Seaton | UK | Photographer: Daan Huttinga
Fotograf: Daan Huttinga

Anke schreibt, was ich fühle. Und weil das vielleicht nicht jeder gelesen hat, darf ich einen Auszug aus ihrem Post hier veröffentlichen:

„Ich habe ein eher emotionales Verhältnis zur EU, und ich ahne, dass dieses Gefühl mehr mit Schengen zu tun hat als mit der Gründungsurkunde, die, soweit ich weiß, einen Wirtschaftsraum definierte. Da geht’s schon los: Ich weiß nicht mal genau, wann und warum die EU gegründet wurde. Ich wuchs aber damit auf, dass wir eine schöne blaue Flagge mit goldenen Sternen drauf hatten, eine noch schönere Hymne und dass ab und zu Europawahlen stattfanden, bei denen ich immer das wählte, was ich auch bei Bundestagswahlen wählte. Full Disclosure: Die einzige Wahl, an der ich hätte teilnehmen dürfen und bei der ich dieses Recht verfallen ließ, war eine Europawahl. Ich wohnte in Hannover, das müsste also irgendwann in den 1990ern gewesen sein. Ich hatte nicht das Gefühl, dass meine Stimme irgendwas in meinem direkten Umfeld ändern würde – im Gegensatz zu anderen Wahlen, die sich auf Deutschland, seine Länder oder Kommunen bezogen –, also ging ich nicht wählen. Weiterlesen…

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Melonensalat | chestnutandsage.de

Ich habe den Sommer gesehen. Er sieht aus wie ein Tag mit Freunden. Er ist wie ein nie enden wollender Ferientag. Notwendig. Heilend. Fantastisch! Nach dem Frühstück schwingt man sich aufs Rad, düst gemeinsam durch den Wald, dem Biergarten entgegen. Man fährt kindische Schleifen, klingelt, weil man sich am glasklaren Ton der eigenen Klingel erfreut, oder weil sich der Vorradler dadurch so herrlich erschreckt. Man trinkt Radler, isst Pommes, lacht und bespricht all die Dinge, die einem schon so lange auf dem Herzen liegen. Minigolf scheint an diesen Tagen die einzig kluge Idee zu sein, los gehts, Limo trinkend, nörgelnd, weil es so viele Stationen gibt, lachend, weil es immer einen gibt, den der sportliche Ehrzeig packt, trödelnd, weil es doch nichts weiter zu tun gibt. Warum nicht noch ein Eis? Calippo Fizz oder Capri? Beide sollen es an diesem Tag sein, der einfach nicht enden will. Weiter geht es in die alte Kahnfahrt zum Ruderboot mieten, das ist es, was dem Tag noch fehlt! Sonnentrunken lässt man sich den Stadtgraben hoch und runter tragen, genießt das leichte Schaukeln des Wassers, erfreut sich des Lebens, seiner Selbst und der Liebsten, die man, überhitzt und voller glücklicher Herzen, am besten mit diesem kühlenden Salat aus Melone, Oliven und Feta auf die nicht enden wollende Nacht, die sich einem solchen Tag anschließt, vorbereitet. Weiterlesen…

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Nasu Dengaku | chestnutandsage.de

Vor kurzem wurde ich gefragt, was ich in den vergangenen 10 Jahren gemacht habe. Ob ich verheiratet wäre, Kinder hätte, was der Job so mache und wie es mir ergangen sei – Fragen, die mir, seit ich ein gewisses Alter erreicht habe, in unregelmäßigen Abständen gestellt werden. Ich beantwortete sie wahrheitsgemäß und blickte in große, verwunderte Augen, die mir sagten, dass sich bei mir nun offenbar nichts, ja nicht einmal die Telefonnummer, verändert hätte. Ein hartes Urteil, denn wer bekommt schon gerne Stillstand attestiert, zumal von von jemandem, der dazu nicht einmal befugt ist. Seitdem frage ich mich, ob die Zeit es nicht selber ist, die die Arbeit der Veränderungen übernimmt. Die den Wandel voran treibt, selbst wenn man für Andere offenbar auf der Stelle tritt. Weil Menschen, nach denen man verlangte, weil Orte, die Wichtigkeit besaßen, heute nicht mehr existieren. Weil Dinge, die für andere schon lange vorbei sind, für mich immer noch kein Ende gefunden haben. Das mag für jene, die Veränderungen an handfesten Dingen ausmachen wollen, unverständlich sein, aber das ist bei „Nasu Dengaku“ wohl auch so. Eine mit Miso glasierte Aubergine. Für all jene, die meinen, dass Auberginen nach nichts schmecken würden. Und damit wieder Urteile fällen, auf die keiner gewartet hat.

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vietnamesisches Baguette | chestnutandsage.de

Ich bin eine ehrliche Haut. Das kann man gut finden, oder auch nicht. Meist spreche ich das aus, was ich denke, ein Zustand der mich und andere immer wieder staunen lässt. Kurioserweise führt diese Ehrlichkeit meist dazu, dass ich immer öfter gefragt werde, ob ich zu scherzen beliebe, denn nichts, aber auch gar nichts, ist offenbar so unglaublich wie meine Ehrlichkeit. Harte Urteile, unverblümte Kritik oder auch liebe Worte – sie verwelken wie ein großer Strauß Blumen in meiner Hand, verpuffen in verarscht-Du-mich-jetzt-wieder-Blicken, verhallen ungehört. Der einzige Ausweg, den ich sehe, ist mir ein Kartenhaus aus Lügen zu errichten das so hoch ist, dass sich der Schwindel so richtig wohl fühlt, dass die Balken unter dessen Last so richtig schön krachen. Mein persönliches Wolkenkuckucksheim also, in dem ich jeder passenden Flunkerei, jedem nicht ernst gemeinte Kompliment und jeder derben Beleidigung ein schönes Zimmer eingerichtet habe und an deren Türen ich dann und wann klopfe um mich, in bester münchhausener Manier, ihrer Bewohner zu bedienen. Was natürlich gelogen ist. Woran ich allerdings keinen Zweifel lassen möchte, ist, dass dieses Bánh Mì, das vietnamesische Sandwich, ganz wunderbar ist. Reich belegt mit allem, was köstlich und perfekt für diese Jahreszeit ist, in der man sich nach Urlaub, Strand, Meer und Taschen voller Muscheln sehnt. Ehrlich! Weiterlesen…

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Spargel mit Bohnen und Kartoffeln | chestnutandsage.de

Das Handy war und blieb aus. So war es abgemacht. So sollte es also sein. Kopfüber in das schöne Leben, im Hier und Jetzt, keine Zeit in der Höhle, die das Internet nunmal ist und manchmal auch sein darf, vertrödeln. Das Meer, den Wind, Begegnungen und Freiheit, das alles wollte ich, das alles bekam ich, in diesem wunderbaren Urlaub, der nicht geizte mit all dem was gefehlt hat, der mich mit Farben, Formen und Düften beschenkte die sich nun, wieder zu Hause angekommen, auf dem Teller finden dürfen. Einfach und gut. Wie ein schöner Urlaubstag. Weiterlesen…

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Erbsen-Pasta | chestnutandsage.de

Einsam ziehe ich meine Kreise, den Blick gesenkt, ruhelos. In der Hand ein leises Klimpern, bücke ich mich, prüfe kritisch, lege zurück. Ein kleiner Krebs blickt vorwurfsvoll aus meiner Beute, einer vom Meerwasser verwaschenen, sanft geschliffenen Muschel. Nach welchen Kriterien eine Muschel aufgehoben oder liegen gelassen wird, das weiß ich nicht. Und ob ich nur nach Muscheln suche oder nach mir selbst, das weiß ich auch nicht, ich, die Bürosklavin, die „das traurige, ewig anonyme Gefühl, auf dem Weg in die Moderne etwas verloren zu haben, nicht mehr los wird“, schreibt Nina Pauer in der Zeit. Ich liebe es, Muscheln zu sammeln. Ich sammle sie wie kleine Schätze, bewundere ihre Form, ihren Glanz, ihre Farben. Und lasse sie dann doch zurück, lege sie in den Sand, gebe sie wieder frei. Denn Freiheit, die steht jedem zu. Weiterlesen…

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