Für den Vorratsschrank: Salzgurken

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Salzgurken | chestnutandsage.de

Ich habe mich gewogen. Das war ein Fehler. Denn seitdem dreht sich alles, was ich tue um diese eine Zahl, die sich eines frühes Morgens anstellte, mir den Tag zu verderben. Was eigentlich kurios ist, nicht wahr? Wie kann es sein, dass eine Zahl, so nichts sagend, dazu führt, dass man sich schlecht fühlt? Dabei habe ich dazu keinen Grund, ich sollte meinen Körper doch eigentlich genau so, wie er ist, gut finden. Kann ich aber nicht. Wegen einer Zahl, die mein komplettes Körperbild in Frage stellt. Eigentlich gefiel ich mir ganz gut, aber jetzt zweifle ich, ob das noch so ist. Als ob Frauen nur dazu da wären – ja, wem eigentlich genau? – zu gefallen. Das Streben nach der von einer männlichen Sichtweise dominierten Perfektion, sagt Alain de Botton (nicht ganz so, aber ähnlich) in der SZ, sei eine Neurose unseres Zeitalters. Das mache uns intolerant und wütend, wenn man selber nicht so sei, wie man(n) sich das wünsche. Ich ärgere mich also über mich selbst. Dass mich eine Zahl so aus dem Takt bringt. Dass ich gefallen möchte. Dass ich Menschen nicht wie die wunderschönen Gurken, die ebenso unterschiedliche Formen wie Frauen haben, wertschätze, bewundere. Als genau richtig erachte. Und sie – Fermentation sei Dank – auf ursprüngliche Weise für den Vorratsschrank konserviere. Auf dass sie mich daran erinnern, was wirklich wichtig ist: so zu sein, wie man ist.

Für 2 Kilo Salzgurken braucht Ihr:

  • 2 Kg Einmachgurken
  • 2 Liter Wasser
  • 110 g Salz
  • 4 Stängel Dill
  • 3 cm frischer Meerrettich, in feine Scheiben geschnitten
  • 12 Sauerkirschblätter oder Johannisbeerblätter (optional)

Wascht die Gurken und reinigt sie mit einer Gemüsebürste. Löst das Salz im Wasser auf.
Schichtet Gurken, Dill, Meerrettich und Sauerkirschblätter in einen großen Behälter, ich habe einen großen Steintopf. Übergießt alles mit der Salzlake. Beschwert die Gurken, sodass sie vollständig von der Salzlake bedeckt sind. Ich verwende dafür eine kleine Untertasse.
Lasst die Gurken 7 Tage bei Zimmertemperatur stehen. Die Salzlake wird ihre Arbeit tun und kräftig Blasen bilden. Die Gurken werden ihre schöne, leuchtende Farbe verlieren, das typische Saure-Gurken-Grün annehmen und etwas transluzent werden. Verteilt die Gurken nach 7 Tagen in Gläser, die ihr mit der Salzlake auffüllt. Lagert die Gurken entweder im kalten Keller oder im Kühlschrank. So aufbewahrt halten sich die Gurken viele Monate.

Ihr Lieben: Habt eine schöne Woche und macht kaputt, was Euch kaputt macht. Bei mir ist das die Personenwaage.
Julia

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16 comments on “Für den Vorratsschrank: Salzgurken

  1. Ye Olde Kitchen
    30. August 2016 at 08:01

    Ja warum ist das eigentlich so? Dass ich gefallen möchte, stößt mir momentan immer wieder sauer auf. Ich dachte immer, ich wäre so cool und würde mir daraus nichts machen. Dann schon lieber voll dagegen und auf gar keinen Fall gefallen wollen. Aber nein, ich erwische mich des öfteren dabei, wie ich mich und mein Weltbild hinterfrage.
    So lange man die Kurve kriegt, sich ein paar Gläser Gurken einlegt und etwas kaputt macht, ist man auf einem guten Weg. Auf dem ganz eigenen Weg, der in erster Linie einem selbst gefallen muss.
    Liebe Julia, ich hoffe du hast die Personenwaage wirklich kaputt gemacht oder wenigstens ganz hinten im Schrank verstaut. Du bist wunderbar und inspirierend!

    • Julia
      1. September 2016 at 20:59

      Ach Du Liebe <3 Wir sollten uns treffen und gemeinsam etwas kaputt machen :) Ich danke Dir auf jeden Fall sehr für Deine Nachricht!
      Julia

  2. Julia
    30. August 2016 at 08:43

    Seit Wochen schleiche ich auf dem Markt um diese kleinen Gürkchen herum und grüble, ob ich welche einmachen soll :D
    Sich vom gängigen Schönheitsideal frei machen? Ein hehres Ziel, aber, wie ich auch finde, gar nicht so einfach. Am Propagieren eines bestimmten Vor-bildes sind aber meiner Ansicht nach nicht in erster Linie die Männer schuld. Das schaffen wir Frauen selbst ganz gut allein ;) Man werfe nur mal einen Blick in Frauenzeitschriften…

    • Julia
      1. September 2016 at 20:57

      Ich fand diesen Gedanken hier ganz gut: „A woman lives her body as seen by another, by an anonymous patriarchal other.“ Weiblichkeit ist nicht etwas, was Frauen selbst definieren, sondern sie wird durch eine männerdominierte Ordnung bestimmt – sagt Franziska Schutzbach hier: https://franziskaschutzbach.wordpress.com/2016/08/14/notizen-ueber-bulimie/
      Und bei den Gurken auf jeden Fall zugreifen :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  3. Ineke
    30. August 2016 at 10:33

    Hach, dieser Text spricht mir so aus der Seele. Sich nicht von all diesen gesellschaftlichen Schönheitsidealen zu beeinflussen lassen ist einfacher als gesagt, wenn man schon seit der Pubertät anfängt sich auf seine „Problemzonen“ zu konzentrieren. Dabei gibt es doch eigentlich so viel wichtigeres im Leben als 300 g mehr oder weniger auf der Waage. In diesem Sinne, auf die Gurken, auf die Vielfalt, auf den Untergang der Personenwaage!

    • Julia
      1. September 2016 at 20:47

      Liebe Ineke, während meines letzten Flugs saßen zwei kleine Mädchen neben mir, 7 und 11 Jahre alt. Als es dann die Snacks gab (Marmorkuchen), sagte das größere Mädchen, dass sie ihren Kuchen nicht essen könne, weil sie keinen Sport gemacht hätte, und nur wenn man Sport mache, dürfe man auch Kuchen essen. Ich hätte heulen können. Wer soll denn so zu einem unbeschwerten Umgang mit seinem Körper kommen? Deshalb propagiere ich wie Du den Untergang der Personenwaage und werde auch die nächsten 10 Jahre wieder einen großen Bogen um sie herum machen :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. Britta
    30. August 2016 at 20:35

    Viel aussagekräftiger als Waage finde ich die Klamotten ;-)
    Aber soo schlimm finde ich es nicht, immer mal wieder ein bisschen darauf zu achten, dass es nicht zu viel wird. Es geht ja nicht nur darum, einem Schönheitsideal zu entsprechen, sondern erstens sich selbst wohlzufühlen und viele Kilos zu viel bringen schon einige Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit bzw. Leichtigkeit mit sich.
    Ich hab auch ein paar wenige Kilos zuviel, es hält sich im Rahmen, aber beim Sport oder beim Yoga stören sie mich manchmal :D

    Und die Gurkenfotos finde ich übrigens besonders hübsch <3

    • Julia
      1. September 2016 at 20:42

      Meine Yoga-Lehrerin hat immer gesagt, dass zu viel Kilos bei vielen Yoga-Übungen viel besser seien, zum Beispiel beim Boot. Für die ideale Yoga-Figur riet sie zu reichlich Kuchen, deshalb mag ich Yoga ja auch so gerne ;)
      Liebe Grüße <3
      Julia

  5. Sabine
    30. August 2016 at 22:46

    Ach ja, die Waage und das Körperselbstbild und die Körperideale … ein unendliches Thema, vermutlich für fast jede(n). Ich empfehle übrigens sehr das Buch von Susann Sitzler, „Bauchgefühle. Mein Körper und sein wahres Gewicht“.
    Und zu den Gurken: Meine Salzgurken vom letzten Jahr sind, obwohl im Kühlschrank gelagert, nach ein paar Monaten unangenehm weich geworden. Der Geschmack war zwar immer noch okay, schlecht waren sie also nicht, aber das Mundgefühl war eher … matschig. Hast Du Erfahrung damit, wie sie nach Deinem Rezept werden, wenn man sie länger lagert?

    • Julia
      1. September 2016 at 08:29

      Liebe Sabine,
      das Buch ist notiert, vielen Dank!
      Ehrlich gesagt habe ich mit zu weichen Gurken noch keine Erfahrung gesammelt, was vielleicht auch daran lag, dass ich letztes Jahr nur ein Kilo zubereitet hatte, das zu schnell aufgegessen war. Dieses Jahr habe ich mehr und kann mal beobachten, wie sie sich verhalten :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  6. Sandy
    31. August 2016 at 13:57

    An sich ist an dem Gefallenwollen aus meiner Sicht nichts Schlechtes zu finden, so lange an erster Stelle das Sich-Selbst-Gefallen steht, im allerpositivsten Sinn. Ich meine damit einen wirklichen Bezug zu sich selbst, sich selbst spüren, im Körper, mit den eigenen Emotionen, auch mit denen, die man nicht so gern hat und die oft ein wohlwollendes Selbstbild verhindern. Ich finde das sehr normal und total gut. Ich gefalle zum Beispiel auch gern meinem Mann, ohne dass ich mich unter Druck gesetzt fühle – und wenn, kommt der Druck ja auch von mir und gar nicht von ihm. Auch ein angemessenes Gefühl, anderen zu gefallen, auch wieder positiv gemeint, ist für mich eher Ausdruck von Verbindung aufbauen – also Gemeinsamkeiten finden, gleiche Ansichten u.Ä., in Kontakt gehen.
    Ich habe für mich festgestellt, dass umso mehr ich einem äußeren Ideal entsprechen will, umso stärker verliere ich die Verbindung zu mir. Mein Körper hat aus den verschiedensten Gründen in den letzten Jahren auch „Reserven“ angelegt. Und irgendwie fühlten die sich auch nicht so passend an. Mir gelingt es überhaupt nicht, Diäten zu machen, weil ich beim Essen und Trinken ein Hedonist bin. Und ehrlich, erst durch meinen Arbeit bin ich auf ein buch gestoßen, dass all meinen Gedanken und Annahmen voll auf den Punkt gebracht hat und eine totale Abkehr von dem ganzen Gewichtsgedöns befördert hat. Marc David schreibt in The slow down Diet nicht über Ernährungspläne sondern darüber, wie wir unsere Besessenheit von Anzeigen auf elektronischen Geräten loswerden, wieder in Resonanz zu uns selbst, unserem Körper und den Bedürfnissen gehen – für mich sehr stimmig und unterstützend.
    So, und nun noch zu den Gurken – Eingelegtes im Allgemeinen und im Speziellen Salzgurken, sind immer im Kühlschrank. Ich liebe Salziges :-) Die Fermentation beschäftigt mich ja auch schon einen Weile, auch weil der Liebste dadurch Gemüse essen kann, dass ihm sonst mit einigen Allergien immer verwehrt blieb.

    Herzliche Grüße

    • Julia
      1. September 2016 at 08:24

      Liebe Sandy,
      tausend Dank für Deine Nachricht, Du bringst genau das auf den Punkt, was ich in meinem Post verschwurbelt beschrieben habe: Ich möchte mich nicht dem Diktat einer Waage unterwerfen sondern eben „wieder in Resonanz zu mir selbst, meinem Körper und meinen Bedürfnissen“ finden. Mir geht es eben nicht darum, wie viel ich wiege, sondern ob ich mich gut fühle, mich gut finde. Und das tue ich ja normalerweise, aber (und deshalb auch der Post) ich habe mich seit über 10 Jahren das erste Mal wieder auf eine Waage gestellt und bin jetzt eben über mich selber schockiert, was das mit mir anstellt – ganz unabhängig von der Zahl, die da angezeigt wurde.
      Viele liebe Grüße und nochmals – DANKE <3
      Julia

  7. Annalena
    1. September 2016 at 01:18

    Gerade Lust dazu bekommen ein paar Essiggurken zu essen – bin ich schwanger? Mach dir keine Sorgen wegen dem Gewicht. Das wird doch immer und überall überbewertet. Hauptsache du fühlst dich wohl und auf ein oder zwei Kilo mehr oder weniger kommt es doch nicht an, oder? Die sind auch schnell mal wieder unten. Dafür sind die vielen Rezepte, welche du hier schon gepostet hast viel zu lecker. Mach weiter so, viele Grüße Annalena

    • Julia
      1. September 2016 at 08:27

      Liebe Annalena, so lange Du sie nicht auf ein Nutellabrot legst …
      Mir geht es nicht um 1, 2, 10 Kilo zu viel oder zu wenig, sondern nur grundsätzlich darum, was das wiegen mit mir angestellt hat. Es ist so, wie Sandy das beschrieben hat, dass es egal ist, was die Anzeige sagt, solange man ein Gefühl für sich selbst und seine Bedürfnisse hat.
      Liebe Grüße!
      Julia

  8. Karin
    2. September 2016 at 09:30

    Heute früh habe ich mich auch gewogen – der Frust war danach auch bei mir relativ groß. :-(
    Aber ich arbeite daran, mich selbst als Gurke zu sehen! Zumindest sind Gurken – auch eingelegte – kalorienarm, machen also schlank. Noch dazu sind sie sehr lecker!
    Hab nen schönen Tag – trotz der doofen Waage! :-)

    LG Karin

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