Vegan Chocoholic {Rezension}

Vegan Chocoholic | Philip Hochuli | AT Verlag
Butter, Eier, Zucker haben noch keinem Gericht geschadet. Zumindest behaupte ich das gerne. Eine steile These, bedenkt man, wie en vogue vegane Ernährung – veganer Lifestyle – doch zurzeit ist. Dabei fällt mir das vegane Leben gar nicht mal so leicht: Lederschuhe, Seidenblusen, hier eine Tasse Café au lait und da ein Risotto mit feinem Parmesan – alles Dinge, auf die ich nicht verzichten möchte. Aber manchmal, da geht einfach gar nichts mehr, wehrt sich mein Körper nahezu dagegen, etwas Tierisches zu sich zu nehmen: Kein Milchprodukt, kein Ei, jedes tierische Produkt muss von da an von meinem Speiseplan gestrichen werden. Umso froher bin ich in solchen Situationen, dass es eine große Auswahl an Büchern gibt, die sich der rein pflanzlichen Ernährung widmen – nicht nur den gesunden, vollwertigen Hauptmahlzeiten, sondern auch den kleinen Freuden des Lebens: den Backwaren. Noch schöner wird es, wenn sich diese Bücher nicht nur schnöden Hefeteigen widmen, sondern der Königin der Süßwaren – der Schokolade. Dies tut absolut leidenschaftlich – und natürlich vegan – Philip Hochuli in seinem dritten Buch “Vegan Chocoholic”, das im August im AT Verlag erschienen ist.

Die Rezepte

Philip Hochuli schreibt, dass man kaum vermuten würde, dass es sich bei “Vegan Chocoholic” um ein rein pflanzliches Kochbuch handelt, würde es im Titel nicht noch das Wort “vegan” tragen. Beim Blättern durch das Buch stimme ich ihm absolut zu, die Rezepte klingen alle zu gut, jede Seite lässt mich meine Post-its zücken und mit dem Vermerk “bald probieren” versehen. Von Brotaufstrichen über einfache Kekse und Muffins bis hin zu aufwändigen Kuchen, Torten und Tartes bietet “Vegan Chocoholic” wirklich alles für Schokoladenlieberhaber, zu denen ich mich ja nun auch zähle. Nur die drei salzigen Rezeptideen, auf die hätte man in diesem Buch auch verzichten können, sie wirken etwas fehl am Platz. Die Rezepte sind klar gegliedert und für eine einfache Übersicht mit Icons für “glutenfrei”, “sojafrei” und “zuckerfrei” gekennzeichnet. Leichte Rezepte teilen sich manchmal eine Seite, umfangreichere Rezepte bekommen mehr Platz und sind so einfach zu erfassen und zu verstehen obwohl sie – ein großer Nachteil in Handlungsanleitungen – passiv formuliert sind.

Die Gestaltung

“Vegan Chocoholic” ist ein Buch über Schokolade und das sieht man jeder Seite an – kakaostaubfarbige “Tonality” prägt das Erscheinungsbild. Dabei wurde eine durchaus ansprechende Bildsprache entwickelt, doch an mit gepunkteten Backförmchen, Washi-Tape und Bakers Twine ausstaffierten Bildern habe ich mich zumindest sattgesehen. Es ist diese Mischung aus dem mädchenhaft verspielten und dem 80er-Jahre-Charme, die mich an diesem Buch stört. Und warum auf dem Cover ein Bild von Philip Hochuli, der ein dickes Paar Kopfhörer um den Hals trägt, abgebildet ist – nun, das frage ich mich wohl vergeblich.

Fazit

Auch wenn “Vegan Chocoholic” kein absoluter Augenschmaus ist, so überzeugt es doch durch seine Rezepte – was für mich, die sich zu den Backlaien zählt, um einiges wichtiger ist als überzogene Hochglanzbilder die über mangelhafte Rezepte hinwegtäuschen wollen. Was mir besonders gut gefällt ist, dass – bis auf Margarine und pflanzliche Milch – auf Ersatzprodukte wie Tapiokastärke oder ähnliches verzichtet wird. Mehl, Kakaopulver und vor allem (vegane) Zartbitterschokolade, das sind die Hauptakteure in diesem Buch. Auf Kunstprodukte wie vegane Milchschokolade oder weiße Schokolade verzichtet Philip Hochuli in “Vegan Chocoholic” bewusst und weißt mehrmals darauf hin, wie wichtig die Verwendung qualitativ hochwertiger Produkte ist. Ein gelungenes Buch, das Lust auf ausprobieren und nachbacken macht.

„Vegan Chocoholic“ von Philip Hochuli ist 2015 im AT Verlag erschienen und kostet 19,95 €. Das Buch wurde mir als Rezensions-Exemplar zur Verfügung gestellt.

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13 comments on “Vegan Chocoholic {Rezension}

  1. Ela
    8. Oktober 2015 at 14:06

    Ich habe ein anderes Buch vom gleichen Autor, war auch vom Layout + Fotos nicht so ganz überzeugt aber fand es gut, dass er nicht so viele Ersatzprodukte verwendet. Klingt jedenfalls sehr interessant, das Buch :)
    Liebe Grüße,
    Ela

    • Julia
      17. Oktober 2015 at 14:13

      Sehr gut, Ela, Du weißt also genau, was ich meine :) Aber man sollte sich ja nicht von solchen Äußerlichkeiten abschrecken lassen, nicht wahr?
      Liebe Grüße!

  2. Sabrina
    8. Oktober 2015 at 18:42

    Sehr schöne Buchvorstellung, auch wenn ich danach denke, dass das Buch eher nichts für mich ist. Doch eine Sache interessiert mich brennend: die passiv formulierte Handlungsanleitung – ich ging bislang davon aus, dass der Großteil der Kochbücher so geschrieben ist (oder stehe ich jetzt völlig auf dem Schlauch?). Und wieso ist das ein Nachteil? Du als Expertin hast doch sicher eine schöne Erklärung parat, oder? :)
    Danke und liebe Grüße
    Sabrina

    • Julia
      9. Oktober 2015 at 10:55

      Liebe Sabrina,
      ich versuch es mal so: Eine Handlungsanleitung ist ja ein illuktionärer Sprechakt mit dem man versucht, einen Adressaten zu einer Handlung zu bewegen. Dabei ist es erstmal egal, ob diese Handlung aktiv oder passiv formuliert wurde. Es gibt aber Untersuchungen darüber, dass Menschen, die durch Passivformulierungen aufgefordert werden eine Handlung auszuführen, in starkem Maße dazu tendieren, alle Anweisungen selbst in aktivistischer Form zu reproduzieren. Das heißt, dass die passive Formulierung erstmal in eine aktive umgewandelt wird um sie genau zu verstehen und das gewünschte Resultat zu erreichen. Die Gefahr besteht darin, dass dieser “interne Übersetzungsprozess” schief läuft und der/die Anwender/in nicht zum gewünschten Ergebnis kommt. Deshalb ist “Wiegen Sie 250 g Mehl ab” besser als “250g Mehl sind abzuwiegen”. Oder auch “Füllen Sie ausreichend Öl in die Pfanne” (wobei hier zu diskutieren ist, was ausreichend ist) im Gegensatz zu “Es muss immer ausreichend Öl in der Pfanne sein”.
      Liebe Grüße!
      Julia

    • Sabrina
      9. Oktober 2015 at 18:22

      Ha, wieder was gelernt! :) Danke für deine ausführliche Erklärung – finde ich sehr spannend!

  3. Claudia
    8. Oktober 2015 at 20:42

    Danke für die Rezension, ich hatte das Buch zufällig vor ein paar Tagen in der Hand und vorher nie davon gehört.
    Es klignt auf jeden Fall interessant :)

    lg,
    Claudi

    • Julia
      17. Oktober 2015 at 14:11

      Gerne, liebe Claudia, und interessant ist das Buch wirklich ;)

  4. Maria
    10. Oktober 2015 at 19:15

    Danke, für die schöne Rezension :-) Ich habe schön ofter mit dem Gedanke gespielt, es zu verschenken, jetzt kann ich das ja guten gewissens machen! Vielleicht sind die salzigen Rezepte ein kleines extra, es würde sich vielleicht nicht lohnen sie als einziges Buch zu veröffentlichen. Obwohl ich das ganz spannend finde! Vegan ist und bleibt aktuell, das ist ziemlich faszinierend :-) Grüße aus dem Meraner Land :-)

    • Julia
      17. Oktober 2015 at 14:11

      Sehr gerne, Maria! Vielleicht hast Du recht und man muss die herzhaften Rezepte als Möglichkeit begreifen, was sonst noch so alles möglich ist.
      Herzliche Grüße!
      Julia

  5. Ylva
    14. Oktober 2015 at 12:39

    Das klingt nach einem spannenden Buch, liebe Julia!
    Ich mag es ja auch gar nicht, wenn krampfhaft mit Ersatzprodukten gearbeitet wird; aber ein von sich aus veganes Schoko-Dessert… ja, warum denn nicht auch einmal so!? Ich werde es mir mal anschauen, wenn ich dem Buch das nächste mal über den Weg laufe. Danke! :)
    Liebe Grüße,
    Ylva

    • Julia
      17. Oktober 2015 at 14:00

      Einen Blick ist dieses Buch allemal wert, Ylva, und es hält einen ja nichts davon ab, anstelle von Sojamilch, Kuhmilch zu verwenden und vegane Sahne durch “normale” Sahne zu ersetzen. Ich seh das nicht so eng, aber das weißt Du ja ;)
      Liebe Grüße!
      Julia

  6. Annett
    14. Oktober 2015 at 21:42

    Mein Partner und ich sind zwar nicht vegan, doch kochen wir auch immer mal wieder Gerichte ohne tierische Produkte. Bin für Ideen und Rezepte offen.

    Vielen Dank für die Rezension

    Annett

    • Julia
      17. Oktober 2015 at 13:58

      Sehr gerne, liebe Annett, genau so geht es mir auch und gerade beim Backen bin ich neugierig, wie es so ganz ohne Eier und Butter funktioniert.

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