Für den Vorratsschrank: Carciofi sott’olio

, ,

Artischocken | chestnutandsage.de

Herausgerissen werden aus seinen Gedanken, schnell Antworten formulieren, halb gar und mit schalem Geschmack – das ist nicht meins, das mag ich nicht, widme ich meine Aufmerksamkeit gerne voll und ganz einer Aufgabe. Schnelligkeit – Umstände schnell erfassen, Dinge schnell zu Ende denken – schnell, schnell, husch, husch – wie schon gesagt: das ist nicht meins. Dabei hilft doch meist, einen Schritt zurückzutreten, das Gesamte auf sich wirken zu lassen, sich eine Meinung zu bilden. Vielleicht auch eine Nacht darüber zu schlafen, zumindest einen Kaffee zu trinken und den Blick schweifen zu lassen – so viel Zeit muss sein, das gestehe ich mir zu, ja sogar Andere dürfen das manchmal. Denn was spricht dagegen überlegt zu sein? Sich auf etwas einzulassen, sich einer Aufgabe zuzuwenden und sie dann, mit angemessenem Rhythmus, zu Ende zu führen? So ist das zum Beispiel bei diesen Artischocken. Die Zubereitung zieht sich über drei Tage hin – da könnte man doch eigentlich schnell rüber in den Supermarkt und ein Gläschen der eingelegten Köstlichkeiten kaufen, was man da für Zeit sparen könnte! Nicht mit mir, jeder Handgriff bereitet mir Entspannung, jedes Stündchen Warten steigert die Vorfreude, jeder Tropfen Öl lässt das angenehme Gefühl wachsen, etwas Wunderbares zuzubereiten. Lasst Euch darauf ein, es lohnt sich!

Für etwa 5 Gläser à 250 ml braucht Ihr (nach hortuscuisine.com):

  • 2 kg Mini-Artischocken
  • 250 ml Weißweinessig
  • 250 ml Weißwein
  • 1 TL Salz
  • Saft 1 Zitrone

Tag 1 Füllt eine große Schüssel mit Wasser und gebt den Zitronensaft hinzu. Säubert die Mini-Artischocken, schneidet die Spitzen ab und entfernt die harten, äußeren Blätter. Schneidet die Stiele ab und säubert die überstehenden Reste mit einem Messer. Gebt die fertig vorbereiteten Artischocken in die Zitronen-Wasser-Schüssel. Der Zitronensaft verhindert, dass die Artischocken braun werden. Füllt den Weißwein und den Weißweinessig in einen großen Topf und kocht alles auf. Gebt dann die Artischocken dazu und kocht sie bei geschlossenem Deckel etwa 10 bis 15 Minuten, bis sie fast gar sind. Gießt die Artischocken ab. Lasst sie gut abtropfen und wickelt sie dann in ein sauberes Tuch wo sie einen Tag lang trocknen dürfen. Dieser Schritt ist notwendig um zu verhindern, dass sich später Bakterien bilden die die Artischocken im Glas schimmeln lassen.

  • 1 Liter Olivenöl
  • 1 kleines Bund Petersilie, fein gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • getrocknete Chili, nach Geschmack

Tag 2 Wickelt die Artischocken aus dem Tuch, sie dürften jetzt schön trocken sein. Spült die Gläser, die Ihr verwenden wollt, sauber und übergießt sie mit kochendem Wasser. Es empfiehlt sich übrigens, Gläser mit Schraubverschluss zu nehmen, die Vertragen den Kontakt mit dem Öl gut und schließen zuverlässig. Schüttet das Wasser wieder aus, verbrennt Euch aber die Finger nicht dabei. Schichtet die Artischocken dicht in die vorbereiteten Gläser. Gebt immer wieder ein wenig Knoblauch, Petersilie und Chili dazu. Wenn die Gläser dicht bepackt sind, füllt sie mit Olivenöl auf. Achtet darauf, dass alle Artischocken mit Öl bedeckt sind. Verschließt die Gläser leicht.

Tag 3 Prüft nach 24 Stunden ob das Öl die Artischocken immer noch bedeckt. Falls das nicht der Fall ist, gießt nochmal etwas Öl nach. Verschließt die Gläser jetzt fest und bewahrt sie dunkel und kühl auf. Die Artischocken werden sich einige Wochen, wenn nicht sogar Monate halten. Das Öl verhindert den Luftzutritt zu den Artischocken, hemmt damit das Wachstum von Bakterien, und konserviert sie.

Ihr Lieben, falls ich mich etwas unpräzise, ungeschickt ausgedrück habe, schaut doch einfach hier vorbei. Auch ohne Italienischkenntnisse werdet Ihr sehen, auf was es ankommt. Und falls Ihr doch noch Fragen habt, immer her damit!

Lasst es Euch gut gehen – arrivederci e grazie!
Julia

P.S.: Da dieses Rezept wieder rein pflanzlich ist, ist es ein weiterer Beitrag zum Tierfreitag.

Share

20 comments on “Für den Vorratsschrank: Carciofi sott’olio

  1. Kiki
    20. Juni 2014 at 10:21

    Hallo Julia, das hoert sich echt gut an. Bin auch gleich auf der Originalseite vorbei (danke fuer den Tip!) und es sieht auch gut aus.

    Wo kaufst du denn diese Mini-Artischocken? Auf dem Markt oder einem Spezialgeschaeft? Im Supermarkt ab ich die noch nie gesehen.

    • Julia
      20. Juni 2014 at 15:58

      Liebe Kiki, die kleinen Artischocken kaufe ich hier auf dem Markt. Dort finde ich neben den großen französischen Artischocken eine Vielzahl unterschiedlich kleiner Exemplare. Du kannst für die eingelegten Artischocken auch eine Nummer größer nehmen als die, die Du oben auf dem Bild siehst, dann musst Du nur ein wenig mehr vorbereiten. Ich drück Dir die Daumen bei der Suche :)
      Liebe Grüße
      Julia

  2. howbigarethesmallthings
    20. Juni 2014 at 11:00

    Es ist sehr ungewöhnlich, dass heute jemand „gesteht“, dass Schnelligkeit nicht sein Ding ist. Aber warum? Es ist ja eigentlich garnicht so schlimm, wenn etwas mal ein bisschen länger dauert… Ich lasse mich da manchmal viel zu sehr mitreissen – dein Blogeintrag hat mich daran erinnert.
    Die Frage nach den Mini Artischocken interessiert mich auch…bei uns hier gibt es meist nur eine einzige Sorte.

    Liebe Grüße
    Franzska

    • Julia
      20. Juni 2014 at 16:01

      So habe ich das ehrlich gesagt noch gar nicht gesehen, Franziska, aber vermutlich hast Du recht. Schnelligkeit zählt wohl sehr viel… und trotzdem bin ich für ein wenig mehr Langsamkeit, Entspanntheit, nicht unbedingt für Laissez-Fair, aber doch ein wenig mehr „Eins nach dem Anderen“ :) Auch Dir viel Glück bei der Suche nach den Mini-Artischocken und ein schönes Wochenende!
      Liebe Grüße!
      Julia

      • howbigarethesmallthings
        25. Juni 2014 at 13:55

        Eins nach dem Anderen gefällt mir. Übrigens waren das nicht nur leere Worte, Julia. du hast mich wirklich inspiriert. Ich habe mir bisher die ganze Woche Mühe gegeben, nicht in Hektik zu verfallen – nicht immer mit Erfolg, aber doch oft. Und siehe da: Es funktioniert, die Dinge werden trotzdem fertig und keiner ist tot umgefallen, weil er mal 5 Minuten warten musste.
        Vielen Dank und liebe Grüße

      • Julia
        27. Juni 2014 at 08:20

        Oh Wow, Franziska, danke <3 Ich weiß ja gar nicht was ich sagen soll... ich freu mich riesig über Deine Nachricht! Und ich seh es genau so wie Du: Niemand fällt tot um, wenn er warten muss und noch keine Firma musste bisher schließen, nur weil ich mal im Urlaub war ;) Ich wünsch Dir ein tolles Wochenende!

  3. Kiki
    20. Juni 2014 at 11:20

    oh, eingelegte Artischocken klingen großartig :) jetzt muss ich nur noch mit mir darüber debattieren, ob ich dafür geduldig genug bin und ob ich ein bisschen Platz in meinem Mini-Vorratsschrank dafür opfern kann (und träume derweil von einer Küche in vertretbarer Größe). Aber auf jeden Fall wird das schöne Rezept gemerkt und wenn mir mal wieder eine Artischocke über den Weg läuft, wird sie einkassiert ;) Liebste Grüße, Kiki

    • Julia
      20. Juni 2014 at 17:49

      Sie klingen nicht nur großartig, liebe Kiki, sie schmecken auch so :) Und dank des Öls, das sie konserviert, halten sie sich auch für ein paar Monate. Vielleicht kannst Du ja ein paar Vorräte in Deinen Keller (falls Du einen hast?) auslagern? Das habe ich lange gemacht, da war der Keller kein Keller im herkömmlichen Sinne, sondern ein ausgelagerter Küchenschrank, was sehr nützlich war :)
      Liebe Grüße!
      Julia

  4. Thoralf
    20. Juni 2014 at 11:36

    Sehr schön! Das ist das Originalrezept oder? Man könnte auch Marsala nehmen. Hast du auch Bilder von den ferig eingelegten Artischocken gemacht?
    VG Thoralf

    • Julia
      20. Juni 2014 at 17:52

      Ja, das ist das Originalrezept von Valentina, allerdings halbiert, denn mein Gemüsehändler am Markt hatte nur noch 2 Kilo der kleinen Artischocken :) Für was könnte man denn Marsala nehmen? Als Alternative zu Weißwein und Weißweinessig? Die fertig eingelegten Artischocken findest Du leider nur bei Twitter, schau mal hier nach, ein wenig nach unten scrollen musst Du allerdings :)
      https://twitter.com/ChestnutSage/media
      Viele Grüße!
      Julia

  5. Theresa
    20. Juni 2014 at 14:14

    liebe Julia, so viel Zeit muss sein. Wie Recht du hast. Wunderbar formuliert und herrlich inspirierend. Artischocken scheinen in diesem Sommer das Gemüse zu sein, mit dem man die (Wieder)Entdeckung der Langsamkeit zelebrieren kann. Ich danke dir für das tolle Rezept und deine Worte. Hab ein zauberhaftes Wochenende! Liebe Grüße, Theresa

    • Julia
      20. Juni 2014 at 17:56

      Liebe Theresa, das hast Du schön gesagt, ich finde auch, dass man mit der Artischocke die Langsamkeit wieder entdecken kann, ist sie doch ein Gemüse, das erobert werden will. Mal eben schnell zubereitet und gegessen ist sie ja nun nicht, aber das will man ja auch nicht immer. Ich wünsch Dir auch ein ganz tolles Wochenende!
      Liebe Grüße!
      Julia

  6. Micha
    20. Juni 2014 at 17:44

    Ohja, eingelegte Artischocken! Eine hervorragende Anregung, die sich mir bestimmt bei dem nächsten Bund kleiner Artischocken wieder ins Bewußtsein schwingt. Und ganz bei dir: es hat noch niemals nie geschadet, etwas eine Nacht zu überdenken. Das Gute-Wahre-Schöne wechselt nicht von einen Tag auf den anderen – das gibt dir Zeit…

    • Julia
      20. Juni 2014 at 18:03

      Wohl war, Micha! Auch um das zu formulieren, das Gute-Wahre-Schöne, darf man sich Zeit lassen. Und auch zum Artischocken finden darf man sich Zeit lassen, die kommen ja jetzt erst zur Ernte, da haben wir noch eine schöne Artischocken-reiche Zeit vor uns :)

  7. Ylva
    21. Juni 2014 at 08:34

    Ein Hoch auf die Langsamkeit, liebe Julia! Wir sind auch immer noch ein wenig „Urlaubs-geschädigt“, könnte man sagen, geht uns hier alles viel zu hektisch, stressig, schnell, gehetzt… Auch ich mag es trotz häufiger Ungeduld beim Warten auch lieber entspannt; was auch nur ein wenig davon schon an Lebensgefühl bringt!
    Auf die Artischocken würde ich mich jedenfalls sehr gerne einlassen und mich mit jeder vergehenden Stunde mehr darauf freuen. Gut Ding will eben Weile haben – das ist wie mit dem Brot ;) Kurz gesagt: ich muss gucken, wo ich so kleine Super-Artischocken her bekomme. Ich glaub inzwischen fast, ich muss langsam jeden Samstag zu Deinem Markt *hihi
    Ganz liebe Grüße!
    Ylva

    • Julia
      23. Juni 2014 at 21:14

      Ganz genau so ist es, liebe Ylva! Ich hab auch ans Brotbacken gedacht, während ich die Luftbläschen im Öl beobachtet habe. Manches braucht einfach seine Zeit, das ist halt so, und mich stört das überhaupt nicht. Und Du bist jeden Samstag herzlich gerne auf unsren Markt eingeladen, darfst aber auch gerne an jedem anderen Tag vorbei kommen, weißt doch, Montag bis Samstag hat der hier jeden Tag offen ;)
      Ganz viele liebe Grüße <3
      Julia

  8. Claudia
    23. Juni 2014 at 00:33

    Grazie – jetzt weiß ich was in meine großen Einmachgläser hinein kommt. Sehr schön zu lesen, liebe Julia,
    Claudia

    • Julia
      23. Juni 2014 at 21:11

      Gerne, Claudia! Ich werde das nächste Mal auch größere Gläser verwenden, die gehen schon weg, die Artischocken ;) Und ich werde das Rezept auch noch auf Steinpilze anwenden, die da ja auch noch kommen werden…
      Liebe Grüße!
      Julia

  9. Claudia ~ Food with a View
    25. Juni 2014 at 09:07

    Wie wunderschön die Artischocken sind! Und eine tolle Idee, sie selbst einzumachen – ich werde mir das Rezept auf jeden Fall merken, nachdem ich derzeit auch so einiges eingemacht habe. Kurze Frage: Wohin denn mit den Artischocken im Trockentuch – in den Kühlschrank nicht, oder? Der hat ja ein tendenziell feuchtes Klima, und außerhalb verdirbt gekochte Ware ja recht schnell im Sommer (jedenfalls, wenn der nicht so kühl verregnet ist wie gerade). Wie machst Du das denn?
    Lieben Gruß!

    • Julia
      27. Juni 2014 at 08:23

      Ja, jetzt ist einfach die Zeit, um Lebensmittel einzukochen, einzuwecken oder sie in Öl zu konservieren. Ich habe die Artischocken tatsächlich einfach so auf der Arbeitsfläche liegen gehabt, das funktionierte einwandfrei. Und ehrlich gesagt hab ich gar nicht daran gedacht, dass sie verderben könnten, gut, dass wenigstens einer hier an so was denkt ;) Ich wünsch Dir ein sonniges Wochenende!
      Liebe Grüße!
      Julia

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *