Dem Frust mit Schneckennudeln auf der Spur

Schneckennudeln | chesntutandsage.de

In meinem Viertel wohnt ein Gespenst. Ein Phantom. In unregelmäßigen Abständen treibt es Nachts sein Unwesen, macht vor nichts und niemandem halt, verteilt – seine Zettel. Der Zettelmann wird er daher auch genannt. Mit dickem Stift und ruhiger Hand schreibt er seine Wuttiraden nieder, verteilt seinen Hass an Windschutzscheiben, zieht eine Spur des Frusts durch unsere Straßen. Geschimpft wird über vieles: Die Politik im Kleinen und im Großen, Stadträte, Referenten, Oberbürgermeister, ja selbst die Kanzlerin wird nicht verschont. Gesund kann das nicht sein. Auf den Magen würde mir so ein Katzenjammer schlagen! Von der Seele muss man sich doch sowas reden! Ich überlege, ob ich ihm ein paar Schneckennudeln vor die Türe stelle. Vielleicht stimmt ihn das ja milder. Weiterlesen

Zwei Blogs, eine Idee drehen an der Uhr

Krautsalat | chestnutandsage.de

Es ist wieder soweit, Ylva und ich kochen einmal mehr für einander. Heute widmen wir uns Kohl, einem herausfordernen Gemüse an dem sich die Geister scheiden. Zu bitter, zu schwer, aus der Zeit gefallen. Und nicht mehr modern sein, das möchte man ja nicht. Deshalb schaut man noch vorne, hofft auf ein Morgen, in dem man seinen Platz nicht verliert. Vorwärts immer, rückwärts nimmer! – der Ruf wird immer lauter, vielleicht zu laut, birgt er doch die Gefahr in sich das Heute zu vergessen. Versicherungen, Altersabsicherung, erstarrt vor dem, was da kommen könnte, ein Berücksichtigen aller Eventualitäten die vor lauter Vorsorge nicht stattfinden können weil man darüber hinaus das Leben in der Gegenwart vergisst. Dabei gehört das Hier und Jetzt gefeiert, warum nicht mit diesem Salat den ich gerne im Rheingold esse, meinem Ums-Eck-Lokal, meinem Spät-Abend-Dessert-Lieferant, manchmal auch meiner letzten der-Kühlschrank-ist-leer-Rettung, in dem sich die Zeit vorzüglich vertändeln lässt. Von der tamilischen Küche inspiriert, Fenchelsamen, Curryblätter und Kreuzkümmel helfen die Ballaststoffe des Weißkohls im Zaum zu halten und den Salat so bekömmlich zu machen. Die frischen Curryblätter haben einen herben, rauchigen Duft, ein ebensolches Aroma, das auch die übrig gebliebenen und getrockneten Blätter nicht verlieren wollen. Rein pflanzlich erfreut sich der Salat da seiner Tierproduktefreiheit, etwas, was mir gerade sehr entgegenkommt. Weiterlesen

Bunt ist meine Lieblingsfarbe.

Persimmon-Salat GastFreude | chestnutandsage.de

“Bunt ist meine Lieblingsfarbe” hat Walter Gropius gesagt. Wer möchte sich da bitte selber einschränken, zwischen schwarz und weiß pendeln, zwischen den Extremen, wo doch das Leben nur so sprüht vor Farbe, an Abwechslung nicht geizt, immer wieder Neues für uns bereit hält. Wohl dem, der da die Neugier im Herzen trägt. Wohl dem, der seinen offenen Geist nutzt. Wohl dem, der die vielen unterschiedlichen Wege wahrnimmt und annimmt. Und schade für die, die sich in ihren Möglichkeiten beschränken durch Furcht, Vorurteile, geschürten Ressentiments. Sie wissen ja gar nicht, was ihnen entgeht. Weiterlesen

Ein Neujahrsbrot – Ciabatta

Ciabatta | chestnutandsage.de

Der erste Tag des neuen Jahres ist fast magisch lautlos. In schneeweiße Müdigkeit ist er gehüllt, still ruhend. Die Weihnachtsdekoration liegt noch auf dem Tisch, doch das frisches Grün der Schneeglöckchen, meinem letzten Kauf 2014, signalisiert: Weg mit dem alten Zeug – jetzt ist Zeit für Neues! Die Neugier überwiegt das schläfrige Nichtstuns (an dem vielleicht auch der ein oder anderen Schluck zu viel am Neujahrsfest schuld ist), sie lässt mich vom Sofa aufstehen und in die Küche schlendern. Heute habe ich Zeit für die Dinge, die ich mir im letzten Jahr vorgenommen hatte und die in den Wirren des Alltags in Vergessenheit gerieten. Zeit, für ein kontemplatives Herantasten an die Nachkochliste. Die Ruhe soll jedoch nicht zu sehr gestört werden, nur wenige Griffe wollen leicht von der Hand gehen, eine Schüssel, ein Kochlöffel, mehr soll nicht geschwungen werden. Weiterlesen

Wait. What? Meine Top 10 des Jahres 2014

Photo taken by René Reichelt | unsplash.com Zurückblicken liegt in der Natur der Jahreszeit. Dinge dabei zu verklären – das liegt in der Natur des Zurückblickens. Es war nicht immer alles so wie ich es geplant hatte, 2014. Aber auch wenn vieles hätte besser sein können, so war doch nicht alles schlecht. Besonders die folgenden 10 Dinge haben aus 2014 ein eigentlich doch ganz gutes Jahr gemacht.

Vor allem das Bloggen war eine schöne Konstante. Deshalb würde ich mich gerne bei Euch bedanken – fürs Vorbeischauen, Kommentieren, fürs Dasein.

Farewell 2014.
Julia

…das Bild kommt übrigens – wie immer bei Links with Love – von unsplash.

Hoffentlich bin ich noch nicht zu spät…

Brownies | chestnutandsage.de

Heimwärts. Das heißt es jedes Jahr für tausende Menschen, die Weihnachten gerne im Kreise ihrer Lieben verbringen möchten. Glitzernde Lichter begleiten sie, die Reisenden, Rücklichter auf Autobahnen, an Zugfenstern vorbei rauschende festlich leuchtende Dörfer,  Stadtrandlichter. Fest verstaut im Gepäck die Anstrengungen des sich dem Ende neigenden Jahres. Zurücklassen würde wir sie gerne und doch sind sie noch nicht vergessen, gepackt im Rucksack den wir alle mit uns tragen. Beim aus dem Fenster starren fliegen die Gedanken vorbei, mal schneller, mal langsamer. Vorfreude mischt sich mit dem klammen Gefühl, vielleicht doch zu lange weg gewesen zu sein. Diese Befürchtung, diese eine Frage, beantwortet sich unausweichlich bei dem sich einstellenden Gefühl wenn man über die eigentlich wohl bekannten Türschwellen tritt: wird das Herz, die Gedanken, das Sein leicht? Oder andersherum – stellt sich eine Beklommenheit ein die es unmöglich macht anzukommen? Blickt man vielleicht neidisch auf die Gebliebenen, die – im Alltag vereint – eine starke Einheit wurden die so geschlossen scheint, dass einen das offensichtliche Willkommensein anzweifeln lässt? Oder ist einfach alles genau so wie es sein soll – nämlich gut? Weiterlesen