Weinbars in Venedig {Rezension}

Weinbars in Venedig

Venedig zählt zu meinen Sehnsuchtsorten. Nicht das Venedig der Touristen, nicht das Venedig der Biennale, das kleine Venedig, das Beschauliche, das ist es, nach was mein Herz sich sehnt. Aber gibt es das wirklich? Glaubt man Cornelia Schinharl und Beat Koelliker, dann ja, und es kann gar nicht weit entfernt sein von den unglaublichen Menschenmassen, die sich Tag für Tag über die Rialto-Brücke zum Piazza San Marco wälzen. Und genau in dieses beschauliche, langsamere Venedig, dem Venedig der Venezianer, nehmen uns die beiden Autoren des Buches “Weinbars in Venedig – Kulinarische Spaziergänge und Originalrezepte” mit und zwar nicht nur oberflächlich, sondern bis in die Gasträume, an die Tische und die Küchen der Weinbars, von denen es so viele in Venedig gibt.

Um was geht es?

Weinbars, bacari genannt, gehören fest zum venezianischen Alltag. Dort werden schon Nachmittags die ersten ombra, kleine Gläschen Wein, nicht mehr als ein paar Schlückchen, genossen. Als soziale Mittelpunkte dienen diese Bars als Treffpunkt um sich mit Freunden und Kollegen zu treffen, zu diskutieren, sich auszutauschen. Dazu werden cichetti, kleine Köstlichkeiten die zu gerne an spanische Tapas erinnern, gereicht. Und genau vom diesem Dreiklang aus bacari, ombra und cichetti handelt dieses Buch. Frau Schinharl und Herr Koelliker sind dabei ideale Reisebegleiter: Man fühlt sich an der Hand genommen und sicher von Stadtteil zu Stadtteil geleitet, mal zu Fuß, mal per Vaporetto. Jedes Viertel wird dabei, mit allerlei historischen Informationen gespickt, detailliert vorgestellt. Die kulinarischen Hotspots in Rialto, Cannaregio, dem alten Ghetto, San Marco, Dorsoduoro und Santa Croce werden mithilfe der von Martin Haake wundervoll und Collagen-artig illustrierten Stadtplänen markiert. Auf den anschließenden Seiten werden dann die jeweiligen cichetti, Restaurants und Cafés, deren Besitzer und Köche, sowie deren lukullische Geheimnisse inklusive Rezepten präsentiert.

Venedig | chestnutandsage.de

Die Rezepte

Was darf man sich von den Rezepten im Buch erwarten? Hier wird einfaches, bodenständiges und doch raffiniertes Bar-Food vorgestellt, genau das richtige Essen also, wenn man viele Freunde zu Besuch hat und kein 4-Gänge-Menü auftischen, sondern kleine Feinheiten zum Wein reichen möchte. Probiert habe ich zum Beispiel das süß-saure Gemüse Bis di Saor, das sehr einfach, sehr lecker ist. Alle Rezepte haben kleine, feine Zutatenlisten und sind im Handumdrehen zubereitet – genau das richtige für mich.

Die inneren Werte

Die beiden Autoren müssen dieser kleine Lagungenstadt, ihren lukullischen Genüssen und ihren Einwohnern verfallen sein, was ich gut verstehen kann, denn mir geht es genauo, die Worte, die Sätze, sie sind in diesem Buch so wohl gewählt, so liebevoll formuliert, dass es eine Freude ist darin zu blättern und zu schmökern. Neben Frau Schienharl und Herr Koelliker seien aber auch Peter von Felbert und Martin Haake erwähnt, die als Fotograf und Illustrator das Erscheinungsbild des Buches prägen. Gerade die farbenfrohe Gestaltung des Umschlages und die schon erwähnten Illustrationen der Stadtteile, die jedes Kapitel begleiten, sind zusammen mit den schönen Fotos ein wahrer Augenschmaus.

Aperol Spritz Venedig | chestnutandsage.de

Ré­su­mé

“Weinbars in Venedig – Kulinarische Spaziergänge und Originalrezepte” ist ein kulinarischer Reiseführer, der einen schon im Vorfeld einer Reise durch die kleinen, einfachen Rezepte auf regionale, typische Gerichte einstimmt, der einen auf kleinere und größere Ausflüge mitnimmt und der Lust macht, sofort seine Taschen zu packen und nach Italien zu fahren. Als besonderes Plus zählt bei diesem Buch die dazugehörige App, die einen sicher durch das Straßen-Wirrwarr der kleinen Lagunen-Stadt von ombra zu ombra führt. Da ich meine Reiseziele oft unter kulinarischen Gesichtspunkten wähle, würde ich mir wünschen, dass es mehr solcher Bücher geben würde!

Wenn Ihr Euch jetzt fragt, ob ich es gefunden habe, das ruhige und beschauliche Venedig, dann kann ich Euch jetzt schon mal verraten, dass es mir geglückt ist. Wer bis zum nächsten Blogpost, in dem ich Euch meine Reise genauer vorstellen werde, aber nicht mehr warten möchte, der kann bei Uwe vorbei schauen, der letztes Jahr sowohl dieses Buch rezensiert, als auch eine ganz ähnliche Reise unternommen hat.

Ihr Lieben, lasst es Euch gut gehen!

Julia

“Weinbars in Venedig – Kulinarische Spaziergänge und Originalrezepte” von Cornelia Schinharl und Beat Koelliker  ist im September 2013 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen, der so freundlich war, mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

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12 comments on “Weinbars in Venedig {Rezension}

  1. Karin
    2. Mai 2014 at 11:08

    Das erinnert mich daran, dass ich immer noch nicht in Venedig war & unbedingt mal in muss. Aber so was von.

    LG, die Karin

    • Julia
      2. Mai 2014 at 17:42

      Du musst u n b e d i n g t nach Venedig, ehrlich. So ein charmantes Städtchen sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen :)

  2. Theresa
    2. Mai 2014 at 14:08

    Liebe Julia, hier wird man in letzter Zeit ja ganz schön strapaziert – du weckst so eine große Reiselust! ;) Erst der schöne Bericht über Südtirol, jetzt geht’s weiter nach Venedig, da bin ich schon sehr gespannt auf deinen nächsten Blogpost und freue mich auf das, was da noch kommen mag. Hab ein wunderschönes Wochenende! Liebe Grüße, Theresa

    • Julia
      2. Mai 2014 at 17:44

      Liebe Theresa, ich weiß ja, dass ich Euch ganz schön was zumute, aber Fernweh ist doch eigentlich ganz schön, oder? Noch schöner ist natürlich, wenn man weiß, dass man bald selber verreisen kann, vielleicht hast Du ja bald Urlaub? Bei mir dauert es jetzt auch wieder ein Weilchen bis zur nächsten Reise, aber die kommt ganz sicher!
      Liebe Grüße,
      Julia

    • Theresa
      5. Mai 2014 at 15:24

      liebe Julia, ja, da hast du recht, Fernweh hat auch seine schönen Seiten, wenn man sich an ferne Orte wegträumen darf ;) bei mir geht es zum Glück im Juli nach Amsterdam und darauf freue ich mich schon sehr! Kulinarisch und überhaupt ;) Hab eine wunderbare Woche! Sonnige Grüße aus Berlin!

  3. silvia
    2. Mai 2014 at 14:43

    Liebe Julia,

    weißt Du, was Du mir für eine Freud´ machst? Der Koffer ist geistig schon gepackt – und in 3 Wochen schon schlendern wir durch die engen Gasserln Venedigs. Hach, ich freu mich, hab das Buch schon bestellt und kanns kaum erwarten, Deinen nächsten Beitrag zu lesen! Die Zeit vertreib ich mir einstweilen mit Uwes feinem Bericht über die Stadt, von der ich schon sooo lange träume und in der ich bald wirklich sein werde!
    Sonnige Grüße und ein schönes Wochenende wünsch ich Dir,
    silvia

    • Julia
      2. Mai 2014 at 17:47

      Liebe Silvia,
      ich freu mich riesig! Wie toll, dass ihr auch nach Venedig reist! Venedig stand schon so lange auf meiner Reiseliste aber irgendwie dacht ich mir immer, dass es ja so touristisch sei und bestimmt gar nicht toll und vielleicht überschätzt, aber da hatt ich mir wirklich was eingeredet, weil Venedig einfach wunderbar ist. Ich wünsch Euch auf jeden Fall eine tolle Reise und wunderbare Erlebnisse. Und mit dem nächsten Post streng ich mich besonders an :)
      Viele liebe Grüße!
      Julia

    • silvia
      3. Mai 2014 at 19:05

      Danke, Du Liebe! Ich freu mich! :-)

  4. Ylva
    3. Mai 2014 at 10:01

    Wow, was ein toller Buchtipp, liebe Julia! Kulinarische Reiseführer, die sich dennoch ein wenig mit der Stadt beschäftigen, finde ich genial! Immerhin möchte ich in fremden Ländern, die ich besuche, auch das traditionelle Essen unbedingt kennen lernen; macht es doch so viel von der Kultur und in diesem Fall auch der italienischen Lebensfreude aus! Faszinierend finde ich es ohnehin, dass man in den Mittelmeerländern auch schon mittags ein Schlückchen trinken “darf” ohne schräg angeschaut zu werden. Dabei macht gerade dieser eine kleine Schluck vielleicht das Mittagessen (und sei dies nur ein leckerer Snack) noch so viel besser. Aber da wären wir wieder bei der hiesigen Esskultur und den immer wieder zu beobachtenden Genussängsten… ;) Dein Bericht zu diesem Buch und Eurer Reise machen jedenfalls sofort Lust darauf, kurz entschlossen die Koffer zu packen und sich schlicht ins Auto gen Süden zu setzen. Wenn wir jetzt losfahren, sind wir abends in Venedig… hach!
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Ylva

    • Julia
      8. Mai 2014 at 17:05

      Liebe Ylva, genau so finde ich das auch! Erstens möchte ich im Urlaub gut essen, das macht für mich die Qualität des Urlaubs aus und zweitens lernt man so die Stadt und ihre Einwohner viel besser kennen: Wann wird wie gegessen, wie ist der Umgang untereinander, wird gelacht, gestritten, wie ist der Alltag. Das finde ich spannend und so schön am Reisen. Wir sollten einfach mal einen Foodblogger-Ausflug dorthin machen, oder?
      Liebe Grüße!
      Julia

  5. Claudia ~ Food with a View
    3. Mai 2014 at 16:19

    So eine schöne Rezension! Und eine herrliche Vendig-Ansicht… Ich war noch nicht dort, kann mich aber an Uwes tollen Reisebericht vom letzten Jahr erinnern und bin sehr gespannt auf den Deinen – wenn man die Touristen-Ströme vermeiden kann, muss es wunderbar dort sein. Und jetzt habe ich große Lust auf Bar-Food ;-). Lieben Gruß!

    • Julia
      8. Mai 2014 at 17:06

      Genau so ist es: Man kann die Touristen-Ströme vermeiden und taucht in ein kleines Städtchen ab, in dem es so viel zu sehen und zu essen gibt. Es ist einfach herrlich dort!

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