Novigrad | chestnutandsage.de
Das Haus befindet sich gleich am zweiten Zebrastreifen, hinter dem Supermarkt, der nur eine Flasche Campari im angestaubten Regal über der Kasse, neben dem Nutella, stehen hat. Aber die habe vorgestern jemand gekauft. Vermutlich ein Fremder, denn hier, so sagen es mir die Augen der Verkäuferin, trinke man dieses Zeug auf gar keinen Fall. Sprudel kaufe ich trotzdem, und Kaffeefilter. Das Nutella lasse ich zurück und trete wieder auf die Straße, auf der sich nicht nur der zweite, sondern auch der dritte und der vierte Zebrastreifen des Ortes befinden. Danach kommt nur noch das Hotel und der Strand, an dem sich die Freundschaft der europäischen Mitgliedsstaaten an der Stimmung der Jugendlichen messen lassen könnte, die mit den Irrungen und Wirrungen der aufkeimenden Körperlichkeit ihre Kämpfe auf dem großen Holzfloß ausfechten, von dem sie die Kleineren, die ihre auf die Badehosen genähten Seepferdchen noch voller Stolz tragen, in das glasklare, smaragdgrüne Meer stoßen. Weiterlesen…

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Triest | Abendspaziergang | chestnutandsage.de

Es  is so hoaß, mit san schon ganz latschert, jammert die Wienerin in ihr Handy, während er, der Wiener, sein Cornetto erst mit Butter und dann mit Nutella bestreicht. Dabei sei Triest doch wie Wien, nur halt anders, am Meer, das sei so, wie man auf einmal überall bekannte Gesichter erkenne, wo man doch wisse, dass niemand Vertrautes anzutreffen ist, sie fliegen einem einfach zu und dann denkt man auf einmal, man sei in Wien obwohl man auf die Adria und nicht auf die Donau blickt. Dabei bin ich froh nicht unter dem Praterstern zu sitzen, sondern unter der Markise von Harry’s Bar, denn Wien und ich sind noch nie miteinander warm geworden. In Triest hingegen, wo mir der Schweiß den Rücken herunter strömt, da war es Liebe auf den ersten Blick, a Match, einmal nach rechts geswiped und dann für immer in Love gewesen. Vielleicht haben sich die Wienerin und der Wiener ja auch so kennengelernt, über einen Algorithmus auf der Suche nach zweien, deren Begeisterung für Streichfett und Nussnougatcreme sie für ein gemeinsames Leben qualifiziert. Denn nur das richtige Verhältnis von Fett zu Zucker kann auf Dauer glücklich machen, haben Forscher an Versuchen mit Käsekuchen und Ratten herausgefunden. Dabei ist es für Käsekuchen, und da gebe ich der Wienerin recht, zu heiß, weshalb ich mich aufmache um den Tag so lange im Bagno zu verbringen, bis die Sonne, die sich hier, über dem Piazza dell’Unità d’Italia besonders wohl zu fühlen scheint, erbarmt, sich auf eine Liason mit dem Meeresrauschen einzulassen um die Straßen und Gassen mit gnädigem Schatten zu beschenken und uns Triest als die Schöne, die sie ist, begreifen zu lassen und nicht als den Anfang alles Schrecklichen, den es gerade noch zu ertragen gilt.  Weiterlesen…

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Jana Jedinak | unsplash.com
Fotografin:Jana Jedinak

Jeden Juli trage ich, seit vielen Jahre schon, ein dünnes Nervenkostüm, das mich gleichermaßen wärmt und frösteln lässt. Was ja ganz gut zu diesem Sommer passt. Um mich für den Rest des Jahres zu wappnen, verabschiede ich mich deshalb für eine längere Weile in den Urlaub und hinterlasse Euch Lesestoff und das, was mir diesen Juli besonders gut gefallen hat:

Hier wird es die kommenden Wochen etwas ruhiger, die Seele, die Gedanken wollen erstmal gelüftet werden!
Habt einen schönen Sommer,
Julia

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Jason Blackeye | unsplash.com | Bees
Fotograf: Jason Blackeye

Die Lindenblüte neigt sich dem Ende und mit ihr das Bienenjahr. Die Sommerbienen, denen nur ein kurzes Leben gegönnt ist, ziehen die Winterbienen groß und beenden ihr Dasein, auf dass es ihren Schwestern, die den ganzen Winter überleben, gut gehen möge. Eine kurze Zeit hatten wir jetzt miteinander, meine Bienen zogen ja erst Anfang Mai bei mir ein. Aufregend waren diese Wochen allemal – vom hektischen Einschlagen in die Beute bis hin zu den ersten Waben, voll mit Pollen und Stiften, ging es dann aber doch recht schnell weiter. 21 Tage später war die erste Brut geschlüpft und das Volk wuchs und wuchs. Ein schönes und gleichermaßen beängstigendes Gefühl, in eine solche Beute zu blicken, die mit ihrem unvergleichlichen Stockduft und ihrem tiefen Summen betört. Jetzt nimmt das Volk schon wieder ab, ich bereite die erste Varroabehandlung vor und hoffe, dass ich das Volk gut durch den Winter bringe. Seit drei Monaten wohnen sie also bei mir, die Bienen. Was habe ich seitdem gelernt? Weiterlesen…

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Glasnudelsalat | chestnutandsage.de

Während Andere sich im Allgemeinen und Speziellen über den Sommer beschweren, nutze ich die Hitze meiner Wohnung als Inkubator meines besten Selbst. Was mir im Winter nicht gelingen mag, 30°C im Schatten machen es möglich: ein Herunterkommen, ein Abschalten, ein Eins-Werden mit der Langsamkeit dessen, was Ihr, die Sommermuffel, als lähmende Hitze verunglimpft. Die Gleichgültigkeit rinnt mir in diesen Wochen wie Schweiss den Rücken hinab, brennt sich mit jedem Sonnenstrahl, der meine Haut trifft, tiefer in meine Seele. Wie ein Phoenix nutze ich jeden Sonnenbrand um aus der Asche meines angesammelten Unmuts als baldiger Urlaubsmensch aufzuerstehen. Da es bis zur ersehnten Freiheit allerdings noch ein paar Tage hin ist, begnüge ich mich (als Einstimmung sozusagen) mit der besten Urlaubsessensoption, die zurzeit neben Wassermelone besteht: Glasnudelsalat. Kalt, mit viel Gemüse, Kräutern und asiatischen Aromen angehaucht, macht dieses Gericht auch aus den schlimmsten Winterfreunden – wenn auch keine Sonnenanbeter – doch zumindest zufriedene Schattensitzer. Weiterlesen…

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Zucchini Onion Skewer | chestnutandsage,de

Der Sommer vorm Balkon riecht 2017 nach frisch gemähtem Rasen und von Grillanzünder geschwängerter Holzkohle. Während der erste Duft  mit einer kaum auszuhaltenden akustischen Belästigung einhergeht erwächst der letztere aus der Kakafonie klirrender Bierflaschen, Feierabendgesprächen und dem wohligen Bewusstsein, sich der archaischten aller Abendessen-Zubereitungsarten zu widmen, dem Grillen. Welch Natürlichkeit! Welch Herrlichkeit! Welch undenkliche Möglichkeit, jede noch so traurige Tofuwurst zum Trägermaterial für überwürzte, überzuckerte Grillsoßen zu degradieren! Dabei kann vegetarisches Grillen eine wahre Freude sein, wächst uns das frische Gemüse zurzeit doch geradewegs in den Mund. Um in Zukunft also einen großen Bogen um abgepacktes veganes und vegetarisches Grillgut machen zu können, dessen Zutatenlisten meist so unverständlich wie ungesund sind, möchte ich euch heute ein paar Möglichkeiten vorstellen, wie ihr Vegetariern beim Anblick glühender Kohlen ein Lächeln ins Gesicht zaubert und jeden Karnivoren begierig auf das schielen lasst, was sonst nur als traurige Sättigungsbeilage betrachtet wird. Weiterlesen…

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