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Florentiner | chestnutandsage.de

F., so behauptet er, würde ab dem 1. Dezember eine Metamorphose durchlaufen. Von Null auf Weihnacht würde er sich vom kontrolliert-rationalen Mann in einen Weihnachtself verwandeln. Getragen würden fortan und für 24 volle Tage nur noch Weihnachtspullover, gehört werde Mariah Carey in Dauerschleife und gegessen, das ist natürlich eh klar, wird nur noch, was die Weihnachtsmärkte so bieten. So viel Kitsch, so viel Kalorien dürfen ja wohl bitte einmal im Jahr sein! Und dem stimme ich zu, denn mir steht der Sinn. genau wie dem lieben F., nach Weihnacht. Auch wenn dieses Hauptfest des Kirchenjahres für mich eigentlich keinen Sinn ergibt. Denn danach fragt Micha heute eine Reihe Bloggerinnen: Ob Weihnachten für uns Sinn macht. Eine Gretchenfrage, nicht wahr? Untrennbar verknüpft mit dem Großen, dem Ganzen und dem Übernatürlichen. Um es ähnlich vage wie Dr. Faust zu halten, möchte ich bei Micha erstmal rückfragen, ob es ihr mit der Frage um die Untiefen (m)eines christlichen Glaubens oder um das unreflektierte Befolgen von Traditionen geht. Denn beides liegt mir nicht besonders. Was mich jedoch nicht davon abhält Weihnachten jedes Jahr – als kulturelles, hyggeliges Fest – aufs Neue zu zelebrieren. Als Ritual. Denn Rituale sind ja bekanntlich wichtig. So wichtig wie Plätzchenbacken. Die letzten Jahre, ich gestehe, galt bereits die Tätigkeit des Plätzchenkaufens als angemessen. Leider fehlen in den kleinen Körbchen der lieben Bäckerin jedoch immer Florentiner (deren Genuss in meinem Haus nicht auf den Winter beschränkt ist). Und deshalb backe ich heute, sozusagen als Diskussionsgrundlage, eben ein Blech der kleinen Köstlichkeiten für Micha. Auf dass ich sie, wenn es mit meiner schwammigen Spiritualität schon nicht klappen will, zumindest mit Butter, Sahne und Zucker einlullen kann.

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Ben Rosett | unsplash.com
Fotograf: Ben Rosett

Im November wird so vielen gedacht: den Heiligen, den Verstorbenen, den Opfern von Gewaltbereitschaft. Schwere Kost an trüben Tagen. Wer das unbeschadet übersteht, verfügt über ein robustes Seelenleben. Wohl dem also, der nicht zu Schwermut neigt und somit Muße hat, sich all jenem zu widmen, was mir im November am besten gefallen hat. So viel sei verraten: das waren weder Regen, noch Nebel…

Habt einen schönen Dezember!
Julia

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Mee-Nudeln mit Erdnuss-Tofu | chestnutandsage.de

Ich als selbstoptimierte Mitteleuropäerin weiß, dass man sich nur genug anstrengen muss um in den kollektiven Rausch der Weihnacht gezogen zu werden. Denn es ist eine Frage des Willens und des Wollens, den flüchtigen Geist der Weihnacht einzufangen. Rede ich mir zumindest ein, während Achtsamkeitsmails eintrudeln, die nur mein bestes wollen, zu Besinnlichkeit mahnen und Mitgefühl fordern. Ich meine: wer bin ich, den Inhalt eines Newsletters in Zweifel zu ziehen? Und so wird geklickt, gezickt, geshoppt, gemobbt, denn für ein glückliches Fest bin ich bereit an meine Grenzen zu gehen. Ausgerüstet mit eisernem Willen und locker sitzendem Portemonnaie ziehe ich in den Kampf ums beste Angebot, denn der Frieden unter Tannenbaum möchte hart erkämpft und teuer erkauft werden. Auch wenn das bedeutet in Postschlangen stehen zu müssen, die größer und aggressiver sind als jede Anakonda es jemals werden kann. Dass in solchen Zeiten keine Zeit für Nebensächlichkeiten ist, das dürfte klar sein. Denn Zeit, Kulinarik zu würdigen oder zu kultivieren, die kann sich in der Adventszeit nun wirklich niemand nehmen! Deshalb gibt es heute einen schnellen Teller Mie-Nudeln. Mit wildem Brokkoli, Erdnüssen und dem Feuer der Sriracha-Soße das einem, sollte man am Ende eines Tages doch an all dem Wollen und Sollen (ver)zweifeln, neu einheizt.

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© Wolfgang Hummer

Was tut die Jungimkerin im Herbst, wenn sie sich nicht mehr um ihre Bienen kümmern muss? Sie bildet sich fort. Gelernt hat sie ja bereits durch leidvolle Erfahrung, dass die Bienen sich einfach nicht an das halten wollen, was in den Büchern steht. Was sie natürlich nicht davon abhält, weiter zu lesen. Bevorzugt Bücher, in denen sie mehr über die imkerliche Praxis lernt, über Krankheiten, die ausbrechen können, und das Wesen der Biene. Schwere Kost. Doch ab und zu, wenn die Jungimkerin genug hat von Fachbegriffen und der Biologie der Biene, da wendet sie sich den Menschen zu. Jenen, die es seit Jahren besser machen als sie, deren Leben das Summen und Brummen der Bienenstöcke ist: Den Wanderimkern. Nicht im wahren Leben, dazu ist die Jungimkerin viel zu introvertiert, sondern – wie sollte es anders sein – in Buchform. Denn sie hält das Buch „Die Reise des Wanderimkers – wie guter Honig zu seinem Geschmack kommt“ in den Händen, ein Buch voller Denkanstöße über Honig, seine Herkunft und die Welt der Imkerei. Weiterlesen…

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Death to the Stockphoto
Foto: Death to the Stockphoto

Im sechsten Jahr des Bloggens, im lutherischen Ehrenjahr, da passierte meinem Blog etwas Kurioses. Aus mir – und das ist natürlich kokett – nicht ersichtlichen Gründen wurde mir die Ehre zuteil, als einer der „besten“ Foodblogs Teil des Buches WIE WIR KOCHEN zu werden. Das Buch bildet den bunten Reigen der Food-Blogger-Welt ab: neben hochgeschätzten Blogger-KollegInnen wie Eva und Philip von Ye olde Kitchen, Karin von Geschmacksmomente, Annette von culinarypixelMercedes und Juri vom Splendido Magazin tummeln sich Profis wie Susann und Yannick von Krautkopf, Laura und Nora von our food stories oder Claudia und Arne von Food with a View und mir bisher vollkommen unbekannte Gesichter wie Melanie vom Mundwerk oder Meike von eat in my kitchen. Es ist ein schönes Buch, es zeigt, wie vielschichtig dieser Teil des Internets ist und lässt auch kleine Blogs, wie eben Chestnut & Sage  einer ist, strahlen. Weiterlesen…

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Kürbiseintopf | chestnutandsage.de

„Schniebel? Schnebel? How do you call it?“ Der Kanadier, der den Platz neben mir eingenommen hat, starrt aus dem Fenster. Wo normalerweise Wälder, Felder und Ortschaften an den Reisenden vorbei ziehen, sieht man – nichts. „Nebel, that’s what you mean“, seufzt seine Begleitung. Dem Kanadier scheints nichts auszumachen, amüsiert summt er ein Schniebel-Schnebel-Nebel-Lied, während der Zug durch das graue Nichts rattert. Ich beneide ihn um seine kindliche Begeisterung, starre jetzt auch aus dem Fenster und wünsche mir nichts sehnlicher herbei als den oft beschworenen „endless summer“. Denn man weiß ja nicht, wann die Zeit kommt, in der das Wünschen wieder hilft (oder Lieder der Toten Hosen wieder hörbar werden). Sollte sie aber bald vor der Tür stehen, die Zeit, bin ich gewappnet. Bis dahin bleibt mir aber nichts anderes übrig, als mir meine Wünsche selber zu erfüllen. Ich entscheide ich mich heute also dazu mir die Sonne auf den Teller zu kochen. Gelb und dampfend heiß, mit viel Gewürzen, Kürbis und Koriander. Damit das Grau nur auf den Pullis bleibt und nicht wie dicker Schnebel in die Seele zieht. Weiterlesen…

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