alle davon lernen konnten, ganz ganz großen Applaus dafür!

    Viele liebe Grüße,
    Dani

    • Julia
      16. März 2014 at 17:35

      Oh ja, Dani, Du hast so recht! Wenn ich mir die Bilder von vor ein paar Monaten anschaue, mag ich am liebsten wieder von vorne anfangen und alle Fotos neu machen ;) Eine Zeit lang hab ich ja meine ersten Bilder ausgetauscht, aber das lass ich jetzt auch wieder, so hab ich angefangen, und jetzt steh ich halt wo anders, das ist doch eigentlich das Schöne, oder? Ich kuck mir ja auch gerne auf anderen Blogs die Anfänge an, da seh ich dann immer, dass ich nicht alleine so dilettantisch war.
      Und vielen lieben Dank für den Applaus, ich freu mich wirklich sehr darüber! Denn ich hab mich vor der Session doch schon gefragt, ob das überhaupt jemanden interessiert, was ich zu sagen habe, deshalb wirklich vielen, vielen Dank meine Liebe für Deine Nachricht <3

  3. Julia / junifaden
    12. März 2014 at 07:11

    zwei wirklich tolle posts liebe julia, live bestimmt nochmal so spannend aber auch beim lesen sehr inspririerend :) viele liebe grüße julia

    • Julia
      16. März 2014 at 17:26

      Danke, liebe Julia, ich freu mich wirklich sehr über Deine Nachricht! Schön, dass die beiden Berichte so gut bei Dir angekommen sind, ich hatte ja schon ein bisschen bedenken, ob ich da die Richtige bin, über Fotos und Gestaltund zu sprechen. Aber so schöne Kommentare, wie Deiner hier, ermutigen ;)
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. ninive
    12. März 2014 at 08:30

    Wirklich sehr inspirierend, regt zum Nachdenken an. Spontan stelle ich fest, Bildkomposition ist tatsächlich nicht meine Stärke…. dafür kann ich gut mit Farben und werde versuchen diese Stärke besser zu nutzen. Und mir vielleicht doch einmal die Zeit nehmen hier ein wenig zu experimentieren mit den Fotos….. die momentan der am stiefmütterlichsten behandelte Teil meines blogs sind.
    Vielen Dank- und wenn ihr wieder so ein Treffen macht … ich wäre gerne dabei !

    • Julia
      16. März 2014 at 17:29

      Liebe Ninive, das nächste Foodbloggercamp findet nächstes Jahr am ersten März-Wochenende statt, das hatte ich ja schon geschrieben :) Ich finde es so toll, dass Du mir hier auch so positives Feedback hinterlässt, vielen lieben Dank!

  5. Denise
    12. März 2014 at 09:26

    Hallo,

    vielen Dank für den tollen Beitrag. Er ist sehr inspirierend und ich ich muss in Sachen Food-Fotografie noch sehr viel üben . Da ist so ein Beitrag eine hilfreiche Quelle für mich. Ich werde mir die Tipps zu Herzen nehmen und sie bei meinem nächsten Eintrag umsetzen, damit ich bessere Bilder von meinen Gerichten erstellen kann.

    LG
    Denise

    • Julia
      16. März 2014 at 17:31

      Liebe Denise, ich freu mich, wenn ich Dir mit den beiden Posts weiterhelfen kann :) Ich hab auch noch viel zu üben, eine Zeit lang mach ich immer ähnliche Bilder, bis mir was neues einfällt und gefällt, aber das ist ja das schöne, dass wir uns ausprobieren können, oder?
      Liebe Grüße!
      Julia

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