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Radicchio-Salat | chestnutandsage.de

Das größte Geschenk ist, in ein Land zu reisen, dessen Sprache man nicht spricht. Es entspannt, keine Gesprächsfetzen im Vorbeigehen aufzufangen, keine Nachrichten zu lesen, die in Cafés ausliegenden Zeitungen stehen, keine Botschaften ins Unterbewusstsein geschustert zu bekommen, die von Plakatwänden wie steter Tropfen den Stein en passant höhlen. Das ist für mich die schönste Form des in-Ruhe-gelassen-Werdens. Der Fokus rückt sich zurecht, konzentriert sich auf die kleinen Dinge – Vogelgezwitscher, Düfte, streunende Katzen – was zu Hause im Alltäglichen untergeht, bekommt die Wichtigkeit, die es verdient. Es ist die schönste Form von Sprachlosigkeit über die sich erst dann ein Schatten legt, wenn man vor einer Speisekarte sitzt, die man nicht versteht: Was wird man wohl bekommen? Was hat man eigentlich gerade bestellt? Die servierte Speise kann so zu euphorischem Freudenjubel führen oder, auch das mag passieren, eher verhaltenes Entsetzen ins Gesicht zaubern: Blauschimmelkäse und Kerbel auf einem Teller? Nun gut, was was soll man tun – man probiert. Und so kann es passieren, dass sich ein kleiner Speisekarten-Fauxpas als großes Glück herausstellt und man über den Salat, der gleichzeitig cremig und knackig, bitter und herb, sauer und süß ist, jubiliert, anstatt Suppen-Kaspar-hungrig vor seinem Teller zu sitzen. Welch großes Geschenk. Weiterlesen…

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Shaking Salad © Eienhut & Mayer/Brandstätter VerlagWenn BloggerInnen Bücher veröffentlichen bin ich manchmal skeptisch – werde ich ein Buch in der Hand halten, das zwar hübsch anzusehen ist, aber keinen kulinarischen Mehrwert bietet, oder werde ich ein Buch in der Hand halten, das genau das macht, was ein gelungenes Kochbuch ausmacht, nämlich Hunger und Lust aufs Nachkommen? Im Fall von „Shaking Salad“ ist die Antwort ganz einfach: Ich habe Hunger. Auf Salat. Denn ja, in „Shaking Salad“ dreht sich alles um das Leichte, das Einfache, das Gute in Form von abwechslungsreichen Salaten. Ein ganzes Buch mit Salat-Rezepten? Natürlich! Karin Stöttinger hat  sich 60 herrliche Rezepte für Vegetarier, Veganer und Ominvoren ausgedacht. Die Salate sind das reinste Vergnüngen und im handumdrehen zubereitet, die übersichtlichen Zutatenlisten führen nur Lebensmittel auf, die in jedem Supermarkt zu finden sind. Der Clou ist, dass die Rezepte dafür ausgelegt sind, dass die Salate mitgenommen werden – als Mittagspausenalternative zum immergleichen Kantinen- oder Mensaessen, als Verpflegung auf Wanderungen oder als Snack an einem Tag am See. Da könnte man fast vergessen, dass man das Buch einer Bloggerin in der Hand hat, wenn diese Bloggerin eben nicht Karin wäre, die ich letztes Jahr an einem verregneten Wochenende in Wien als warmherzig und klug kennenlernen durfte. Weiterlesen…

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Edamame | chestnutandsage.de

Die Angst eines Schreibenden vor dem leeren Blatt ist wohl mit der Angst eines vor dem leeren Kochtopf Stehenden zu vergleichen. Was soll es heute nur zu essen geben? Meine Oma pflegte in diesen Situationen zu sagen „Wünsch Dir was“. Selbstredend, dass es in diesen Situationen immer Kartoffelsalat gab. Was aber, wenn man sich von sich selbst das nächste Mittagessen wünschen muss? Der Druck, etwas auf den Tisch bringen zu müssen, ist wie bei allem, das man tun muss, der Tod der Leidenschaft, der Kreativität. Da kann es schon mal passieren, dass man die geliebten Edamame aus dem Fenster werfen möchte und darauf hofft, dass über Nacht eine gewaltige Sojabohnenranke in den Himmel wächst, die man bis über die Wolken erklimmen kann um dort ein Schloss voller Ideen und Motivation vorzufinden, die man, im Gegenteil zu Jack, der den Riesen bestiehlt, ganz offiziell mitnehmen und sich dort sogar immer wieder bedienen darf, wenn sich der Himmel vor lauter „eigentlich müsste ich“ zu verdunkeln droht. Da dies gerade bei Lena der Fall ist, bereite ich heute einen kleinen Snack für sie zu, einen, der schnell gemacht ist und der zu essen ein wunderbarer Zeitvertreib ist: Edamame. Diese kleinen Sojabohnen sind ähnlich wie Pistazien: sie machen süchtig. Was bei Pistazien das Öffnen der Schale ist, ist bei Edamame das herauszutscheln der Bohnen. Stundenlang kann man immer wieder zugreifen, knabbern und sich gewiss sein, dass man zumindest in diesem Moment überhaupt gar nichts muss. Weiterlesen…

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Lisbon Map | chestnutandsage.de

Lissabon und ich haben uns vor einigen Jahren kennengelernt, es war eine turbulente Zeit. Das Geld war damals knapp, das Studium gerade so abgeschlossen, die Welt lag vor mir und ich wusste nur, dass ich weg wollte. Lissabon schien damals genau richtig, eine große Stadt, weit genug weg, mit einer Sprache, die mir völlig unbekannt war. Ein Hostel war damals schnell gefunden, billigste Sandwichketten ernährten mich, aber die engen Gassen, ein süßes Stückchen in einer kleinen Pastelaria, der große Tejo, das warme Portugiesisch, all das lies mich ein Stück meines Herzens in Lissabon verlieren. So ist die wunderbare Stadt der sieben Hügel zu einer meiner liebsten geworden, meinem Ziel, wenn ich nichts weiter tun möchte, außer die Seele baumeln zu lassen, gut zu essen und ein Klima, das jetzt im Winter wieder vom Sommer, von besseren Zeiten, träumen lässt, zu genießen. Eine Stadt, in der die Melancholie wie der Fado, der aus den Restaurants klingt, wie der Duft nach gegrilltem Fisch, der durch die Gassen schwebt, greibar ist, eine Stadt, in der es nichts weiter zu tun gibt, als das leichte Leben zu leben. Beginnen wir also mit einem Kaffee und schauen dann, wohin uns die Füße tragen. Weiterlesen…

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Lachs | chestnutandsage.de

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Das trifft nicht nur auf Wohnungsnotstand in Ballungsgebieten und Finanzkrisen, sondern auch auf die dezemberlichen Feiertage zu. An diesen gibt es bei mir etwas Besonderes zu essen, dass sonst das ganze Jahr nicht in meiner Küche zubereitet wird – Fisch. Denn ja, diese Feiertage, sie sind schon speziell. Tage, in denen der Ausnahmezustand herrscht, Tage, in denen Familien aufeinander treffen. Denn dann stellt sich einmal mehr heraus, dass jede Familie eine Demokratie, eine Diktatur, ein Königreich im Kleinen ist. Ein Mikrokosmos mit einem zentralen Stern, einer Sonne, um die sich alles dreht, mit terrestrischen Planeten, die den engen Kreis bilden, Gasplaneten, die etwas weiter entfernt sind und einer Vielzahl von Kometen, die als begleitende Objekte dieser Planeten nicht mehr wegzudenken sind. Menschen gibt es da, die einem, wie der Mond, ihre dunkle Seite verbergen, oder eben nur diese präsentieren – je nachdem welche Position man in den unendlichen Weiten des familiären Weltraums einnimmt. Resonanzeffekte sind da nicht auszuschließen, Asteroidenschauer prasseln schon einmal herab. Es sind also besondere Zeiten, die, wie schon gesagt, besondere Gerichte erfordern. Gerichte, die auch dem pickigsten Esser, dem naserümpfendsten Gegenüber, dem heikelsten Gast schmecken, die alle an einem Tisch versammeln und die Abende so doch zu dem machen, was sie eigentlich sein sollten – etwas Besonderem. Weiterlesen…

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Kalender 2016 | chestnutandsage.de

Das Jahr neigt sich dem Ende, Weihnachten und Silvester stehen vor der Türe – es ist also Zeit für einen neuen Kalender, der uns auf das neue Jahr einstimmt. Dabei macht mir der Jahreswechsel, wie jedes Jahr, ein wenig Angst. Zu hoch sind die Erwartungen an die Neujahrsnacht, in der alles Schlechte des vergangenen Jahres abgeschüttelt und alle Chancen und Möglichkeiten, die das neue Jahr bieten soll, umarmt und willkommen geheißen werden wollen. Mit viel Trara und Feuerwerk natürlich. Dabei mag ich den leisen Übergang viel lieber, vielleicht mit einem Schluck zu viel, auf jeden Fall in guter Gesellschaft verbracht. Und natürlich mit gutem Essen. So wie diesem, das auf 12 Kalenderblättern abgebildet ist. 12 Bilder, die ich im vergangenen Jahr geschossen habe und die mich auch 2016 begleiten sollen. Weiterlesen…

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