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Po'Boy | chestnutandsage.de

Die Männer in schwarz, die morgens an den Bahnhöfen dieser Welt stehen, gezwängt in die immergleiche und fantasielose Uniform, tragen ihre Rollkoffer bei sich, in denen sie ihre kontrollierten Emotionen transportieren, ohne die sie nicht leben können. Am Ziel ihrer Reisen angekommen, stecken sie die Schwalbenschwänze unter auf Hochglanz polierte Tischplatten, halten sie dort gefangen anstatt sie hoch in die Lüfte schwingen zu lassen, wo sie atemlos ihren Träumen hinterher jagen könnten. Zur Sonne. Zur Freiheit. Schön, dass ihr dabei seid. „Poor Boys!“, möchte man ihnen zurufen. „Keiner wird sich an Euch erinnern!“ Denn das Nichts, es wird auch sie vernichten, wird ihre Lebensarbeitszeit, die sie in den Zeitsparkassen dieser Welt angesammelt haben, gegen das Erlebte aufrechnen lassen und sie am Ende ihres Daseins, im wahrsten Sinne des Wortes, alt aussehen lassen. Bereiten wir heute also für all die poor boys (und natürlich auch alle grrrls) ein Sandwich zu, dass zu Ehren all der Armen Tröpfe geschaffen wurde: Das Po’Boy, einem klassischen US-amerkianischen Sandwich, das normalerweise mit frittiertem Fleisch oder Meeresfrüchten, heute jedoch mit frittierten Mozzarella-Kugeln zubereitet wird. Weiterlesen…

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Spinatsalat | chestnutandsage.de

Hier in der Provinz, wo man sich noch schick macht wenn man abends ausgeht, gibt es gerade jetzt, wo wir mit den ersten lauen Frühlingsnächten beschenkt werden, einiges zu sehen. Die Halbstarken, zum Beispiel, deren Hormonhaushalt durch den Duft der knospenden Jugend durcheinander gewirbelt wird und die sich mit verwuschelten Gedanken und gegelten Haaren wie Pfauen um die Schönheiten der Nacht bemühen. Ihre wahre Pracht, ihren Stolz und jede Menge Herz und Bein zeigend, schwirren jene als solche Bezeichneten um die sich nach Leibeskräften Bemühenden. Wie Motten um eine Glühbirne. Gleichermaßen unbeeindruckt wie angetan. Gestärkt muss man für dieses kräftezehrende Schauspiel sein. Nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Protagonisten wie Zuschauer gleichermaßen. Auf dass man sich seiner selbst bewusst ist. Auf dass man die Balance nicht verliert. Denn bereuen, und das weiß man ja, möchte man auch am Ende einer langen Nacht – nichts. Weiterlesen…

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Elbphilharmonie | chestnutandsage.de

Freud und Leid gaben sich im März die Klinke in die Hand. Ein turbulenter Monat. Nicht für jeden der beste. Deshalb sammle ich wieder das, was mir am meisten gefallen hat, auf dass der März einen versöhnlichen Abschluss findet.

Habt einen schönen April, ihr Lieben, und genießt das blaue Band, das der Frühling durch die Lüfte flattern lässt.
Julia

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Falafel | chestnutandsage.de

Die Karten haben heute ein weiteres Mal entschieden, was es zu essen geben soll. Nachdem die erste Karte wieder einmal nur Carnivoren erfreut hätte, überlege ich, die Fleischkarten aus dem Tarot-Deck auszusortieren. Die zweite und die dritte Karte jedoch machten mich dagegen umso glücklicher, Falafel und Salat spielte das Schicksal mir zu – The Golden Ball und the Queen of Sides – was will man mehr? Frieden, zum Beispiel. Denn Falafel, diese perfekten, knusprigen kleinen Kichererbsenkugeln, Seelentröster und Mitternachtsimbiss, sie wurden uns von der arabischen Küche geschenkt. Einer Küche die von vielen Menschen zubereitet wird, die bedroht sind. Menschen die ihre Heimat verlassen, weil sie hoffen in Europa, in Deutschland, Sicherheit und eine Zukunft zu finden. Doch Europa zieht die Mauern hoch – und das, obwohl wir doch erst gestern den 60. Geburtstag der römischen Verträge feierten. Und das, obwohl das Fundament der Europäischen Union auf der Achtung und Wahrung der Menschenwürde, auf Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit steht. Und diese Werte sollten doch nicht nur für Männer und Frauen gelten, die das unglaubliche Glück hatten, in den Grenzen dieser wunderbaren Union geboren zu sein, sondern auch für jene, die sich auf der Flucht vor Krieg und Armut auf den Weg in diesen verheißungsvollen Wirtschaftsraum begeben. Das Schicksal hat mir also Falafel geschenkt. Möge es denen, deren Zukunft ungewiss ist, wohlgesonnener sein.  Weiterlesen…

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Auberginen-Couscous | chestnutandsage.de

Es ist nicht immer möglich, man selber zu sein. Manchmal verstellt man sich. Manchmal nicht. Wann das Verstellte zum Teil der eigenen Persönlichkeit wird, diesen Übergang mag man irgendwann nicht mehr auszumachen. Kaum ist die eine Maske abgesetzt, schon ist die andere wieder aufgezogen. Hier die Kollegin, dort die Bloggerin, die Bekannte, Freundin, Cousine, Schwester, Partnerin. Jedes Mal anders und doch immer die gleiche, immer eine Frau, immer ein Mensch. Aber was ist das schon. Ein Mensch? Organe, Blut, Haut, Haare. Träume und Hoffnungen, Ängste und Abgründe. Ein buntes Potpourri an Gefühlen und Taten, auf jede Situation, auf jede Maske abgestimmt. Und genau so ist das ja auch irgendwie bei der Aubergine, die sich bei vielen Menschen nur von ihrer geschmacklosen Seite zeigt. Dabei kann sie, wenn sie möchte, so ein herrliches Gemüse sein. Weich und zart, die Aromatik anderer aufnehmend und dadurch zur besten Version ihrer selbst werdend. Und das – egal ob Gemüse oder Mensch – sollte man ja immer sein. Weiterlesen…

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Oranges | chestnutandsage.de

Bis die Sonnenstrahlen es schaffen mich morgens zu wecken, bedarf es einiger Hindernisse zu überwinden. Die innenstädtische Bebauung, die innenhöfischen noch kahlen Bäume, der schwere Vorhang, der mich gegen allzu frühes aufstehen schützen soll. Haben sie sich jedoch gegen all diese Widrigkeiten zu Wehr gesetzt, schaffen sie es tatsächlich mich an der Nasenspitze zu kitzeln, begrüßen sie mich verheißungsvoll mit dem neuen Versprechen entscheiden zu können, wer ich an diesem neuen Tag sein möchte. Meistens ist das die immergleiche Büroangestellte, die den Freuden des routinierten Alltags begegnet, aber daran kann ich nichts schlechtes erkennen. An routiniertem Essen jedoch, daran kann ich etwas schlechtes erkennen, gibt es doch wenig schöneres, als sich an den abwechslungsreichen Gaben Mutter Naturs zu erfreuen. Und dazu gehören im Moment noch die herrlichen sizilianischen Orangen, die wie überdimensionierte Saphire wahre Geschmacksschätze sind und mir, als ausgesprochenen Nicht-Morgenmenschen, in marmeladiger Form den Start in den Tag versüßen. Weiterlesen…

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