Tischgespraech | unsplash.com

Ich habe ein Interview gelesen. Mit Peter Berling. Über die Liebe, das Große und Ganze. Dass er sich eine Elefantenhaut zugelegt habe, mit der er durch sein langes, bewegtes Leben gestapft sei, einer Haut, die ihn resistent machte gegen ein Übermaß an Empathie. Es war ein gutes Interview, eines, bei dem ich oft und zustimmend nickte, denn ich kann verstehen, wenn man Abstand zwischen sich und andere bringt, sich um ein gewisses Maß an Eigenschutz und Seelenheil bemüht. Aus welchem Gründen auch immer. Doch dann kam der nächste Post, der nächste Klick und da war es: Das blanke Entsetzen darüber, was heute wieder denkbar ist. Was wieder hörbar ist. Was nicht mehr als irre Idee ausgelacht wird. Nachrichten, die mir vor Wut die Tränen in die Augen schießen lassen. Dabei sei sie doch unantastbar, die Würde des Menschen. Nur halt nicht mehr 2015, mitten in Deutschland. Hier wird „besorgten Bürgern“ Raum zugestanden, den andere, nämlich jene die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Sexualität, ihres persönlichen Werdegangs oder wegen Krieg, Verfolgung und Perspektivlosigkeit Schutz und Obhut brauchen, dringend benötigen würden. Und deshalb möchte ich es nochmal sagen um keinen Zweifel daran zu lassen: dieser Blog ist bunt. Meine Gedanken sind bunt, mein Leben ist bunt, meine Stadt ist bunt und jeder, der das genauso sieht, ist an meinem (virtuellen) Esstisch herzlich willkommen. Dass jüdisches Leben in Deutschland nicht uneingeschränkt möglich ist, dass Flüchtlingsunterkünfte brennen, dass faschistisches Gedankengut wieder salonfähig ist, ist beschämend. Ja, ich glaube an die Unantastbarkeit und die Würde eines jeden einzelnen Menschen und dass uns allen das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Und ja, ich finde, dass wir laut werden, dass wir Zeichen setzen, dass wir Widerstand leisten müssen. Vielleicht würde es schon helfen, wenn man sich seine Empathie nicht ganz aberziehen würde. Auf einen Versuch käme es an.

Bild-Credit: The Anchor via unsplash.com

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Aprikosen | chesntutandsage.de

Jeder von uns kennt diese Gerichte, die einen zurück in die Vergangenheit transportieren können. Sie sind verknüpft mit Düften, Geräuschen, Zutaten, Utensilien oder auch Gesprächen. Der Duft frisch gebackener Berliner zum Beispiel versetzt mich sofort zurück in die Küche meiner Großmutter, einer wunderbaren und liebevollen Frau mit blitzenden Augen, deren Willen über jeden Nachbarn ein böses Wort zu verlieren ungebrochen war. Eine Scheibe frisch gemachter Bruschetta lässt mich im Handumdrehen an den freitäglich gedeckten Esstisch meines Vaters reisen auf dem, neben einer Flasche Rotwein, auch die mit Eselsohren versehene und vergangene Ausgabe des Spiegels liegt. Es sind diese Gerichte, die uns prägen, die uns mit der Geschichte verbinden, die uns aber nicht davon freisprechen können, Verantwortung für unser Dasein im Hier und Jetzt zu übernehmen. Die uns versuchen lassen müssen, es besser (oder zumindest anders) zu machen. Ich bin dafür, den Versuch zu wagen, es besser zu machen und mache um Obst aus der Dose einen großen Bogen, denn ja, der grauslig metallisch-süße Geschmack von Dosenobst ist durchaus einer, den ich mit meiner Kindheit verbinde. Weiterlesen…

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Neustart

Stetig ist der Wandel – nach vier Jahren C&S wird es Zeit für ein neues Kleid. Das Alte war doch schon etwas ausgebeult, abgewetzt, aus der Zeit gefallen. Die Idee war zuerst eine fixe, viele von Euch wunderten sich über fremden Demo-Content, seltsame Vorgänge hier und dort, ein paar von Euch verlor ich dadurch, aber: Jetzt bin ich schlauer und weiß, dass ich doch lieber Profis ranlassen sollte, jene, die wissen, wie es geht. Wie zum Beispiel Corinna, die sich der technischen Umsetzung und der Entrümpelung des Themes angenommen hat. Dank Dir! Und wie zum Beispiel der so talentierten Luci, der ich dieses wunderschöne florale neue Logo verdanke. Tausend Dank! Und auch den professionellen Nervenberuhigern Dani und Michael. Danke für Eure offenen Ohren!

Was ist neu? Die Hauptnavigation. Hier gibt es die bekannten Einträge, der Rezeptindex ist ein wenig aufgefrischt, ihr könnt jetzt auch direkt nach Kategorien suchen. Unter Esskultur findet ihr weiterhin alles, was sich rund ums Thema Kulinarik dreht. Unter Love findet ihr jetzt alle Einträge der Kategorie „Links with Love“ – es ist also eine sehr ausführliche Blogroll, in der ihr all die Blogs, die Magazine, die Zeitschriften findet, die ich so gerne mag. Unterwegs ist eine neue Rubrik, in der ihr alle kulinarischen Reiseführer und Foodie-Guides findet. Unter Zu Gast findet ihr alle Blogs, auf denen ich zu Besuch sein durfte. Der GastFreude-Eintrag führt Euch direkt zur Seite des Supper Clubs, den ich gerade sträflich vernachlässige.

Ein Newsletter! Es gibt wieder einen Newsletter. Nachdem das alte Plugin nicht mehr funktionieren wollte, verabschiedete ich mich ganz von ihm, aber jetzt könnt ihr die neuen Beiträge von C&S wieder bequem in Eure Postfächer bekommen.

Ich hoffe es gefällt Euch an meinem neu gedeckten Esstisch? Schaut Euch ein wenig um und wenn Ihr mögt, stoßen wir später auf das Neue, das Frische, das vielleicht auch etwas Leichtere an.
Liebe Grüße!
Julia

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Kokospudding | chestnutandsage.de

Man reist ja, um das Fremde zu erleben. Mir fällt dabei auf, dass ich mich umso wohler fühle, je weiter ich fort bin. Beim ersten Schritt auf einen neuen Flughafen atme ich die vertraute Melange aus Kerosin und Filterkaffee ein, begrüße ich die Wärme, die sich wie ein Mantel um mich schmiegt. Asien und ich, das ist eine große Liebesgeschichte. Dabei ist das Ziel beim Reisen doch die eigene Komfort-Zone zu verlassen. Bekanntes beiseite zu schieben. Sich in ein Abenteuer stürzen. Und das muss nicht in der Ferne geschehen, sondern kann im eigenen Garten stattfinden. Denn eine Nacht im Zelt auf der grünen Wiese kann den tapfersten Bürotiger in ein ängstlich schnurrendes Kätzchen verwandeln. Das Wispern des Windes, rauschende Blätter, hier ein Knacken – da muss doch was sein! Ein Wildschwein, mindestens! Soll sich hier nicht auch wieder der Wolf ansiedeln? Und dann… Entwarnung! Ein Igel, der sich durchs Dickicht wühlt, ein Mäuschen auf der Suche nach ein paar Beeren. Fest eingekuschelt in eine Decke fällt man unter dem Firmament in einen tiefen Schlaf, der erholsamer nicht sein könnte und durch das Zwitschern der Vögel in den dunstigen und frühen Morgenstunden beendet wird. So erlebt man kleine Abenteuer. Man ist nicht weit gereist und doch weit weg gewesen. Weiterlesen…

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Links with Love | image taken from unsplash.com | skyler smith

Sommer. Die Jahreszeit „in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt ist“. Soll Marc Twain gesagt haben. Zu einer Zeit, in der mobile Kommunikation zwar denkbar, doch das Internet auch in kühnsten Träumen nicht vorhersehbar war. Das stand so, oder ähnlich, im Hohe Luft Magazin. Doch da hat man die Rechnung ohne die Sammlerin gemacht, das geht nämlich immer, muss man dazu doch nur die Augen offen halten.

Lasst es Euch gut gehen und habt ein schönes Wochenende!
Julia

…das Bild ist – wie so oft bei LwL – von unsplash

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Coldbrew-Eis | chestnutandsage.de

Brütende Hitze draußen, lauwarme Gefühle drinnen – so könnte man die aktuelle Situation beschreiben. Wer Glück hat, lebt in einer Parterrewohnung und genießt die vom Erdreich und den Kellerräumen abgestrahlte Kühle. Wem eine solche Wohnsituation nicht vergönnt ist, dem winkt Linderung in Form von Kaffee. Eiskaltem Kaffee. Kaffee der so stark ist wie Sonnenstrahlen, die einem durch die fast geschlossenen Rollladenschlitze in die Augen blitzen. Am besten natürlich in Eisform, damit die physische und psychische Einheit wiederhergestellt wird. Dazu ein Lied, das immer noch Gänsehaut verursacht. Und dann ist auch schon alles wieder gut. Weiterlesen…

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