Death to the Stockphoto
Foto: Death to the Stockphoto

Im sechsten Jahr des Bloggens, im lutherischen Ehrenjahr, da passierte meinem Blog etwas Kurioses. Aus mir – und das ist natürlich kokett – nicht ersichtlichen Gründen wurde mir die Ehre zuteil, als einer der „besten“ Foodblogs Teil des Buches WIE WIR KOCHEN zu werden. Das Buch bildet den bunten Reigen der Food-Blogger-Welt ab: neben hochgeschätzten Blogger-KollegInnen wie Eva und Philip von Ye olde Kitchen, Karin von Geschmacksmomente, Annette von culinarypixelMercedes und Juri vom Splendido Magazin tummeln sich Profis wie Susann und Yannick von Krautkopf, Laura und Nora von our food stories oder Claudia und Arne von Food with a View und mir bisher vollkommen unbekannte Gesichter wie Melanie vom Mundwerk oder Meike von eat in my kitchen. Es ist ein schönes Buch, es zeigt, wie vielschichtig dieser Teil des Internets ist und lässt auch kleine Blogs, wie eben Chestnut & Sage  einer ist, strahlen. Weiterlesen…

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Kürbiseintopf | chestnutandsage.de

„Schniebel? Schnebel? How do you call it?“ Der Kanadier, der den Platz neben mir eingenommen hat, starrt aus dem Fenster. Wo normalerweise Wälder, Felder und Ortschaften an den Reisenden vorbei ziehen, sieht man – nichts. „Nebel, that’s what you mean“, seufzt seine Begleitung. Dem Kanadier scheints nichts auszumachen, amüsiert summt er ein Schniebel-Schnebel-Nebel-Lied, während der Zug durch das graue Nichts rattert. Ich beneide ihn um seine kindliche Begeisterung, starre jetzt auch aus dem Fenster und wünsche mir nichts sehnlicher herbei als den oft beschworenen „endless summer“. Denn man weiß ja nicht, wann die Zeit kommt, in der das Wünschen wieder hilft (oder Lieder der Toten Hosen wieder hörbar werden). Sollte sie aber bald vor der Tür stehen, die Zeit, bin ich gewappnet. Bis dahin bleibt mir aber nichts anderes übrig, als mir meine Wünsche selber zu erfüllen. Ich entscheide ich mich heute also dazu mir die Sonne auf den Teller zu kochen. Gelb und dampfend heiß, mit viel Gewürzen, Kürbis und Koriander. Damit das Grau nur auf den Pullis bleibt und nicht wie dicker Schnebel in die Seele zieht. Weiterlesen…

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Kürbis-Granola | chestnutandsage.de

Die Farbe Orange mag ich nicht. Zu plump ist sie, zu ordinär. Wie das Gelb von Sonnenblumen. Natürlich nicht das gelb der van-Gogh’schen Sonnenblumen, sondern das Gelb der Feldsonnenblumen, die ihre Hälse auch nur nach der recken, die sie gerade am meisten beeindruckt. Auf sonnengelb lasse ich jedoch nichts kommen. Dabei haben Forscher heraus gefunden, dass Essen besonders gut schmecke, wenn es aus orangefarbenen Behältnissen verspeist werden würde. Wie sie zu dieser Erkenntnis gekommen sind, frage ich mich. Vermutlich haben sie, die Forscher, es so getan wie alle Forscher es tun und haben sich der Versuche an Affen bemüht. Vielleicht sogar an Orang Utans, die mit ihrem dicken, orange-braunen Fell und einer genetischen Übereinstimmung von 97% dem Menschen so nahe sind, dass sie die perfekten Versuchsobjekte darstellen. Ob die Forscher diese Versuchsanordnung wohl bewusst gewählt haben? Ein orangefarbenes Wesen, dass aus orangefarbenen Schüsseln und Töpfen isst, dem muss es doch besonders gut schmecken. Wobei ich bezweifle, dass den bedauernswerten Kreaturen, die in den Laboren dieser Welt darben, überhaupt etwas schmeckt. Was mich wieder zu meiner allgemeinen Skepsis der Farbe Orange und damit auch dem Herbst gegenüber bringt. Denn kaum haben sich die Spitzen der Blätter gelb verfärbt, schimmern sie auch schon orange im goldenen Sonnenlicht, fallen dann alsbald herab auf die Hausmeisterinnen dieser Welt die mit ihren Laubbläsern auch noch dem letzten Igel die Behausung streitig machen. Zurück bleibt der Winter. Weiterlesen…

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Links With Love | Oktober

Wie vorausgesagt war der Oktober ein stürmischer Monat. Was nicht nur an Herwart lag. Und auch wenn diesem Sturm (und diesem Monat) eine gewisse Zerstörungswut innelag, so deckte er doch auch vieles auf was – möglicherweise – lieber im Dunklen geblieben wäre. Auf dass diese Tage doch noch einen versöhnlichen Ausklang finden blicke ich heute auf das zurück, was den Oktober doch zu einem ganz schönen machten: Die Dinge, die mir besonders gut gefielen, zusammengestellt in den Links with Love.

Habt einen schönen November!
Julia

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Amsterdam | Grachten | chestnutandsage.de
Keine Haustiere, keine Parties und bitte nicht rauchen, ob das ok für mich sei. Der junge Mann, der mir die Schlüssel zum Apartement überreicht sieht so aus, als wären diese Regeln für ihn überhaupt nicht ok. Die letzte rauschende Party scheint ihm noch in den Knochen zu stecken. Müde versucht er sich eine Zigarette zu drehen, der Tabak will und will nicht im Paper bleiben und auch der Filter droht seine vorgesehene Position nicht einnehmen zu wollen. Entnervt schmeißt er sein grobmotorisch errichtetes Kunstwerk in den Mülleimer. Der Frust steht ihm ins dreitagebärtige Gesicht geschrieben. Ich versichere ihm, dass ich mich natürlich an die Regeln halten werde und denke mir, dass sie ihm ja nicht gefallen müssen, denn nicht er, sondern ich beziehe das wunderschöne Apartment am Rande des Rembrandtparks im Westen Amsterdams. Die Schlüssel in der Hand verabschiede ich mich von ihm und hoffe, mich in den nächsten 24 Stunden nicht mit weiteren seltsamen Gesellen beschäftigen zu müssen. Denn ich habe nur einen Tag lang Zeit die Hauptstadt des niederländischen Königreichs zu erkunden. Und die sollen voll von Schönem sein. Mit den verwinkelten Gassen des Grachtengürtels zum Beispiel. Mit Kunst. Und raschelndem Herbstlaub. Weiterlesen…

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Sataraš | chestnutandsage.de

Es klopft an der Tür. Ante steht davor. Mittagessen gibt es heute um 12, vielleicht um 1, ob ich kommen möchte. Es gebe Muscheln. Die mögen seine Frau und seine drei Töchter überhaupt nicht, aber er würde sie trotzdem gerne kochen. Schon morgens war er am Kai und schwatzte einem der Fischer 2 Kilo Muscheln ab. Frisch aus dem Meer, so schmecken sie ja am besten. Zwei Kilo Muscheln für zwei Personen? Ich seufze innerlich. Aber wie könnte ich einem Berg von Mann, behaart wie ein Wolf, tätowierte Oberarme und, so erzählte er es gleich bei unser ersten Begegnung, begeisterter Jäger, absagen? Ich sage also zu, trinke meinen letzten Schluck Kaffee, denn im Gegensatz zu den Nachbarn habe ich bis 10 Uhr geschlafen. Die Nachbarin, so wird sie mir nachher erzählen, sei bereits seit 7 auf den Beinen, die Kinder möchten ja ihr Frühstück und so ein Mittagessen wolle eben auch vorbereitet werden. Sie habe alles gekocht, nur die Muscheln nicht. Wenn Ante sie haben möchte, so müsse er sie auch zubereiten. Und so stehe ich, zusammen mit dem Mittagsgeläut der Kirchenglocken, um 12 Uhr am Tisch meiner Nachbarn und hoffe nicht der einzige Gast zu sein. Denn der Tisch, er ächzt und stöhnt unter seiner Last, ist überhäuft mit Schüsseln, Pfannen und Töpfen. Berge von Ćevapi sehe ich da, für die Kinder, die seien doch recht wählerisch. Berge von gegrilltem grünen Paprika in einer herrlich öligen Soße, voll von dicken Knoblauchzehen, die seien gut für das Herz. Schüsseln voller frittierter Sardinen, die seien besser als Chips, die müsse ich unbedingt probieren. In einem riesigen Topf schwimmen dünne Nudeln in einer dünnen Brühe, auch für die Kinder, das sei neben den Hackfleischröllchen das einzige, was sie noch äßen. Und das hier, das würde bei der Großen noch gehen. Sie reicht mir eine Schüssel voll von etwas, das mir bekannt vorkommt. Aber Shakshuka in einem traditionellen kroatischen Haushalt? No, no! Lacht die Hausherrin ungläubig. It’s Sataraš! It’s slawonian! Wie ich das denn nicht kennen könne! Ihre Schwiegermutter pochiere immer noch ein paar Eier in der dicken Soße, das würde es noch besser machen. Aber dafür sei es heute zu heiß und außerdem müsse ich ja vor allem Muscheln essen. Ich seufze. Wie konnte ich die nur vergessen. Wir nehmen Platz, die große Familie und ich, die sich genau so Fehl am Platz fühlt, wie die Muscheln, die zwischen den vielen Köstlichkeiten für Groß und Klein nur für mich und den Herrn im Hause gekocht wurden. Und trotzdem muss ich, bevor ich mich ins Eiweißkoma esse, ein paar Löffel vom Sataraš probieren, diesem herrlich dicken Eintopf aus Zwiebeln, Paprika und Tomaten. You like it? Natürlich, sage ich und denke mir, dass die Muscheln ja eine Grundlage brauchen, in der sie nachher schwimmen können. Und greife nochmal zu. Und nochmal, und nochmal. Für mich, soviel steht fest, hätte es nichts anderes gebraucht um mich glücklich zu machen. Die Muscheln, das ist Ehrensache, finden zu späterer Zeit ihren Weg natürlich auf meinen Teller. Auch wenn Ante den Großteil schon selber aufgegessen hat. Für ihn, und das versichert er mir, hätte es nämlich auch nichts anderes gebraucht um glücklich zu sein. Den Bauch voll sonntäglicher Zufriedenheit seufze ich, dass das hier alles ja wie an Weihnachten sei. No, no! Lachen alle. Christmas, und da sind sie sich einig, is much better! Weiterlesen…

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