Zwei Blogs, eine Idee: Von Hexen und Pilzen

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Birken | chestnutandsage.de

Ylva und mich eint nicht nur die Freude am Kochen, wir beide sind auch leidenschaftliche Bücherfreundinnen mit Hang zum Fantastischen. Ein Glücksfall, können wir uns doch so bei „Zwei Blogs, eine Idee“ auf eine kulinarische, lesehungrige Reise ins ferne Zamonien begeben, dem föderalistischen Rechtsstaat, der seit der Buchtinger Unabhängigkeitserklärung von 1843 eine unabhängige Nation und eine Moers’sche Erfindung ist. In Zamonien leben die unterschiedlichsten Geschöpfe, fantastische Wesen, gut, böse, undurchsichtig, freundlich, Fhernhachen, Wolpertinger, Buntbären, Nattifftoffen und viele andere. Gemein ist all diesen Geschöpfen, dass sie sich – wenn auch sehr unterschiedlich – den lukullischen Köstlichkeiten ihrer Welt hingeben, wie zum Beispiel Kometenwein, Haselhexenkaffee, Bienenbrot oder lebendem Käse. Ja selbst die Übeltäter, wie die Gourmetica Insularis, wissen, wie man es sich auf delikate Weise gut gehen lässt: Die Opfer werden mit den appetitlichsten Gaumenfreuden auf diese wunderbare Insel gelockt und nach mehreren Monaten der Mast sodann, wohl genährt und blendend gelaunt, von selbiger mit Haut und Haar verspeist. Andere Halunken sind da nicht so gut zu ihren Opfern, manche, wie die Pilzhexen zum Beispiel, ernähren sich von Kleintierseelen, die sie mit betörendem Singsang in sich aufsaugen.

Waldpilz | chestnutandsage.de

Und genau hierhin, zu den Kleintieren, mitten in den großen Wald, auf den unheilsamen Spuren der Sternenstauner, Stollentrolle und Pilzhexen, wird man in „Ensel und Krete“  auf eine wilde Reise durch ein klassisches Märchen im Grimm’schen Sinne mitgenommen: volkstümlich und myhtisch, unterhaltsam für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, kurzweilig und langatmig – vor allem durch die Mythenmetz’sche Abschweifung, in der sich der Verfasser der Geschichte, Hildegunst von Mythenmetz, mehr als ausführlich zu Wort meldet. Künstlerische Freiheit, schiere Willkür, Avantgarde, eine mit Rosinen gefüllte Schublade, die zu weit herausgezogen wurde – Brillianz und Wahnsinn treffen in diesem Buch, im Großen Wald, mehr als nur aufeinander, sie vermischen sich und ziehen den Leser in diese ferne Welt, die so wunderbar spannend ist, dass ich nicht genug davon bekommen kann.

Dreh und Angelpunkt der Geschichte rund um das unschuldige Fhernhachen-Geschwisterpärchen Ensel und Krete ist die Angst, im großen Wald auf eine Hexe, genauer gesagt, auf eine Pilzhexe zu treffen. Die Pilzhexe ist ein großer Pilz aus der Kategorie der Hexen, die ja, was weithin bekannt und im Blutigen Buch dokumentiert ist, immer zwischen Birken steht. Und hier bin ich nun, zwischen Birken, inmitten des großen Waldes auf der Suche nach Rot- und Braunkappen, Pfifferlingen, Steinpilzen und Herbsttrompeten, nach allem also, was ich für mein heutiges Rezept für Ylva gut gebrauchen könnte. Da ich aber – immer noch – eine ungeübte Pilzsucherin (und obendrein ein Angsthase) bin, werfe ich das Handtuch, schlendere auf den Stadtmarkt und wende mich an den Gemüsehändler meines Vertrauens, der jetzt die wunderbarsten Waldpilze anbietet und mir somit (und garantiert hexenfrei) zu einem feinen Abendessen verhilft.

Waldpilz Gnocchi | chestnutandsage.de

Gnocchi mit Waldpilzen für 4 Personen:

  • 400 g mehlig kochende Kartoffeln
  • ca. 120 g Mehl
  • 2 Eigelb
  • 30 g Parmesan, fein gerieben
  • Salz
  • 500 g Rotkappen, Braunkappen und Pfifferlinge
  • 300 g Champignons
  • 2 Knoblauchzehen, in feine Scheiben geschnitten
  • 4 EL Kerbel, fein gehackt
  • 4 EL Estragon, fein gehackt
  • 1 EL Rosmarin, fein gehackt
  • 4 EL Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

Dämpft die Kartoffeln in einem Dünsteinsatz im Topf bis sie gar sind. Nehmt sie dann aus dem Topf und lasst sie nur ein wenig abkühlen, sodass ihr sie schälen könnt. Drückt die Kartoffeln dann durch eine Kartoffelpresse und vermischt sie gleich mit den Eigelben, dem Parmesan und etwas Salz. Gebt nach und nach das Mehl hinzu bis ein Teig entstanden ist, der nicht zu weich und nicht zu fest ist. Formt einen Probe-Gnocchi und lasst ihn im siedenden Wasser garen. Wenn er auseinander fällt, gebt noch ein wenig Mehl zum Teig.

Nehmt dann vom Teig kleine Portionen und rollt diese mit den Händen zu kleinen Kugeln, die etwas größer sind als die Kaugummis, die ihr früher aus den Kaugummiautomaten bekommen habt. Drückt diese dann leicht mit der Gabel platt, sodass sie ein schönes Rillenmuster bekommen. Erhizt Wasser in einem großen Topf bis es siedet. Gebt die Gnocchi dann portionsweise in das siedende Wasser und lasst sie dort etwa 4 Minuten gar ziehen. Nehmt sie dann aus dem heißen Wasser und stellt sie beiseite.

Erhizt Butter in einer großen Pfanne und bratet darin die Pilze und die Knoblauchscheiben scharf an. Schmeckt die Pilze mit Salz und Pfeffer ab. Gebt dann die Gnocchi in die Pfanne und bratet sie für ein paar Minuten mit den Pilzen zusammen an. Rührt dann die fein gehackten Kräuter unter und schmeckt alles nochmal mit Salz und Pfeffer ab.

Verteilt die Gnocchi-Pilz-Pfanne auf Teller, hobelt nochmal schön Parmesan über alles und lasst es euch gut gehen!

Liebe Ylva, es war mir wie immer eine Freude mit Dir zu kochen! Ich bin schon gespannt, was wir das nächste mal anstellen werden! Und liebe Shermin, endlich habe ich es geschafft an Deinem wunderbaren bibliophil-kulinarischen Blog-Event „Lesehunger“ teilzunehmen.
Habt einen wunderbaren Sonntag!
Liebe Grüße,
Julia

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18 comments on “Zwei Blogs, eine Idee: Von Hexen und Pilzen

  1. Ylva
    21. September 2014 at 11:18

    Was für ein wunder-, wunderschöner Pilz, liebe Julia! Und was ein fantastischer Text zu einem köstlichen Rezept! Da läuft mir schon am frühen Morgen (11 Uhr ist für einen Sonntag doch früh oder?) das Wasser im Mund zusammen. Würde auf dem hiesigen Markt nur auch Rot- oder Braunkappen finden… hach!

    Ich freue mich auch schon riesig auf das nächste gemeinsame Kochen mit Dir; es ist immer wieder eine Ehre <3
    Ganz liebe Grüße und noch einen wunderbaren Sonntag!
    Ylva

    • Julia
      22. September 2014 at 18:00

      Gnihihijaja, der weltwunderschönste Pilz, gell ;) 11 Uhr ist für einen Sonntag noch sehr früh – da siehst Du mal, wie es mir immer geht, wenn ich morgens bei Dir vorbei schaue! Ich habe hier großes Glück so schöne Pilze einfach auf dem Markt zu finden, ich weiß das sehr zu schätzen. Mal sehen, was ich für unser nächste Kochen finde, ich bin schon gespannt!
      Liebe Grüße!
      Julia

  2. Carla
    21. September 2014 at 12:00

    Das Rezept klingt absolut köstlich und der Einleitungstext ist wirklich genial! Die Bücher von Moers mag ich auch sehr gerne, aber das mit der Pilzhexe steht bislang noch nicht in meinem Regal. Wird sich sicher bald ändern ;)
    Noch einen schönen Sonntag!
    Carla

    • Julia
      22. September 2014 at 18:00

      Wunderbar, noch eine Zamonien-Freundin! Ensel und Krete ist wirklich unterhaltsam, ich kann es Dir nur empfehlen :)
      Liebe Grüße
      Julia

  3. Micha
    21. September 2014 at 15:27

    Schöner kann Eskapismus wohl nicht sein – mutmaße ich, wenn ich der Erzählung lausche und auf die Pfanne spickle ;)

    • Julia
      22. September 2014 at 18:01

      Na vor allem, wenn man dabei dem großartigen Dirk Bach lauschen darf, der diese Welt mit seiner wunderbaren Stimme so viel Leben einhauchte.

  4. Eva @ 1 Big Bite
    21. September 2014 at 17:53

    Von Moers hatte ich bis gerade noch nie was gelesen. Wie konnte ich all das verpassen? Sehr schoener Blogpost und ein vielversprechendes und herbstliches Rezept.

    Danke! Eva

    • Julia
      22. September 2014 at 18:02

      Sehr gerne, liebe Eva! Bei Walter Moers kommt einem ja meist auch erst „das kleine Arschloch“ in den Sinn, diese Bücher solltest Du am besten ganz weit links liegen lassen :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  5. Theresa
    22. September 2014 at 12:04

    liebe Julia, einfach nur wunderwunderschön – dein Text entführt mich in ferne Welten und lässt zauberhafte Bilder vor meinen Augen entstehen. Merci und dir eine schöne Woche voller kulinarischer Freuden! Liebe Grüße aus Berlin, Theresa

    • Julia
      22. September 2014 at 18:03

      Ach das freut mich aber zu lesen, liebe Theresa! Ich freu mich wirklich, wirklich sehr <3
      Liebe Grüße!
      Julia

  6. Claudia ~ Food with a View
    22. September 2014 at 13:16

    Was für eine grandiose Geschichte und kongeniale kulinarische Umsetzung, liebe Julia! Bei der Pilz-Besorgung musste ich ein bisschen kichern und fühle mich in bester Gesellschaft – ich fürchte mich nämlich auch schrecklich vor’m Pilzesammeln (bzw. vor dessen möglichen Folgen) und gehe stattdessen auf den Markt oder Bioladen ;-). Lieben Gruß!

    • Julia
      22. September 2014 at 18:05

      Wunderbar, wir könnten gemeinsam durch den Wald schlendern und uns über jeden Pilz beugen, spekulieren, ob er giftig oder genießbar ist, und ihn dann doch stehen lassen – so mache ich das nämlich immer :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  7. Shermin
    22. September 2014 at 18:06

    Liebe Julia,
    auch dir ein ganz dickes Danke für diesen wunderbar lesehungrigen Ausflug nach Zamonien und die dort erhältlichen kulinarischen Spezialitäten. (Sind es dann quasi Gnocchi mit Waldpilzhexenseelen? ;))

    Liebe Grüße

    • Julia
      23. September 2014 at 20:45

      Achje, natürlich nicht! Was für eine Vorstellung ^^ iüöööööh! Nein, nein, in die Pfanne wanderte definitiv keine Waldpilzhexe, ich habe penibelst darauf geachtet ;)
      Liebe Grüße!
      Julia

  8. Dani
    22. September 2014 at 18:29

    Liebe Julia,
    ich muss gestehen, ich habe es weder so sehr mit Fantasy noch so sehr mit Pilzen aber eines ist klar: bei deinen Fotos könnte man sich das fast schon wieder anders überlegen… ;) Herrlich!
    Liebe Grüße!
    Dani

    • Julia
      23. September 2014 at 20:48

      Ach Dani, das macht doch nichts, Du könntest auch einfach um die Pilze herum essen ;) Von den vier Essern, die ich zu diesem Abendessen eingeladen hatte, wollte einer auch keine Pilze – unvorstellbar! Er hat dann einfach Gnocchi mit Salbeibutter bekommen, das könnte ich Dir auch anbieten?
      Liebe Grüße <3
      Julia

  9. Franziska
    24. September 2014 at 12:44

    Was für ein wundervoller Eintrag! Ich will gleich meine Stiefel anziehen und in den Wald marschieren – aber leider bin ich noch einige Stunden an meinen Schreibtisch gefesselt. Liebe Julia, danke für die kleine Mittags-Traum-Pause.

    Übrigens habe ich mir diese Woche dein selbstgemachtes Brot gewünscht, als ich Grilled Cheese Sandwiches gemacht habe.

    Liebe Grüße
    Franziska

    • Julia
      27. September 2014 at 14:18

      Sehr, sehr gerne, liebe Franziska! Ich freu mich sehr, dass Dir der Beitrag gefällt. Gerade wenn man lange am Schreibtisch sitzt sollte man sich ab und an eine kleine Gedankenflucht gönnen ;)
      Liebe Grüße!
      Julia
      … und geh das mit dem Brot an, echt, das macht wirklich Spaß!

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