Johannisbeeren for the win!

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Johannisbeeren | chestnutandsage.de

(1) Püree (2) Küchlein (3) Marmelade (4) Saft

Zwei große, ausladende Johannisbeersträucher zieren den Garten des Hauses, das uns am vergangenen Wochenende körperlich so zugesetzt hat. Denn Wassermassen strömten aus dem Badezimmer im ersten Stock durch nahezu jedes Zimmer des Familienhauses, setzten den Parkett-, Teppich- und Korkböden zu, fluteten Holzdecken und Wandvertäfelungen und hinterließen ein Bild eines… nunja, überraschend unversehrten Hauses, das halt eben nass ist. Denn ein Wasserrohrbruch ist ja kein Hochwasser wie wir es in den vergangenen Wochen in den Nachrichten bestaunen mussten, kein dreckiges Schlammwasser bahnt sich seinen Weg, nein, klares, reines Wasser strömt und rinnt, tropft und sickert durch Wände und Fußböden. Die daraus resultierend hohe Luftfeuchtigkeit führte nur leider dazu, dass alle Bücher, Magazine und Unterlagen, Bilder, Fotos und Wandbehänge, Kleider, Handtücher und Bettwäsche, na eben alles, was a) feucht werden kann, aber eigentlich trocken bleiben sollte und b) nicht niet- und nagelfest war, in Kartons gepackt und auf dem trockenen Dachboden verstaut werden musste. Ein schöner Scheiß, ich sag’s Euch. Nun denn. Die einzig versöhnliche Aussicht an diesen Tagen waren die leuchtend roten Kugeln der Johannisbeeren, die mich jedes Mal wenn ich meinen Blick nach draußen schweifen ließ, aufheiterten. Und so wuchs zwischen Kisten und Kartons der Entschluß, so viele Beeren wie möglich zu ernten, diese dann in die heimische (und vor allem trockene Wohnung) zu karren und dort Saft, Marmelade und Püree herzustellen, um den süß-säuerlichen Geschmack des Obstes auf möglichst einfachem Wege zu konservieren.

Und das hab ich auch geschafft. Knappe 10 Kilo Johannisbeeren warteten auf ihre Weiterverarbeitung. Dank des familiären Einkochvollautomaten mit Entsafteraufsatz (ein monströses Teil, ich sag’s Euch!) war der Saft im Handumdrehen gekocht und abgefüllt und Dank des Pürieraufsatzes meiner Küchenmaschine das Püree für die Marmelade völlig ohne Zupfarbeit hergestellt. Zu guter Letzt gab es dann noch die besten und buttrig-saftigen Johannisbeerküchlein, die mich vollends mit der Welt und allen Wasserrohren versöhnten.

Für 5 L Saft braucht Ihr:
  • Einkochvollautomat mit Saftaufsatz
  • 5 kg Johannisbeeren, gewaschen (abgezupft werden muss hier nix!)
  • 1 kg Zucker

Gebt die gewaschenen Johannisbeeren in das Sieb des Saftaufsatzes und befüllt den Rest des Automatens so, wie es in der Gebrauchsanleitung steht. Gebt 1 kg Zucker auf die Johannisbeeren. Ich drehe die Temperatur jetzt auf “Entsaften” und lasse alles 2 Stunden kochen. Danach fülle ich den Saft in eine Schüssel, damit alles gleich süß ist. Wenn man den Saft nämlich direkt in Flaschen abfüllt, werden die ersten Flaschen süßer sein, als die letzten. Den Saft fülle ich jetzt in saubere und sterile Flaschen und koche diese nochmal bei 75° ein.

Für 1 Kilo Marmelade braucht Ihr:
  • 700 g Johannisbeeren, püriert und ohne Kerne (meine Küchenmaschine macht das automatisch beim pürieren)
  • 300 g Himbeeren, püriert
  • 1 Päckchen 2:1 Gelierzucker

Vermischt das Johannisbeer- und das Himbeerpüree mit dem Gelierzucker und bereitet die Marmelade so zu, wie es der Gelierzuckerhersteller empfiehlt. Bei mir heißt das, dass die Marmelade vier Minuten sprudelnd kochen muss. Füllt die Marmelade dann in saubere und sterile Gläschen ab und lasst sie abkühlen.

Für 1 Kilo Johannisbeerpüree braucht Ihr:
  • 1,5 kg Johannisbeeren

Ich habe die Johannisbeeren einfach nur durch den Pürieraufsatz gejagt, in Weckgläschen abgefüllt und dann eingekocht. Ihr könnt das Püree natürlich auch einfrieren, aber in meiner Gefriertruhe ist kein Platz für gar nichts mehr, deshalb wandern die so konservierten Gläschen in den Keller, um sie irgendwann im Laufe des Jahres zu, zum Beispiel, diesem Nachtisch zu verarbeiten.

Johannisbeerkuchlein | chestnutandsage.de

Für die leckersten Johannisbeerküchlein braucht Ihr (frei nach Petra von Foodfreak):
  • 130 g Weizenmehl, Typ 405
  • 1/4 TL Salz
  • 1 1/2 TL Weinsteinbackpulver
  • 80 g Butter, sehr weich
  • 80 g Zucker
  • 1 Ei (Klasse M)
  • 1 TL abgeriebene Zitronenschale
  • 1/2 TL Vanillepaste
  • 80 ml Buttermilch
  • 100 g Johannisbeeren

Heizt den Backofen auf 175°C  Ober-/Unterhitze vor. Fettet die 12 Mulden eines Muffinblechs mit Butter ein. Zupft die Johannisbeeren von den Rispen.
Schlagt die weiche Butter und den Zucker schaumig und gebt dann nach und nach das Ei, die Zitronenschale und die Vanillepaste unter.
Vermischt das Mehl mit dem Salz und dem Backpulver und gebt diese Mischung jetzt abwechselnd mit der Buttermilch zu der Eiermasse und rührt so lange, bis ein homogener Teig entstanden ist.
Füllt jetzt jeweils 1 EL des Teigs in jede Muffinmulde und verteilt dann die Johannisbeeren gleichmäßig auf dem Teig. Schiebt das Blech dann für etwa 20 Minuten in den Backofen, bis sie goldbraun sind und die Küche verführerisch nach Kuchen duftet. Nehmt die Küchlein aus dem Ofen und lasst sie dann auf einem Gitter abkühlen.

Nach so viel einkochen, einwecken, zupfen, rupfen und backen reicht’s jetzt auch erstmal… obwohl… die Stachelbeeren stehen schon in den Startlöchern und wollen geerntet werden… Mal sehen, was ich damit alles anstellen kann!

Habt ein schönes Wochenende und lasst es Euch gut gehen!

Julia

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14 comments on “Johannisbeeren for the win!

  1. Foodfreak
    20. Juli 2013 at 16:03

    Ooooh die Küchlein sind aber schön geworden! Auf die Idee sie mit Johannisbeeren zu machen bin ich noch gar nicht gekommen – wird umgehend nachgeholt!

    • Julia
      20. Juli 2013 at 16:07

      Die mit Aprikosen hab ich vor zwei Wochen gebacken und die waren so lecker, dass ich sie jetzt mit jedem Obst, das mir über den Weg läuft, gebacken werden! Danke für das Rezept :)

  2. Tonia
    21. Juli 2013 at 10:49

    Oh was sind die Küchlein schön!

    • Julia
      21. Juli 2013 at 20:08

      Danke, Tonia, aber sie sind auch wirklich einfach zu backen (na ok, Du bist Backprofi) und sie schmecken himmlisch lecker :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  3. Sydney
    22. Juli 2013 at 16:11

    Oh, das sieht aber alles zauberhaft sommerlich aus. Ganz besonders die Küchlein haben es mir angetan und da das nächste Wochenende quasi schon naht, schreibe ich mir das Rezept doch gleich mal ab, um dann auch welche zu produzieren.

    • Julia
      23. Juli 2013 at 18:24

      Dann wünsch ich Dir viel Spaß beim Nachbacken! Die Küchlein sind super um sie, wenn man so im Halbschatten liegt, einfach so weg zu snacken, also sehr Hochsommertauglich ;) Wo ich gerade lese, dass Du das Rezept abschreibst, wäre es vielleicht hilfreich, wenn ich in Zukunft die Rezepte zum Download, oder zum Drucken anbiete?
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. Luna
    23. Juli 2013 at 10:37

    oij – nach so viel arbeit und stress mit dem rohrbruch hast du noch muße zur verarbeitung von 10kg johannisbeeren. alle achtung! vielleicht hast du ja auch noch lust auf schulstunde? wenn du schreibst, du hättest das püree in gläser gepackt und dann erst eingekocht, wie kann ich mir das vorstellen? die gläser samt gummiring für x stunden in einen topf mit kochendem wasser gestellt? oder für x stunden in den backofen geschoben?

    liebe grüße von der ahnungslosen luna

    • Julia
      23. Juli 2013 at 18:35

      Liebe ahnungslose Luna, kein Problem, ich hab noch die Energie zum Erklären ;) Ich hab ja einen Wecktopf (also einen Einkochvollautomaten) hier stehen und der hilft mir hier beim Konservieren. Ich habe die Weckgläser befüllt und dann den Gummi eingelegt und die Gläschen mit den Klammern verschlossen. Dann hab ich sie in den Wecktopf gestellt und diesen dann so hoch mit Wasser befüllt, dass die Gläser zu 2/3 mit Wasser bedeckt waren. Dann habe ich das Thermostat auf 85°C eingestellt und die Johannisbeeren für 20 Minuten eingekocht, ich hab mich also brav an die Bedienungsanleitung gehalten :) Das kannst Du auch im Backofen machen, das hab ich früher auch so gemacht. Dabei hab ich die vollen Gläser in die mit Wasser gefüllte Fettpfanne des Ofens gestellt und für eine Stunde bei 80-100°C eingekocht. Hat einwandfrei funktioniert!
      Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen?
      Liebe Grüße!
      Julia

  5. Claudia ~ Food with a View
    23. Juli 2013 at 12:00

    Oh mein Gott – alles Gute für Euer Haus (sagt man das so, mir fehlen ein bisschen die Worte)! Das muss furchtbar nervenaufreibend gewesen sein und ist hoffentlich inzwischen wieder in trockenen Tüchern, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber was für eine großartige Johannisbeeren-Ralleye, die du daraus gemacht hast! Sieht alles wunderschön und köstlich aus.

    • Julia
      23. Juli 2013 at 18:39

      Och, naja, es wird sich auf jeden Fall noch über mehrere Wochen ziehen, bis man wieder im Haus wohnen kann. Das Gute ist ja aber, dass man die Wassermassen irgendwann akzeptiert und das Rauschen der Trocknungsanlage vielleicht als…. hm…. angenehm, entspannend, meditativ empfindet? Eher nicht, aber was soll man tun, außer sich um den Garten und die Johannisbeeren kümmern ;)

    • Claudia ~ Food with a View
      24. Juli 2013 at 00:02

      Oh, dann wünsche ich umso mehr starke Nerven (die scheinst Du ja wirklich zu haben), bis alles überstanden sein wird. Und wie gut, dass Du jetzt zum Trost so einen wunderbaren Vorrat an Johannisbeer-Köstlichkeiten hast – ich finde ja, Selbstgesammeltes und Verarbeitetes gibt einem das Gefühl, sich gut – und in Deinem Fall besonders köstlich! – versorgt zu haben, und so ein Gefühl ist gerade ja vielleicht auch hilfreich. Ganz lieben Gruß!

    • Julia
      24. Juli 2013 at 20:38

      Haha, nein, die starken Nerven sind gespielt, keine Sorge!!! Aber es ist schon so ein bisschen, wie Du sagst… ich versuche jetzt elementare Dinge selber zu machen, wie Brot, Saft und Marmelade, damit für die nächsten schlechten Zeiten gut vorgesorgt ist.
      Liebe Grüße!
      Julia

  6. zuckerliebtstephi
    25. Juli 2013 at 13:34

    Mmmhhh.. die Küchlein muss ich unbedingt nachmachen! Nachdem ich eine Johannisbeertorte gemacht habe, habe ich zum Glück noch ein paar der leckeren Früchtchen über. Oder ich probier die Variante mit Aprikosen.
    Zuckersüße Grüße, Stephi

    • Julia
      25. Juli 2013 at 20:43

      Liebe Stephi, dann wünsch ich auch Dir viel Spaß beim nachbacken! Weniger Aufwand als eine ganze Torte sind sie allemal ;) Die Küchlein schmecken mit Aprikosen übrigens auch sehr, sehr lecker, ich hab’s probiert! Aber auch Stachelbeeren passen gut, probier doch einfach alle Möglichkeiten durch und sag mir dann Bescheid, welche Dir am Besten geschmeckt hat!
      Liebe Grüße!
      Julia

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