,

Maamoul | chestnutandsage.de

Wenn Sprache nicht als Grundlage von Freiheit und Zusammenarbeit, sondern, wie Salman Rushdie sagt, als Quelle aller Zwietracht, aller Missetaten und jedweden Charakterverfalls wahrgenommen wird, was macht das dann mit jemanden, der sich selbst als Plaudertasche bezeichnet? Sie hat zwei Möglichkeiten: entweder sie verstummt und trägt damit zu Harmonie und Glückseligkeit bei. Von wem, das ist allerdings unklar. Oder sie vertraut auf sich und redet. Und redet. Vielleicht sich selbst um Kopf und Kragen. Aber lieber kopflos als vor lauter Unglück verstummt. Wem das Herz jedoch so voll ist, dass der Mund von Zeit zu Zeit überzulaufen droht, obwohl er das gar nicht sollte, der muss in Zukunft immer ein Ma’amoul in der Tasche haben. Einen zartmürben Keks, gefüllt mit Datteln, aromatisiert mit Orangenblütenwasser und Kardamom. Den man sich immer dann in den Mund stecken kann, wenn man Gefahr läuft Dinge zu sagen, die man lieber für sich behalten hätte. Weiterlesen…

0
Share

Fotograf: Matthew Henry
Fotograf: Matthew Henry

Diese Woche ist es wieder so weit – ich habe mit meinem Blog den fünften Geburtstag gefeiert. Es war also wieder Zeit für ein Blog-Zwiegespräch, Zeit, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. 

Julia: Lieber Blog, fünf Jahre verbringen wir nun miteinander. Wie geht es dir denn so?
Blog (resigniert): Ach Julia, was soll ich sagen, wir kamen schon mal besser miteinander aus.
Julia: Ja das stimmt wohl, Blog. Aber der Alltag, die Arbeit und dann dieser Sommer! Ich hatte einfach nicht die Energie, dich ausreichend zu hegen und zu pflegen.
Blog (aufgebracht): Alles Ausreden! Schau dir doch mal an, wie wenig Kommentare ich nur noch bekomme! Ich verkümmere!
Julia: Aber Blog, jetzt beruhige dich doch! Ich lass dich nicht untergehen, das hier wird so lange weitergemacht, bis niemand mehr was von Blogs wissen will! (Blog reisst panisch die Augen auf) Schau, was wir gemeinsam erreicht haben, sogar in gedruckter Form gibt es dich!
Blog (schnäuzt sich weinerlich): Wirklich?
Julia: Ja klar! Du und ich, wir bleiben zusammen! Trends kommen und gehen. Influencer überstehen wir auch. Selbst die Kooperationsanfragen schmettern wir immer noch ab, obwohl wir manchmal ganz schwach werden.
Blog (schnieft versöhnlich): Ja, das machen wir wirklich ganz gut…
Julia: Siehst du! Und den ganzen anderen Rest, das regelmäßige schreiben, kochen, kommentieren, das kriegen wir auch wieder hin. Versprochen. Weiterlesen…

2
Share

vegetarische Brotaufstriche | chestnutandsage.de

Ich bin ein Fan von klaren Aussagen. Inhaltsleeres Geschwurbel, das meist das gedankliche Chaos oder die geistige Windstille des Vortragenden widerspiegelt, ist mir zutiefst zuwider. Kein Wunder also, dass ich bei „1 Kilo Avocado benötigt 1000 Liter Wasser“ aufmerke. Denn ein Kilo Tomaten braucht, im Gegensatz zur grünen Fettfrucht, nur 180 Liter Wasser bis es verzehrfertig ist. Das ist eine einfache Tatsache, die einfach formuliert vermittelt um was es im heutigen Post gehen soll: This is not okay. Häufig in Regionen dieser Welt abgebaut, die arm an Trinkwasser aber reich an Land sind, ist der Energieaufwand  für die Menge an Avocados, die ich im Monat esse, einfach nicht zu rechtfertigen. Es wird also Zeit für Alternativen und die sind erstaunlich schnell gefunden. Bunt dürfen sie sein, aromatisch und – am allerbesten – natürlich aus der Region und zur Jahreszeit passend.  Äpfel, Meerrettich, Walnüsse, selbst Rote Bete türmen sich auf um gemeinsam zu Brotaufstrichen kombiniert zu werden die nicht nur verdammt lecker, sondern auch noch (sofern sie aus dem eigenen Garten kommen) fast total CO2-neutral sind und damit zwar keine Erleuchtung garantieren aber zumindest ein gutes Gewissen auf den Teller zaubern. Weiterlesen…

3
Share

,

Herbstäpfel | chestnutandsage.de

Es raschelt unter meinen Füßen. Bunte Blätter wirbeln bei jedem Schritt um meine Beine. Auf der linken Seite habe ich mich bei meiner lieben Freundin eingehakt, auf der rechten Seite habe ich meinen Liebsten im Arm. Die Sonne fällt warm durch das lichte Blätterdach, weich ist es, golden. Wir spazieren durch den Stadtwald, der sich kurz hinter dem Haus erstreckt und zu jeder Jahreszeit seine Schönheit präsentiert. In dicke Jacken eingehüllt, begleiten uns kleine kalte Atemwölckchen zwischen Lachen und Tratschen. Es ist gut zu wissen, dass, egal wo ich hinschaue, Menschen um mich sind, die es gut mit mir meinen. Auch wenn ich das an manch trübem Tag nicht immer erkennen mag. Tage, an denen ich mich lieber in der Küche verstecke, Schutz vor bösen Blicken suche und kleine Abwehrzauber brauche. Als universelle Verteidigung sozusagen, die gerne – ein bisschen salzig, ein bisschen süß – aus dem Backofen kommend sich, behütend wie Fatimas Hand, um mich legen darf. Weiterlesen…

2
Share

,

Pastasotto | chestnutandsage.de

Manchmal, wenn sich die Türen der S-Bahn öffnen und mir Menschen mit all ihrem Gerede, ihrem Gestank, ihren Geheimnissen und Abgründen entgegen strömen, dann habe ich sie so satt. Die Menschheit. Wie sie drängeln und stoßen, mürrisch im Gesicht, kalt im Herzen, enttäuscht und enttäuschend. Ein Gefühl, eine starke Misanthropie, das sich mit zunehmender Dunkelheit ausbreitet. Abgestoßen und der Welt abhanden gekommen. Ein Zustand, dem nur mit seelenstreichelndem Essen begegnet werden kann. Heute nur in einer Portion, wenn man allem überdrüssig ist, sollte man das beste (und das ist Trüffelbutter nunmal) für sich bewahren. Weiterlesen…

1
Share

,

Pitabrote | chestnutandsage.de

Welch Glück, ohne Not und Teufel zu leben. Sonst gäbe es heute Fliegen und nicht, wie jedes Jahr zu Ehren des World Bread Day, Brote, die rund um den Globus gebacken werden. Wie jedes Jahr feiern wir die kulinarische und gebackene Vielfalt und rufen uns – auch im Rahmen des Welternährungstages – ins Bewusstsein, in welch komfortabler und glücklicher Situation wir leben: kein Krieg, keine Vertreibung, kein Hunger bedroht unser Leben, zwingt uns unsere Familien und unsere Heimat zu verlassen. Weder Arbeitslosigkeit, noch Armut oder Perspektivlosigkeit treiben uns an nach einer menschenwürdigen Zukunft zu suchen. Es ist ein großes Glück, als einziges Problem den Alltag auszumachen. Es ist ein großes Glück, sein täglich Brot als selbstverständlich anzusehen. Deshalb backe ich heute, ohne Not, Pitabrote, die mich, weich und flauschig wie sie sind, genau daran erinnern sollen: dass ich dem Teufel zum Glück noch nie begegnet bin. Weiterlesen…

3
Share