Die Bienen und ich.

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Fotograf: Jason Blackeye

Die Lindenblüte neigt sich dem Ende und mit ihr das Bienenjahr. Die Sommerbienen, denen nur ein kurzes Leben gegönnt ist, ziehen die Winterbienen groß und beenden ihr Dasein, auf dass es ihren Schwestern, die den ganzen Winter überleben, gut gehen möge. Eine kurze Zeit hatten wir jetzt miteinander, meine Bienen zogen ja erst Anfang Mai bei mir ein. Aufregend waren diese Wochen allemal – vom hektischen Einschlagen in die Beute bis hin zu den ersten Waben, voll mit Pollen und Stiften, ging es dann aber doch recht schnell weiter. 21 Tage später war die erste Brut geschlüpft und das Volk wuchs und wuchs. Ein schönes und gleichermaßen beängstigendes Gefühl, in eine solche Beute zu blicken, die mit ihrem unvergleichlichen Stockduft und ihrem tiefen Summen betört. Jetzt nimmt das Volk schon wieder ab, ich bereite die erste Varroabehandlung vor und hoffe, dass ich das Volk gut durch den Winter bringe. Seit drei Monaten wohnen sie also bei mir, die Bienen. Was habe ich seitdem gelernt?

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Fotografin: Annie Spratt

Imkern ist ein handfestes Hobby. Und ich bin zu zimperlich. Schon alleine das Wort „Einschlagen“ impliziert, dass man die Bienen mit einem kräftigen Stoß in die Beute befördert. Gut Zureden und Bitten hilft dabei wenig. Auch, dass nicht jedes Bienenindividuum zählt, ist schwerlich zu akzeptieren. Denn  jede Arbeitsbiene ist wichtig, auch jede Drohne hat ihre Berechtigung. Und doch schmerzt jedes aus Versehen zerquetschte Bienchen. (Von der Angst, die Königin bei jeder Inspektion der Beute zu töten, mag ich gar nicht erst sprechen…).

Imkern kann schmerzen. Ein Stich ist ein Stich ist ein Stich. Der Arm schwillt an. Der Finger dagegen nicht. Der Stich in den Kopf juckt am wenigsten, dafür schwellen alle Lymphknoten an. Unangenehm ist ein Stich in jedem Falle, aber – auch das weiß ich erst jetzt – allergisch reagiere ich nicht darauf.

Imkern ist ein teures Hobby. Nicht nur die Beute und die Rähmchen kosten Geld, sondern auch die Bienen selber. Außerdem gibt es eine Menge an Dingen, die man besitzen sollte um wohlbehütet durch das Bienenjahr zu kommen: Handschuhe, Stockmeisel, Smoker, Verdunster, Milchsäure, Ameisensäure, Wachs, und so vieles mehr.

Imkern ist was für Bastler. Hier fehlt eine Leiste, dort eine Möglichkeit, das Werkzeug abzulegen. Und eine Zarge für die Varroabehandlung bräuchte ich auch noch. Macht Euch deshalb darauf gefasst, gute Kunden des örtlichen Baumarkts zu werden, denn ansonsten kann die ganze Sache noch teurer werden.

Imkern ist ein soziales Hobby. Ihr möchtet ein Hobby, in dem ihr wenig mit Menschen zu tun habt (=bloggen), dafür umso mehr mit der Natur und Tieren? Dann überlegt euch das mit dem Imkern. Seitdem ich damit begonnen habe, habe ich so viele Menschen kennengelernt, dass ich über meine verloren geglaubte Kontaktfreude staune. Aber alleine vor der Beute stehen und nicht zu wissen, was man da eigentlich sieht, oder tun sollte, obwohl man doch so viel Literatur gelesen hat, ist ein nicht so schönes Gefühl. Besonders dann nicht, wenn das oberste Ziel ist, die Tiere nicht verenden lassen zu wollen. Sich mit anderen ImkerInnen auszutauschen, ist deshalb (vor allem zu Beginn) unerlässlich.

Imkern ist eine Glaubenssache. So scheint es mir zumindest, denn unvereinbare Glaubensgrundsätze stehen sich gegenüber – das imkergemäße Imkern und das bienengemäße Imkern. Die Debatten beginnen bei der Frage nach der Beute – Einraum oder Magazin? Wo das eine des Teufels ist das andere des Himmels. Oder ob ein Absperrgitter ein grausames Werkzeug ist oder zu einem qualitativ hochwertigeren Honig führt. Oder ob man die Bienen schwärmen lassen, lieber einen Schwarm vorweg nehmen oder den Schwarmtrieb komplett unterbinden sollte. Mir ein eigenes Bild zu machen, Erfahrungen zu sammeln und Vor- und Nachteile abzuwägen, das steht mir jetzt bevor.

Annie Spratt | unsplash.com | Bees
Fotografin: Annie Spratt

Welche Bücher kann ich empfehlen?

Bienen“ von Piotr Socha. Ein wunderbar illustriertes Buch für große und kleine Bieneninteressierte. Und obwohl es sich hier um ein Kinderbuch handelt, kann ich es kaum aus der Hand legen, so begeistert bin ich von Piotr Sochas Arbeit. Die detailverliebten Illustrationen werden von allerhand Wissenswertem begleitet. Kein Wunder, ist Piotr Socha Sohn eines Imkers. Und so nimmt er die Leser mit auf eine unterhaltsame Reise die von Bienenwesen und ihren Aufgaben handelt, gespickt mit historischen Daten und Fakten ist und es schafft den Bogen hin zur weltweiten Imkerei zu schlagen. Ein wunderbares Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der Spaß an Illustrationen hat und sich für Bienen interessiert.

Bienendemokratie“ von Thomas D. Seely. Eine populärwissenschaftliche Aufarbeitung der Frage welche Prozesse dazu führen, dass Honigbienen sich für eine neue Behausung entscheiden. Die jahrzehntelangen Studienarbeiten des Verhaltensforschers Thomas D. Seely, die – für meinen Geschmack – ein wenig gestrafft werden könnte, sind unterhaltsam und zeigen, wie komplex die Entscheidungsprozesse in einem Bien ablaufen. Wer sich vom Zusatz „Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können“ Erkenntnisse für den demokratischen Prozess einer Gesellschaft erhofft, wird jedoch enttäuscht, die Erkenntnisse lassen sich einfach nicht auf Menschen übertragen.

Bienengemäß Imkern“ von Günther Friedmann. Günther Friedmann ist einer der Pioniere der ökologischen Imkerei. Mit seinem Buch liefert er einen Einblick in die Welt des Wesens der Biene und bietet mir im Strudel der Informationen einen Wegweiser. Den einzigen Unterschied zwischen der obengenannten imkergemäßen und bienengemäßen Imkerei sieht er im Recht der Tiere auf körperliche Unversehrtheit, was das Schneiden der Flügel einer Königin verbietet. Kritisch betrachtet er die imkerliche Praxis und wägt die Vor- und Nachteile von Beuten, der Handhabung des Schwarmtriebs und Methoden der Varroabehandlung ab. Ein echter Segen für mich als Jungimkerin!

Die seltensten Bienen der Welt“ von Dave Goulson. Dave Goulson ist Biologe und nimmt uns in seinem Buch mit zu seinen abenteuerlichen Feldforschungen, in denen er sich auf die Suche nach den titelgebenden Tieren gibt: Hummelarten, die kurz vor dem Aussterben stehen. Ein herrlich amüsantes Buch, dass uns LeserInnen auf eine Reise von England bis Ecuador schickt und für Artensterben sensibilisiert.

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Fotografin: Annie Spratt

Irrungen und Wirrungen: Imkerkurse und Imkerpaten

Wo ich das Orientierungsseminar der Stadtbienen uneingeschränkt empfehlen kann, bin ich vom Imkerkurs des gleichen Anbieters nicht überzeugt. Denn das nötige Rüstzeug, um wirklich sinnvoll mit den Tieren zu arbeiten, das wird mir in den jeweils zweistündigen Praxisterminen nicht vermittelt. Was in meinem Fall nicht am Kursleiter liegt, Andreas ist ein leidenschaftlicher Imker, der die Defizite des Seminars sehr deutlich benennt. Vielmehr wird im Schweinsgalopp jedes Thema nur an der Oberfläche angekratzt. Hätte ich mich in den vergangenen Monaten nur auf das verlassen, was mir bei den Stadtbienen beigebracht wurde, ich hätte mir an vielen Stellen nicht zu helfen gewusst. Ich empfehle viel eher den Kontakt mit ImkerInnen vor Ort zu suchen und hier nach passenden Imkerpaten zu fahnden – vielleicht gibt es ja bei Euch eine Imkerschule, einen Imkerverein oder auch eine Mellifera-Ortsgruppe?

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Fotografin: Annie Spratt

Die Bienen und ich: A love story

Ich liebe die Arbeit mit den Bienen. Es ist ein wunderbares Hobby, das mir den Blick für meine Umgebung wieder geöffnet hat. Ich achte darauf, welche Bäume, welche Gräser und Blumen blühen und ob sie eine potentielle Trachtquelle für meine Bienen sind. Zu Beginn bin ich den Bienen hinterher um herauszufinden, wohin sie fliegen und wo sie Nektar und Pollen sammeln. Eine bescheuerte Idee, so viel kann ich verraten, denn im Sommerhimmel eine kleine Biene nicht aus den Augen zu verlieren ist, wie schon zu Beginn dieses Satzes geschrieben, bescheuert. Die eingelagerten Pollen zu analysieren ist da schon aufschlussreicher. Die Bienen entspannen mich aber auch – mal kurz zur Beute, schnellschnell, das funktioniert bei mir nicht. Bin ich aufgeregt, sind das die Tiere auch. Den Smoker anfeuern, den Schleier anziehen und alles, was ich brauche, bereitzulegen, ist die Vorbereitung, die fokussiert, die ich brauche um in Ruhe zu den Bienen zu können.
Mit dem Imkern schärft sich aber auch mein Bewusstsein dafür, welch falschen Weg wir in der Agrarpolitik gehen. Meine Bienen stehen im eher ländlichen Raum – im Gegensatz zur Stadt kann das Nahrungsangebot hier viel beschränkter sein. Wo in der Stadt noch die letzte Ritze hinter einem Fahrradständer mit Oregano bepflanzt wird, wächst (überspitzt formuliert) auf dem Land vor allem mit Pestiziden verseuchter Mais.

Annie Spratt | unsplash.com | Hortensie
Fotografin: Annie Spratt

Wie geht es weiter?

Ihr Lieben, das war ein langer Post. Aber es gab ja auch viel zu erzählen!
Wie es mit den Bienen weitergeht, wie es ihnen im Winter ergeht und was ich da so alles erlebe, werde ich hier bestimmt wieder berichten.
Habt es schön,
Julia

Photo Credit: Alle Bilder in diesem Post stammen von Annie Spratt und Jason Blackeye, via unsplash.

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7 comments on “Die Bienen und ich.

  1. brittakama
    27. Juli 2017 at 18:59

    Ohhhh <3 <3 <3 Wie toll, Julia!
    Hier bei uns im Weinbaugebiet geht es, es gibt einiges an Randstreifen etc., wo ganz viele Sommerblumen blühen. Und ich achte bei der Auswahl meiner Gartenpflanzen meistens auf sehr bienenfreundliche :)
    Ich freu mich, mehr von deinen Bienen zu lesen, und natürlich vom Honig!

    • Julia
      4. August 2017 at 09:30

      Liebe Britta, bei Euch in der Pfalz ist es halt einfach himmlisch, nicht umsonst sagt man, es sei die Toskana Deutschlands, nicht wahr ;) Honig gibt es allerdings erst nächstes Jahr, heuer war ich noch mit der Gesamtsituation überfordert…
      Liebe Grüße!
      Julia

  2. Matthias
    27. Juli 2017 at 19:19

    Hi,
    sehr schöner Artikel. Erinnert mich sehr an meine Anfänge. Ich imkere nun seit 2015 – und ich liebe meine Bienen. Mir tut es auch immer noch leid um jede einzelne Biene, die wegen mir das Zeitliche segnet ;o)

    Die Angst, bei jedem Eingriff die Königin zu erwischen geht vorüber. Die Wahrscheinlichkeit, dass dir das passiert ist wohl nicht so groß. Wie du schon sagst, muss man bei den Bienen die Ruhe bewahren und nicht zu hastig arbeiten. Dann haben die Bienen in der Regel auch genügend Zeit das Feld zu räumen, wenn von oben ein Rähmchen kommt….

    Freue mich darauf mehr von dir zu lesen.

    Gruß,
    Matthias

    P.S. Vielen Dank auch für die Buchempfehlungen. Einen Großteil davon kannte ich noch gar nicht.

    • Julia
      4. August 2017 at 09:32

      Lieber Matthias, danke für Deine Nachricht! Ich freu mich zu lesen, dass die Angst um die Königin nachlässt. Letzte Woche hab ich sie tatsächlich das erste Mal gesehen, ein wunderschöner Anblick!
      Ich hoffe, dass das eine oder das andere Buch dabei ist, dass Dich interessiert!
      Liebe Grüße
      Julia

  3. Ye Olde Kitchen
    20. August 2017 at 10:20

    Liebe Julia,
    danke für den Einblick in deine Imker-Anfänge und die tollen Buchvorschläge. Dank unserem Garten können wir nun nächstes Jahr auch mit dem Imkern beginnen und werden uns in den kalten Monaten noch intensiver mit der Materie vertraut machen. Da kommen die Buchtipps gerade recht.
    Das Fokussieren und Augen öffnen ist etwas Wunderbares und sehr Wichtiges. Wir achten ja auf unserem Balkon schon immer darauf und auch im Garten soll sich so viel Artenvielfalt wie möglich entwickeln. Wir warten gespannt auf deinen nächsten Bericht.
    Herzlichst
    Eva und Philipp

    • Julia
      23. September 2017 at 15:55

      Ihr Lieben, das finde ich ganz toll, dass ihr es auch mit den Bienen wagen wollt. Ich komme gerade von meinen und bin schon wieder mehr als ratlos. Ich hoffe also, dass ihr eine_n gute_n Imerkpat_in findet, die euch mit Rat und Tat zur Seite steht :)

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