Wintersalat mit Fourme d’Ambert und Quitte

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Radicchio-Salat | chestnutandsage.de

Das größte Geschenk ist, in ein Land zu reisen, dessen Sprache man nicht spricht. Es entspannt, keine Gesprächsfetzen im Vorbeigehen aufzufangen, keine Nachrichten zu lesen, die in Cafés ausliegenden Zeitungen stehen, keine Botschaften ins Unterbewusstsein geschustert zu bekommen, die von Plakatwänden wie steter Tropfen den Stein en passant höhlen. Das ist für mich die schönste Form des in-Ruhe-gelassen-Werdens. Der Fokus rückt sich zurecht, konzentriert sich auf die kleinen Dinge – Vogelgezwitscher, Düfte, streunende Katzen – was zu Hause im Alltäglichen untergeht, bekommt die Wichtigkeit, die es verdient. Es ist die schönste Form von Sprachlosigkeit über die sich erst dann ein Schatten legt, wenn man vor einer Speisekarte sitzt, die man nicht versteht: Was wird man wohl bekommen? Was hat man eigentlich gerade bestellt? Die servierte Speise kann so zu euphorischem Freudenjubel führen oder, auch das mag passieren, eher verhaltenes Entsetzen ins Gesicht zaubern: Blauschimmelkäse und Kerbel auf einem Teller? Nun gut, was was soll man tun – man probiert. Und so kann es passieren, dass sich ein kleiner Speisekarten-Fauxpas als großes Glück herausstellt und man über den Salat, der gleichzeitig cremig und knackig, bitter und herb, sauer und süß ist, jubiliert, anstatt Suppen-Kaspar-hungrig vor seinem Teller zu sitzen. Welch großes Geschenk.

Pro Portion braucht Ihr:

(nach einer Idee aus der Tatar-ia | das Dressing reicht für 2-3 Portionen)

  • 1 kleine Hand voll Radicchio, fein gehackt
  • 1 kleine Hand voll Winterendivie, fein gehackt
  • 2 EL feine Apfelwürfel
  • 2 EL feine Quittenbrotwürfel (aus Dulce de Membrillo*)
  • 2 EL feine Fourme d’Ambert-Würfel
  • einige Blättchen Kerbel
  • 2 EL geröstete Brotwürfel (ich nehme ein Sauerteigbrot)
  • 4 EL Saure Sahne
  • 1 EL Apfelessig
  • 2 EL Öl
  • 1/2 TL Senf
  • Salz und Pfeffer

*Ihr könnt Dulce de Membrillo einfach selber herstellen: Schält eine Quitte, entfernt das Kerngehäuse und schneidet sie klein. Gebt auf 500 g Quitte 30 ml Wasser und lasst die Quitte für 30 Minuten weich kochen. Püriert die Quitte dann, die Konsistenz sollte so wie Apfelmus sein. Wiegt das Quittenpüree ab und gebt die gleiche Menge Zucker hinzu. Lasst das Quittenpüree jetzt nochmal für 40 Minuten kochen, rührt dabei ständig vorsichtig um, das Quittenpüree ploppt eher vor sich hin, als das es blubbert. Gebt das fertige Püree dann in eine mit Backpapier ausgekleidete Schale und lasst es vollständig abkühlen und gelieren.

Richtet Radicchio, Winterendivie, Apfelwürfel, Quittenbrotwürfel und Fourme d’Ambert hübsch auf einem Teller an.
Vermischt Saure Sahne, Essig, Öl, Senf, Salz und Pfeffer zu einem homogenen Dressing.
Beträufelt den Salat mit dem Dressing und verteilt die knusprigen Brotwürfel und die Kerbelblättchen darauf.

Ihr lieben, kommt gut ins Wochenende!
Julia

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18 comments on “Wintersalat mit Fourme d’Ambert und Quitte

  1. Kiki
    29. Januar 2016 at 11:15

    Das hört sich alles toll an, und allein die Farbe des Salates spricht für sich! Das Rezept ist genau mein Geschmack, tolle Inspiration. Ich liebe es auch, Gerichte aus Restaurants „nachzubauen“, diesen Salat werd ich ganz bestimmt mal probieren.
    Schöne Grüsse,
    Kiki

    • Julia
      30. Januar 2016 at 15:49

      Das freut mich aber, liebe Kiki! Der Reiz dieses Salats liegt darin, dass alle Zutaten wirklich fein gewürfelt und geschnibbelt sind und man so alle Geschmäcker auf einer Gabel hat.
      Liebe Grüße!
      Julia

  2. Sabrina
    31. Januar 2016 at 12:04

    Was ein Glück, dass die Sprachlosigkeit dir diesen Salat vor die Nase gesetzt hat! Das war ganz klug von ihr. Und wie gut, dass sich irgendwo im Kühlschrank noch ein Päckchen Dulce de Membrillo versteckt – der Salat klingt nämlich ganz wunderbar!
    LG und einen schönen Sonntag,
    Sabrina

    • Julia
      31. Januar 2016 at 19:49

      Ich hatte so eine Ahnung, dass Ihr mit Dulce de Membrillo was anfangen könne, liebe Sabrina! Mir war es so nämlich relativ neu und selbstverständlich hab ich diese süße Köstlichkeit nicht im heimischen Supermarkt gefunden, aber zum Glück ist das ja schnell gemacht :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  3. Mira
    31. Januar 2016 at 16:31

    Ich bin gerade über das ZEIT Magazin auf deinen wunderschönen Blog aufmerksam geworden! Ich frage mich, warum ich den nicht schon früher gefunden habe :D
    Der Salat klingt richtig lecker und wird demnächst von mir mal nachgemacht.

    Grüße
    Mira

    https://findingfoxesblog.wordpress.com/

    • Julia
      31. Januar 2016 at 19:53

      Liebe Mira, wie lieb von Dir! Ich freu mich riesig über Deine Nachricht!
      Es gibt so viele Blogs, irgendwie ist es da schwer, den Überblick zu behalten ;)
      Liebe Grüße und einen schönen Abend!
      Julia

  4. Theresa
    2. Februar 2016 at 14:09

    liebe Julia,
    bei deinen Worten wird mir ganz warm ums Herz! Wie wunderbar du dein Urlaubsergebnis schilderst und die schönste Form der Sprachlosigkeit beschreibst. Da bekomme ich direkt Lust, meine Koffer zu packen und freue mich umso mehr auf meine nächsten, anstehenden Reisen. Wer reist nicht gerne, wenn er dabei solche Köstlichkeiten entdeckt?
    Ganz liebe Grüße aus Berlin!
    Theresa

    • Julia
      5. Februar 2016 at 16:54

      Liebe Theresa,
      eigentlich sind das doch die schönsten Souvenirs, oder? Wer braucht schon Nippes im Regal, wenn ein Salat einen im Handumdrehen zurück zu schönsten Erinnerungen bringt…
      Viele liebe Grüße!
      Julia

  5. Dani
    3. Februar 2016 at 12:07

    Liebe Julia, unverhofft kommt oft, oder? Schön, so kulinarische Zufälle, die hängen bleiben. Die Kombi aus süß, bitter und sauer hört sich aber auch toll an!
    Liebe Grüße <3

    • Julia
      5. Februar 2016 at 16:15

      Ja, das stimmt, liebe Dani! Ich freu mich, dass Dir der Salat gefällt, leider mögen ja viel zu Wenige das Bittere, dabei ist das so gesund…
      Liebe Grüße!
      Julia

  6. Julia
    3. Februar 2016 at 18:08

    Wirklich eine tolle Geschmackskombination, die alle Geschmackssensoren auf Hochbetrieb bringt!

    • Julia
      5. Februar 2016 at 16:52

      Danke, liebe Julia! Das trifft es wohl :)

  7. Nadine
    9. Februar 2016 at 11:27

    mmmmh, köstlich. Davon jetzt eine große Portion, das wär’s ♥

  8. Ylva
    21. Februar 2016 at 12:12

    Mhhh… diese Kombination, liebe Julia! Bunt, süß, bitter, sauer… und dann noch mein heiß geliebter Blauschimmelkäse. Lecker! So macht der Winter doch Spaß! <3
    Ich drück Dich!
    Ylva

    • Julia
      29. Februar 2016 at 09:59

      Ich wusste gar nicht, dass Du so ein Fan der „Bleus“ bist, liebe Ylva! Bei mir ist das eher ein sanftes Rantasten, der Geschmack kann mich manchmal überwältigen, also nicht positiv, Du verstehst… Aber mit dem Fourme d’Ambert habe ich meinen Käse gefunden :)
      Liebe Grüße!
      Julia

      • Ylva
        29. Februar 2016 at 18:49

        Hihi. Ja, ich mag das, wenn der Käse so richtig ordentlich zuschlägt, wobei die Blauschimmels ja wirklich ganz schön grenzwertig sein können. ;)
        Fourme d’Ambert habe ich jedenfalls bisher noch nie bewusst gegessen (glaube ich…). Muss ich mal probieren.

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