Essbare Stadt {Rezension}

EssbareStadt

Die Lust auf dem Land zu leben scheint ungebrochen, wird damit doch ein naturnahes, naturverbundenes Leben verknüpft. Doch nicht jeden zieht es dorthin wo Fuchs und Hase ihr allabendliches Stelldichein geben, viele Menschen bevorzugen das Leben in der Stadt das in keinerlei Widerspruch zu einem Leben mit der Natur stehen muss. Das, und noch viel mehr, zeigt das wunderbare Kochbuch “Essbare Stadt – Wildwuchs auf dem Teller” von Maurice Maggi, das 2014 im AT Verlag erschienen ist. Bereits im Vorwort schreibt Maurice Maggi, das Buch solle dabei helfen “die Natur zu entdecken – indem man sich ihrer bedient – und damit die Sensibiltät für die Stadtnatur” wecke. Das Wissen um den Nutzen und den Einsatz urbaner Wildpflanzen und die damit einhergehende Wertschätzung verhelfe zu einem Kennenlernen und respektvollen Umgang mit der nächsten Umgebung und der Rückbesinnung auf eine echte regionale und saisonale Küche. Mit Lebensmitteln sorgsam, aber doch spielerisch umzugehen und das beste aus dem, was unsere Umwelt bereit hält, herauszukizeln, das sei die Herausforderung der Wildpflanzen, die im Überfluss vor der eigenen Haustüre zu finden sind.

Die Rezepte

“Essbare Stadt” ist ein vorwiegend vegetarisches Kochbuch, dessen Rezepte den Jahreszeiten zugeordnet werden. Jedes Rezept ist übersichtlich auf einer Seite gestaltet und mit wunderschönen Fotografien in Szene gesetzt. Eingeleitet werden die einzelnen Gerichte häufig mit kleinen Informationen rund um die verarbeiteten Wildpflanzen. Die Kapitel werden mit Steckbriefen der jeweiligen Pflanzen abgeschlossen, die sowohl die Verwendung erklären als auch wissenswerte Informationen rund um das Pflücken oder den Einsatz als Heilpflanze bereit halten. Die Rezepte sind spannend, übersichtlich verfasst und verständlich formuliert, auch wenn kein klares Formulierungsmuster für Handlungsanweisungen erkennbar ist. Die Gerichte lassen sich selbst dann, wenn Veilchen, Giersch oder Kornelkirschen nicht zur Hand sind, zubereiten. Besonders gut gefallen mir die Löwenzahn-Sobanudeln mit Hopfenschösslingen, Tomme im Knuspermantel mit Hagebuttensauce, die geschmorten Randen mit Orange und Sanddorn oder der Linsen-Lauch-Salat mit Cedri, Topinambur und Lavendelsauerrahm. Das gute an diesen Rezepten ist nämlich, dass ich ganz genau weiß, wo ich die jeweiligen Wildpflanzen sammeln kann. Bemerkenswert sind die einzigen zwei nicht vegetarischen Gerichte – Tauben auf Weichseln und Ceviche aus Zürichsee-Felchen. Beide Tiere sind Teil der Stadt und finden somit berechtigterweise Einzug in dieses Buch.

Die Gestaltung

Was an “Essbare Stadt” zuerst auffällt, ist die Bindung und die zwei dicken grauen Pappdeckel, die den Inhalt schützen. Der Blick ins Buch bestätigt den ersten Eindruck, man hält etwas besonderes in den Händen. Juliette Chrétien und Mira Gisler gestalten mit ihren wunderbar und bestechend einfach arrangierten Fotos ein Buch das man gerne zur Hand nimmt und durchblättert. Ruhig werden die Gerichte angerichtet, verwunschene Ecken der Stadt mit einem weichen Blick präsentiert und Maurice Maggi in jeder Jahreszeit auf der Suche nach Wildpflanzen begleitet. Besonders gut gefällt mir, dass in jedem Kapitel eine Tavolata gezeigt wird und somit Menschen der Stadt, von jung bis alt, in den Mittelpunkt rückt. Eine Tavolata ist eine durch den Migros-Kulturprozent initiierte Tischrunde, die selbstorganisiert interessierte Menschen an einen Tisch bringt. Ziel dieser Tischrunden ist, Gastfreundschaft und Gemeinschaft zu erleben, Vertrautheit und Respekt zu erfahren. Abgerundet wird “Essbare Stadt” durch die skizzenhaften Illustrationen von Boris Périsset, der als Grafiker das Gestaltungstrio vervollständigt.

Fazit

“Essbare Stadt – Wildwuchs auf dem Teller” ist ein wirklich tolles Buch, dass meiner Meinung nach mehr als ein reines Kochbuch ist. Neben den vielfältigen Rezepten geht es darum, eine Stadt nicht auf die Summe aus Straßen, Verkehr, Fußgängerzonen und Industriegebieten zu reduzieren, sondern sich selber als Teil des Ganzen, des öffentlichen Raums zu verstehen, den wir nicht nur besitzen, sondern aktiv beeinflussen können. Wir alle, die wir in kleinen, großen oder gar Großstädten leben, müssen verstehen, dass eben dieser öffentliche Raum von jedem Einzelnen im Sinne eines identitätsstiftenden Gemeinwesens mitgestaltet werden muss. Wir selber sind verantwortlich, den Ort an dem wird Leben, lebenswert zu machen. Wer mit offenem Blick durch seine Stadt, den öffentlichen Raum, geht, wer sie erkundet, wird dabei nicht nur die ein und die andere Wildpflanze entdecken, sondern seine Stadt erleben und im besten Fall auf interessante Menschen treffen, die das (Stadt)Leben bereichern können.

“Essbare Stadt – Wildwuchs auf dem Teller” von Maurice Maggi ist 2014 im AT Verlag erschienen und kostet 39,90 €. Das Buch wurde mir als Rezensions-Exemplar zur Verfügung gestellt.

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15 comments on “Essbare Stadt {Rezension}

  1. Sabrina
    24. Oktober 2014 at 09:04

    Ich hatte das Buch auf der Buchmesse in der Hand, da mich allein die Aufmachung neugierig gemacht hat. Und auch vom Inneren war ich gleich angetan. Schön, dass du hier meinen 1. Eindruck bestätigst, dann muss ich unbedingt einen weiteren, intensiveren Blick ins Buch werfen. Danke für deine Buchvostellung! :)
    LG
    Sabrina

    • Julia
      24. Oktober 2014 at 20:24

      Sehr gerne, Sabrina! Ich finde, dass sich ein weiterer, intensiverer Blick lohnt ;)
      Liebe Grüße!
      Julia

  2. Claudia ~ Food with a View
    24. Oktober 2014 at 09:56

    Oh, das klingt nach einem herrlichen Buch, Julia! Mit Deiner tollen Rezension hast Du mir große Lust darauf gemacht, und bei den Löwenzahn-Sobanudeln mit Hopfenschößlingen bin ich ganz bei Dir – wäre doch jetzt sofort Frühling und würde man vor allem der Schößlinge habhaft :-). Die Tavolatas klingen auch sehr spannend – wie es überhaupt großartig ist, was sich rund um das sich Treffen, Teilen und Organisieren in Sachen Food alles entwickelt. Lieben Gruß!

    • Julia
      24. Oktober 2014 at 20:16

      Ja, ich finde auch, dass es mittlerweile viele schöne Entwicklungen, die ich mit großem Interesse verfolge. Sei es der Food Exchange, Stadt Land Food, Supper Clubs oder, oder, oder. Irgendwo habe ich gelesen, dass es Zeit wird, nicht mehr nur Inhalte in sozialen Netzwerken sondern sein Essen miteinander zu teilen.
      Liebe Grüße!

  3. Anni
    24. Oktober 2014 at 12:04

    Den Löwenzahn an Straßenrand mag ich zwar echt nicht essen, aber zum Glück gibt es ja auch stadtnahe Natur und die ist so unglaublich wertvoll! Ein sehr schönes Thema und ein gelungenes Buch.
    Danke für die Empfehlung.
    Liebe Grüße

    • Julia
      24. Oktober 2014 at 20:06

      Die Kräuter vom Straßenrand würde ich auch nicht essen wollen, liebe Anni! Aber es gibt ja – genau so wie Du sagst – stadtnahe Natur. Im Buch wird auch immer wieder auf den gesunden Menschenverstand verwiesen, eben stark befahrene Straßen genau so wie beliebte Hundewege zu meiden. Mit einem offenen Geist wird man seine Wildkräuter schon finden :)
      Liebe Grüße!

  4. Nele Büsing
    29. Oktober 2014 at 11:08

    Das klingt ja spannend! Werde ich wohl auch mal einen Blick reinwerfen. Außerdem finde ich das Cover toll. ;)

    • Julia
      31. Oktober 2014 at 19:37

      Mach das auf jeden Fall, liebe Nele. Und nicht nur das Cover ist toll, auch das Innenleben ist schön :)

  5. Dani
    29. Oktober 2014 at 17:35

    Was für eine tolle Buchidee! Und was für ein schönes Fazit, liebe Julia – mal wieder wahre Worte von dir: wir alle sind Teil des Ganzen und beeinflussen es damit.
    Schön, wieder mal daran erinnert zu werden.
    Liebe Grüße!
    Dani

    • Julia
      31. Oktober 2014 at 19:40

      Mir gefällt vor allem, dass in diesem Buch nicht die “Landlust” im Vordergrund steht, sondern eben die “Stadtlust” ;)
      Liebe Grüße <3
      Julia

  6. Franziska
    30. Oktober 2014 at 17:26

    Das klingt lesenswert – ich mags wenn in den Büchern mehr steht als “nur” Rezepte. Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße
    Franziska

    • Julia
      31. Oktober 2014 at 19:40

      Sehr gern, liebe Franziska! Vielleicht gefällt Dir das Buch beim Durchblättern ja auch!
      Liebe Grüße!
      Julia

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