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Salzgurken | chestnutandsage.de

Ich habe mich gewogen. Das war ein Fehler. Denn seitdem dreht sich alles, was ich tue um diese eine Zahl, die sich eines frühes Morgens anstellte, mir den Tag zu verderben. Was eigentlich kurios ist, nicht wahr? Wie kann es sein, dass eine Zahl, so nichts sagend, dazu führt, dass man sich schlecht fühlt? Dabei habe ich dazu keinen Grund, ich sollte meinen Körper doch eigentlich genau so, wie er ist, gut finden. Kann ich aber nicht. Wegen einer Zahl, die mein komplettes Körperbild in Frage stellt. Eigentlich gefiel ich mir ganz gut, aber jetzt zweifle ich, ob das noch so ist. Als ob Frauen nur dazu da wären – ja, wem eigentlich genau? – zu gefallen. Das Streben nach der von einer männlichen Sichtweise dominierten Perfektion, sagt Alain de Botton (nicht ganz so, aber ähnlich) in der SZ, sei eine Neurose unseres Zeitalters. Das mache uns intolerant und wütend, wenn man selber nicht so sei, wie man(n) sich das wünsche. Ich ärgere mich also über mich selbst. Dass mich eine Zahl so aus dem Takt bringt. Dass ich gefallen möchte. Dass ich Menschen nicht wie die wunderschönen Gurken, die ebenso unterschiedliche Formen wie Frauen haben, wertschätze, bewundere. Als genau richtig erachte. Und sie – Fermentation sei Dank – auf ursprüngliche Weise für den Vorratsschrank konserviere. Auf dass sie mich daran erinnern, was wirklich wichtig ist: so zu sein, wie man ist. Weiterlesen…

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Geschmorte Kirschtomaten | chestnutandsage.de

Wenn es besonders schön ist, sagt der Volksmund, solle man verschiedene Dinge tun: Aufhören, weiterziehen, gehenlassen. Eine seltsame Sichtweise. Wenn es besonders schön ist, sage ich, soll man festhalten, bewahren, konservieren. Nicht, dass ich mich damit vor Fortschritt und Weiterentwicklung sperren würde, ich denke nur, dass man nicht immer darauf warten soll, dass etwas noch besseres kommt, etwas noch tolleres passiert. Deshalb freue ich mich über den August. Denn mit ihm sie ist ganz plötzlich wieder da, die Zeit, das Schöne einzufangen und sich wie ein Hamster die Backen vollzustopfen. Die Zeit, all die Aromen der leichten Jahreszeit, die uns mit dem schönsten Gemüse beschenkt, festzuhalten und im Vorratsschrank zu bannen. Damit man auch dann, wenn alles fortgeschritten ist, hinter uns liegt, vorbei ist, wieder an die schönste Zeit des Jahres zurück denken kann. Denn besser, das wage ich zu behaupten, wird es nicht mehr.  Weiterlesen…

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Cinque Terre Food & Travel Guide | chestnutandsage.de

Ein rosa Haus mit grünen Fenstern, die weit geöffnet sind. Herein dringen der Hauch des Vergangenen und das sanfte Rauschen des Mittelmeeres, das sich, je nach Wetter, in ein lautes Dröhnen verwandelt. Darunter mischen sich Strandgespräche, Lachen, Schreie und das leise Klackern der Strand-Tennis-Spielenden. So voll wie der Strand mit Badenden ist, so voll sind auch die Herzen der Menschen mit Leichtigkeit und Glück über das sommerliche Ferienleben. Es gibt kaum einen Grund das rosafarbene Haus zu verlassen: Die Terrasse bietet einen atemberaubenden Blick über die Bucht, die großen Pinien spenden im weitläufigen Garten Schatten, in dem man die größte Mittagshitze verschlafen kann, die gestreifte Markiese schützt jene vor Sonnenbrand, die das bunte Treiben wie ein Wimmelbuch betrachten. Und doch gibt es viel zu entdecken, wir befinden uns am äußeren Rand der Cinque Terre, in Levanto. Von hier aus lassen sich nicht nur die pittoresken Dörfchen der ligurischen Riviera erkunden, sondern auch die wunderbaren Köstlichkeiten, die die ligurische Region kennzeichnen und ausmachen. Weiterlesen…

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Birnen-Ingwer-Eis | chesntutandsage.de

In der Tanne hinter meinem Haus sitzt ein Kätzchen. Ein kleines, schwarzes, mit weißen Pfötchen. Es sitzt dort, hoch oben über den Dächern der umliegenden Häuser und maunzt um Hilfe. Warum es nicht herunter klettert, man weiß es nicht, die Nachbarn stehen um die Tanne und rätseln. Es sei doch auch hinaufgekommen, da dürfe es doch nicht so schwer sein, den Rückweg wieder anzutreten! Es hagelt kleine Vorwürfe auf die Tanne, die sich der verbalen Großwetterlage nicht beugen mag. Doch keiner fragt sich, warum das Kätzchen hinauf geklettert ist, warum es den beschwerlichen Aufstieg in die schwindelerregende Höhe auf sich genommen hat, warum es nicht, wie es sich für ein Kätzchen gehört, auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist. Vielleicht wollte die kleine Feldiae es einfach mal probieren. An ihre Grenzen gehen, neugierig dem ersten Instinkt folgen ohne mögliche Konsequenzen durchzudenken. Wer von uns hat das nicht schon gemacht – gute Ideen mit vernünftigen Argumenten tot zu reden. Das Kätzchen sitzt mittlerweile wieder in unserem Garten. Wie es dorthin gekommen ist? Das weiß keiner. Vermutlich ließ ihm sein Mut Flügel wachsen. Weiterlesen…

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Sobanudeln mit Gurke und Wakame | chestnutandsage.de

Das Altern zu verlangsamen sei möglich, hörte ich diese Woche. Notwendig sei dafür nur weniges: Glück, wenig Stress, Gemüse und Fisch. Eine einfache Formel, die man auch mitternachts, wenn man eigentlich andere Formeln herunterleiern können sollte, aufsagen kann. Das Altern zu verlangsamen, das finde ich eine attraktive Vorstellung – ich würde sofort, wenn man mich denn lassen würde, zurück auf Anfang 20. Natürlich nicht mit den Erfahrungen, die ich bis heute gesammelt habe, nein. Ich würde gerne wieder genau so naiv, wissbegierig, hungrig sein. Denn das sind doch die besten Voraussetzungen für die ersten zwei Teile dieser Gleichung, die sich an einem bestimmten Punkt im Leben von Konstanten zu Variablen ändern. Meine ich zumindest, stehe aber, wenn man sich die japanische Mythologie anschaut, ziemlich alleine da. Denn hier gibt es die sieben Glücksgötter, die Klugheit, Erfahrung, Wissen, Gelehrsamkeit, Wohlstand, ein langes Leben und Zufriedenheit symbolisieren. Das Altern, so scheint es zumindest, umarmt das Glück und beide bedingen sich gegenseitig. Einig werden sich Japan und ich da wohl nicht. Das werden wir uns nur bei der Tatsache, dass Sobanudeln, Gurken und Wakame-Algen zusammengehören und damit nicht nur ein gelungenes Abendessen an einem heißen Tag bilden, sondern auch die Glücksgötter milde stimmen. Weiterlesen…

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Seaton | UK | Photographer: Daan Huttinga
Fotograf: Daan Huttinga

Anke schreibt, was ich fühle. Und weil das vielleicht nicht jeder gelesen hat, darf ich einen Auszug aus ihrem Post hier veröffentlichen:

„Ich habe ein eher emotionales Verhältnis zur EU, und ich ahne, dass dieses Gefühl mehr mit Schengen zu tun hat als mit der Gründungsurkunde, die, soweit ich weiß, einen Wirtschaftsraum definierte. Da geht’s schon los: Ich weiß nicht mal genau, wann und warum die EU gegründet wurde. Ich wuchs aber damit auf, dass wir eine schöne blaue Flagge mit goldenen Sternen drauf hatten, eine noch schönere Hymne und dass ab und zu Europawahlen stattfanden, bei denen ich immer das wählte, was ich auch bei Bundestagswahlen wählte. Full Disclosure: Die einzige Wahl, an der ich hätte teilnehmen dürfen und bei der ich dieses Recht verfallen ließ, war eine Europawahl. Ich wohnte in Hannover, das müsste also irgendwann in den 1990ern gewesen sein. Ich hatte nicht das Gefühl, dass meine Stimme irgendwas in meinem direkten Umfeld ändern würde – im Gegensatz zu anderen Wahlen, die sich auf Deutschland, seine Länder oder Kommunen bezogen –, also ging ich nicht wählen. Weiterlesen…

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