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Bohnen-Tomaten-Suppe | chestnutandsage.de

Je kälter, desto schärfer. Da sind sich alle einig. Da uns die Natur gerade aber noch mit angenehmen Temperaturen beschenkt, ist jetzt die Zeit gekommen uns für das zu wappnen was uns meteorologisch bevor steht: Kälte, Nebelschwaden, Nieselregen. Denn der Herbst ist da und mit ihm das seltsame Verlangen die Heizung aufzudrehen, den Netflix-Account zu reaktivieren und so viel Suppe wie nur möglich zu löffeln. Und genau für diese Tage brauche ich etwas, das ich nur aus dem Vorratsschrank nehmen und aufkochen muss, denn – so wie die Lebensfreude in der dunklen Jahreszeit nachlässt – schwindet an manchen Tagen auch die Freude, irgendetwas selbst zu kochen. Selbstverständlich habe ich die Schränke schon wieder voll von Gläsern mit Tomatensoße, Kirschtomaten, Gurken und Sataraš. Aber all diese Gläser erfordern noch zu viele Handgriffen um an einem faulen Abend den Magen gefüllt zu bekommen. Deshalb erweitere ich den Vorrat dieses Jahr um ein (fast) vollkommen fertiges Gericht, dass nicht nur satt macht, sondern Dank seiner Aromen und Schärfe die Lebensgeister revitalisiert: Lablabi, eine nordafrikanischen Suppe mit weißen Bohnen, Tomaten, Harissa und – auch wenn sie nicht mit eingekocht werden – pochierten Eiern. Eine Suppe, die mit der Kälte versöhnt, Trost spendet und den Herbst (vom Winter mag ich noch gar nicht sprechen!) gar nicht so übel aussehen lässt. Weiterlesen…

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Feigensalat | chestnutandsage.de

Sie springt. Sie springt und das Wasser umschließt sie. Kleine Bläschen steigen an ihren Beinen hinauf, Kribbeln auf ihrer Haut und lassen sie wie ein Korken an die Oberfläche ploppen. So klein ist sie, so leicht. Wie bei einer kleine Seespinne schlagen ihre Arme und Beine um sie. Sie prustet, schnappt nach Luft, als wären ihre Lungen verwundert doch noch des Atmens fähig zu sein. Ihr Bruder hätte nie gedacht, dass sie sich das traut. Den Sprung vom Felsen in das Wasser, das von hier oben wie eine schwarze Spiegelfläche aussieht. Er, der, kaum war der Fels erklommen, mit Anlauf und großem Gebrüll kopfüber ins Meer sprang. Gelacht hat er über sie, höhnisch. Lang genug hat sie sich ja auch geziert, dort oben, auf dem Fels, wo sich bereits eine lange Schlange Badender gebildet hatte, die von den umliegenden Booten hergeschwommen waren und schon ungeduldig darauf warteten selber ins Meer springen zu können. Und jedes Mal, wenn sie schon Anlauf genommen hatte, hatte sie doch wieder abgebremst, sich nochmals versichert, nicht den Boden berühren zu können, sich nochmals versichert, dass es überhaupt einen Meeresgrund gäbe und sie nicht in ein bodenloses Nichts springen würde, dass sie umschlingt, herabzieht, ertrinken lassen würde. Als feig hat er sie beschimpft, sie, die jüngste der drei Geschwister. Und so sprang sie, als schon keiner mehr damit rechnete sie überhaupt von diesem Felsen herunter zu bekommen. Still, ohne spitzen Schrei, als hätte sie ihr eigener, plötzlich aufwallender Mut selbst überrascht und sprachlos gemacht. Wir dagegen, die Reihe derer die auf ihren eigenen Sprung warten, jubeln dafür umso mehr, bejubeln ein kleines Mädchen, dass sich getraut hat vor was es uns noch graut. Wir klatschen, wir johlen. Und hoffen, dass der kleine, gemeine Bruder alsbald das Weite suchen wird und uns nicht auch als das enttarnt, was wir im Grunde alle sind. Feiglinge. Weiterlesen…

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Keine Klimaanlage und kein Fernseher, nicht wahr, das hat Boris dir bereits vor der Anreise gesagt? Die Nachbarin schaut mich mit großen Augen an. Ja, hat er. Doch anstatt mich auf eine Diskussion über die Sinnlosigkeit dieser beiden technischen Errungenschaften einzulassen, lächle ich und denke mir, dass er lieber über die Sache mit der Spülmaschine hätte Bescheid geben können. Wo ich gerade im Urlaub gerne auf vieles Verzichten (zeigt es doch, in welchem Überfluss man lebt) gibt es Dinge, die ich unbedingt brauche um Ruhe, Entspannung und Wohlbefinden zu entwickeln. Bücher zum Beispiel, die brauche ich auf jeden Fall. Gerne auch Hörbücher. Und auch das Meer steht nicht zur Verhandlung. Gutes Essen, selbstverständlich, aber darüber brauche ich eigentlich gar nicht zu sprechen. Und bisher dachte ich auch, dass ich eben auf die Annehmlichkeit, die eine Spülmaschine mit sich bringt auch nur ungern verzichten würde. Doch das Haus wäre ein anderes, würde durch die Stille hindurch das Gurgeln und Glucksen, das Sprudeln und Summen eines solchen Geräts dröhnen. Und so entscheide ich mich zufrieden zu sein und in der kommende Zeit mit minimaler Ausrüstung das Maximum der kulinarischen Ferienküche zu erzielen. Denn wer möchte schon seinen Urlaub mit dem Abwasch verbringen?
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Novigrad | chestnutandsage.de
Das Haus befindet sich gleich am zweiten Zebrastreifen, hinter dem Supermarkt, der nur eine Flasche Campari im angestaubten Regal über der Kasse, neben dem Nutella, stehen hat. Aber die habe vorgestern jemand gekauft. Vermutlich ein Fremder, denn hier, so sagen es mir die Augen der Verkäuferin, trinke man dieses Zeug auf gar keinen Fall. Sprudel kaufe ich trotzdem, und Kaffeefilter. Das Nutella lasse ich zurück und trete wieder auf die Straße, auf der sich nicht nur der zweite, sondern auch der dritte und der vierte Zebrastreifen des Ortes befinden. Danach kommt nur noch das Hotel und der Strand, an dem sich die Freundschaft der europäischen Mitgliedsstaaten an der Stimmung der Jugendlichen messen lassen könnte, die mit den Irrungen und Wirrungen der aufkeimenden Körperlichkeit ihre Kämpfe auf dem großen Holzfloß ausfechten, von dem sie die Kleineren, die ihre auf die Badehosen genähten Seepferdchen noch voller Stolz tragen, in das glasklare, smaragdgrüne Meer stoßen. Weiterlesen…

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Triest | Abendspaziergang | chestnutandsage.de

Es  is so hoaß, mit san schon ganz latschert, jammert die Wienerin in ihr Handy, während er, der Wiener, sein Cornetto erst mit Butter und dann mit Nutella bestreicht. Dabei sei Triest doch wie Wien, nur halt anders, am Meer, das sei so, wie man auf einmal überall bekannte Gesichter erkenne, wo man doch wisse, dass niemand Vertrautes anzutreffen ist, sie fliegen einem einfach zu und dann denkt man auf einmal, man sei in Wien obwohl man auf die Adria und nicht auf die Donau blickt. Dabei bin ich froh nicht unter dem Praterstern zu sitzen, sondern unter der Markise von Harry’s Bar, denn Wien und ich sind noch nie miteinander warm geworden. In Triest hingegen, wo mir der Schweiß den Rücken herunter strömt, da war es Liebe auf den ersten Blick, a Match, einmal nach rechts geswiped und dann für immer in Love gewesen. Vielleicht haben sich die Wienerin und der Wiener ja auch so kennengelernt, über einen Algorithmus auf der Suche nach zweien, deren Begeisterung für Streichfett und Nussnougatcreme sie für ein gemeinsames Leben qualifiziert. Denn nur das richtige Verhältnis von Fett zu Zucker kann auf Dauer glücklich machen, haben Forscher an Versuchen mit Käsekuchen und Ratten herausgefunden. Dabei ist es für Käsekuchen, und da gebe ich der Wienerin recht, zu heiß, weshalb ich mich aufmache um den Tag so lange im Bagno zu verbringen, bis die Sonne, die sich hier, über dem Piazza dell’Unità d’Italia besonders wohl zu fühlen scheint, erbarmt, sich auf eine Liason mit dem Meeresrauschen einzulassen um die Straßen und Gassen mit gnädigem Schatten zu beschenken und uns Triest als die Schöne, die sie ist, begreifen zu lassen und nicht als den Anfang alles Schrecklichen, den es gerade noch zu ertragen gilt.  Weiterlesen…

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Jana Jedinak | unsplash.com
Fotografin:Jana Jedinak

Jeden Juli trage ich, seit vielen Jahre schon, ein dünnes Nervenkostüm, das mich gleichermaßen wärmt und frösteln lässt. Was ja ganz gut zu diesem Sommer passt. Um mich für den Rest des Jahres zu wappnen, verabschiede ich mich deshalb für eine längere Weile in den Urlaub und hinterlasse Euch Lesestoff und das, was mir diesen Juli besonders gut gefallen hat:

Hier wird es die kommenden Wochen etwas ruhiger, die Seele, die Gedanken wollen erstmal gelüftet werden!
Habt einen schönen Sommer,
Julia

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